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Ingeborg Bachmann Der dunkle Glanz der Freiheit - Die Biografie von Stoll, Andrea (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.09.2013
  • Verlag: C. Bertelsmann
eBook (ePUB)
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Ingeborg Bachmann

Die große Biografie einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichterinnen

Seit dem tragischen Tod Ingeborg Bachmanns am 17. Oktober 1973 in Rom überlagern Mythen und Legenden das Leben der gefeierten Schriftstellerin. Doch wer war die Frau hinter der strahlenden Ikone, die ihr Privatleben eisern zu verteidigen wusste und der nur wenige Freunde wirklich nahekamen?
In ihrer Biografie zum 40. Todestag macht Andrea Stoll das Drama einer Frau und Künstlerin lebendig, die ihr Schreiben nie nur als Berufung, sondern immer auch als Zwang, Obsession, Verdammnis und Strafe empfunden hat. Weltbürgerin und Heimatsuchende in einem, über Jahre gefangen in einem Dickicht hochkomplizierter Liebesbeziehungen und Freundschaften, allen voran zu Paul Celan, Hans Werner Henze und Max Frisch, hat Bachmann doch immer auch um ihre persönliche Freiheit gerungen und ihre literarischen Ziele kompromisslos verteidigt. Wie sehr Bachmann ihrer Zeit voraus war und welchen Preis sie dafür bezahlen musste, führt uns diese Biografie in eindrucksvoller Weise vor Augen.

Dr. phil. Andrea Stoll hat als Autorin und Dramaturgin zahlreiche Essays, Bücher und Filme geschrieben und war über fünfzehn Jahre als Dozentin für Literatur an der Salzburger Universität tätig. Sie gilt als ausgewiesene Bachmann-Kennerin und hat seit ihrer Dissertation 'Erinnerung als ästhetische Kategorie des Widerstandes im Werk Ingeborg Bachmanns' (1992) zum Werk der österreichischen Autorin mehrere Essays und Bücher vorgelegt, u.a. als Mitherausgeberin des zum internationalen Beststeller avancierten Ingeborg Bachmann-Paul Celan-Briefwechsels 'Herzzeit' (2008).

Ein Kinofilm über Ingeborg Bachmann ist in Vorbereitung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 09.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641090333
    Verlag: C. Bertelsmann
    Größe: 8381 kBytes
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Ingeborg Bachmann

1. Diva im Niemandsland - warum eine Biografie?

Wer sich heute Person und Werk der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann zu nähern versucht, wird mit einem widersprüchlichen Bild konfrontiert. Eine moderne, selbstständige Frau scheint uns da anzuschauen, weltgewandt und voller Lebensfreude. Doch die glanzvolle Erscheinung der österreichischen Autorin, die vor allem mit ihrer Lyrik im Nachkriegsdeutschland außergewöhnliche Erfolge feierte, repräsentative Ansprachen zur Lage der deutschen Dichtung hielt, als Covergirl der Gruppe 47 die Titelseite des Spiegel zierte und von den Medien zum literarischen Fräuleinwunder stilisiert wurde, war nur die eine Seite ihrer Existenz. Die andere, von unauslöschlicher Angst und immer wiederkehrender Verzweiflung geprägte Seite gehörte genauso dazu. Auf Fotografien scheint uns manchmal im Abstand weniger Wochen oder Monate das Antlitz zweier völlig verschiedener Menschen zu begegnen: eine strahlende, entschlossene Person, die ihre Rolle als Dichterin mit Eleganz und Grandezza auszufüllen vermochte, und der in sich zurückgenommene Ausdruck eines Menschen, dem das Martyrium ins Gesicht geschrieben stand, unsicher, scheu und voller Zweifel.

Seit frühester Jugend hatte Ingeborg Bachmann davon geträumt, als freie Schriftstellerin leben und arbeiten zu dürfen, und mit dem ihr eigenen Ehrgeiz und unbedingten Willen alles darangesetzt, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Doch der Preis für ihre Freiheit war hoch, ja, er überstieg im Lauf der Jahre ihre Kraft - und doch hielt sie daran fest, auch dann, als sie längst krank und von den Anstrengungen ihrer freien Autorenexistenz körperlich und seelisch gezeichnet war. Schon bald hatte sie alle bürgerlichen Schutzräume hinter sich gelassen, jung und arm war sie von Kärnten aus nach Wien gegangen, suchte und fand wechselnde Wohnstätten in Italien, die sie wegen Geldmangels nicht selten schon nach wenigen Monaten wieder aufgeben musste. Jahrzehntelang haben die Bedeutung ihres Werkes und der sorgfältig inszenierte Glamour ihrer persönlichen Erscheinung über die regelmäßig wiederkehrenden materiellen Nöte ihres Lebens hinweggetäuscht und den Fokus auf die historische, intellektuelle und ästhetische Dimension ihres Schreibens gelenkt. Auch die daran anschließende Genderdebatte blieb fast ausschließlich an die Motive ihres Werkes gebunden.

Wenn wir heute nach den Bedingungen von Bachmanns Autorenexistenz fragen, so müssen wir den Besonderheiten nachgehen, die eine freie Autorenexistenz in den 50er- und 60er-Jahren für eine Frau bereithielt, die ihre Weiblichkeit nicht verstecken wollte, die sich aber mit jedem Schritt im Dickicht der damals noch festgeschriebenen Geschlechterrollen behaupten musste. Eine Frau, die im deutschen Kulturraum der 50er-Jahre ihren Ehrgeiz offen zeigte, galt als anmaßend. Inszenierte sie darüber hinaus noch ihre Weiblichkeit, galt sie als Femme fatale. Wenn sie sich gar daranmachte, die Welt der Kunst oder der Literatur für sich zu erobern, ohne wie etwa Marie Luise Kaschnitz oder Christa Wolf aus dem bürgerlichen Schutzraum eines Ehe- und Familienlebens heraus zu agieren, betrachtete man sie nicht selten als Freiwild, als eine Frau, die ihre moderne Lebensauffassung doch sicher problemlos mit sexuellen Freizügigkeiten unter Beweis stellen konnte und sich deshalb auch nicht hinter Konventionen verstecken würde.

Die Begehrlichkeiten, die ein frei geführtes Frauenleben in jenen Jahren mit sich brachte, und die Fantasien, die eine solche Frau für die Männer ihrer Umgebung in Gang setzte, waren im persönlichen Leben anstrengend genug. Was aber schwerer wog, waren die beruflichen Auswirkungen, die Maßstäbe, mit denen die Arbeit dieser Frauen beurteilt, ihre Ziele bewertet und deren Realisierung gefördert wurden. Wenn auch die Herausforderungen in bürgerlichen Brotberufen für alleinstehende Frauen hier nicht unterschätzt werden sollen, so bleibt festzustellen,

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