text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Heinrich Mann: Spiegelbild und Antagonist seiner Zeit von Fenner, Alexander von (eBook)

  • Verlag: Diplomica
eBook (PDF)
33,00 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Heinrich Mann: Spiegelbild und Antagonist seiner Zeit

In der bewegten Geschichte Heinrich Manns ist die Zeit seines Frühwerks der wahrscheinlich interessanteste Wendepunkt seines schriftstellerischen Lebens. Seine Literatur ist unausgereift und ein Entwicklungsprozess, der ihn zu dem Autor macht den wir heute kennen. Über die Lyrik in den frühen 1890er Jahren kommt er zu seinen ersten Romanen für die im besonderen "Im Schlaraffenland" (1900), "Professor Unrat"(1905), der wohl bekannteste hier, und "Die Kleine Stadt" (1909) stehen. Die entscheidende Lebens- und Schaffensphase besteht aus dem Talent Heinrich Manns den Menschen und Schriftsteller in seinem Frühwerk zu formen. Schreiben als Selbstfindungsprozess? Vielmehr scheint es sein Bedürfnis zu sein Zeitgenossen und Kaiserzeit auf satirische und schließlich dann auch politische Weise darzustellen. Was hat ihn zu diesem satirischen und schließlich nach 1910 politischen Schriftsteller gemacht? Wie war sein Weg dorthin? Gründe gab es für den damals knapp dreißigjährigen genug. Die Kaiserzeit und sein allmächtiger Bruder sind nur zwei davon. Vor allem aber das Fin de siècle - Verständnis der Jahrhundertwende machen ihn zu einem Vorbild für die junge Generation von Schriftstellern seiner Zeit. Und dennoch stand er als einer der wenigen der Literaturepoche des Fin de siècle skeptisch gegenüber. Die Veränderung in seinem schriftstellerischen Denken und Schaffen machen den Reiz dieser Romane aus. Gleichzeitig ist sie nicht frei von Widersprüchen. Für die Nachwelt und zum Verständnis von Heinrich Manns Literatur dieser Zeitspanne ist es heute wichtig die Zeitlosigkeit seiner Intention zu sehen. Es besteht eine ungeheure Aktualität zwischen den politischen sowie literarischen Strömungen und denen der gerade erst erlebten Jahrtausendwende. Euphorie und Zerrissenheit einer ganzen Literaturepoche werden schriftstellerisch festgehalten von einem großen und im Gegensatz zu seinem Bruder Thomas fast zu wenig beachteten Autor. Der junge Heinrich Mann probiert sich in seinem Frühwerk aus und versucht wie junge Literatur im Allgemeinen eine Perspektive in der Umbruchphase zu finden.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 107
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783836602921
    Verlag: Diplomica
    Größe: 401 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Heinrich Mann: Spiegelbild und Antagonist seiner Zeit

Kapitel 4.2, Synthese aus Kunst und Leben – Die italienische Kleinstadt und die Operngesellschaft:

Mit nur wenigen zeitlichen Angaben aus dem Roman heraus stellt Heinrich Mann die gesellschaftliche Entwicklung einer italienischen Kleinstadt dar, die binnen vier Wochen durch die Aufführung der Oper -Die arme Tonietta- und ihre Darsteller an unbekannte Grenzen stößt und über sie hinauswächst. Es sind die späten 1880er Jahre einer italienischen Provinzstadt, in denen Giuseppe Garibaldi, Kämpfer gegen die französische Besatzung Napoleon III., noch lebhaft in Erinnerung ist.

Vor allem der Advokat Belotti als Führer der Fortschrittlichen Partei wird mit ihm in Verbindung gebracht. Bellotti fühlt sich bereits bei Ankunft der Komödiantentruppe im ersten Kapitel verantwortlich für das Wohlergehen der Künstlergruppe. Seine wichtigsten Gegner sind der Gemeindesekretär Camuzzi und der fanatische Priester der Stadt Don Taddeo. Unter dem Kapellmeister Dorlenghi wird die Oper -Die arme Tonietta- inszeniert werden, in der die bekannte Sängerin Florinda Garlinda mit ihren Arien das kunstbegeisterte Volk fesseln soll.

Im bunten Treiben der Aufreihung der Figuren wird schon im ersten Kapitel die auffallende Verbindung von Kunst und Liebe in der Vorausdeutung der Beziehung zwischen dem Tenor Nello Gennari und der schönen Ordensschwester Alba Nardini bekannt.

Eine Figurenfülle von etwa hundert Personen übertrifft bei weitem das der hier behandelten Romane Im Schlaraffenland und Professor Unrat und verdeutlicht das Anliegen Heinrich Manns einen größeren Zusammenhang und demokratische Verhältnisse aufzeigen zu wollen.

Im Aufbau lässt sich eine dramatische Einteilung von fünf Akten erkennen, die unabhängig von den Kapiteln ist. Damit wird im ersten Akt die gegenwärtliche Idylle der Kleinstadt, im zweiten die Proben der Aufführung , im dritten die Emphase über diese Oper, im vierten die sozialen Gegensätze zwischen Kleinstädter und Theatergesellschaft" und schließlich im fünften Akt die Auflösung der Gegensätze beschrieben.

Der Advokat Belotti und Don Taddeo sind die beiden Charaktere, die Heinrich Mann am deutlichsten darstellt. Beide scharen große Gruppen von Bürgen mit bestimmten politischen Gesinnungen hinter sich. Belotti nutzt die Situation der Opernaufführung und deren Verwicklungen, um als Führer der liberal – republikanischen Fortschrittspartei Stimmen von Regierungs- und Volksvertreter, Künstlern, Arbeitern und dem Gewerbe zu sammeln. Dagegen wird der konservativ-klerikale Don Taddeo vor allem vom unzufriedenen Mittelstand -Handwerker, Kleinbauern, Pächter- und der Mehrzahl der Frauen getragen.

Trotz der demokratischen Hauptintention Heinrich Manns, behält er, wenn auch nur an wenigen Textstellen, eine ironische Erzählform für diese beiden Figuren bei. Bekannt ist sie dem Rezipienten noch aus den beiden Satiren Im Schlaraffenland und Professor Unrat.

Heinrich Mann selbst bekundet einen lächerlichen Zug Belottis: Wenn ich auf Etwas in diesem Buch stolz bin, so darauf, dass der Advokat Belotti, lächerlich, wie er ist, seine tragische Stunde erlebt, dass er nicht aufhört, ein Kirchturmpolitiker zu sein, während in ihm Etwas wie die Verkürzung eines großen Mannes entsteht.

Diese Eigenschaft wird von einer weitaus größeren Sympathie für ihn in der Ereiferung für die Freiheit und Menschlichkeit des Volkes ausgeglichen. Auf der anderen Seite steht der fanatische Don Taddeo, Kämpfer für die Religion und Verteidiger des klerikalen Staatselements, dessen Darstellung in der Überzeichnung manchmal an Unrat erinnert. Er wir

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen