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Jean Paul von Langner, Beatrix (eBook)

  • Erschienen: 21.02.2013
  • Verlag: C. H. Beck Verlag
eBook (ePUB)
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Jean Paul

"Wie war dein Leben und Sterben so sanft und meerstille, du vergnügtes Schulmeisterlein Wutz!" Schon in den düsteren Mauern des Internats übt der spätere Schulmeister sich in der "Wutzischen Kunst, stets fröhlich zu sein". Und bereits als Schüler vollendet er diese Kunst, indem er sich am Fastnachtsmorgen in die Liebe hineintanzt. Als Schulmeister in Auenthal kann er sich selbst die wichtigsten Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt nicht leisten - doch damit auch er etwas Gescheites zu lesen bekommt, schreibt er sich seinen Werther und seine Kritik der reinen Vernunft einfach selbst. Nur kann er sich am Ende, nach langem Studium in seiner Bibliothek, nicht erklären, warum die Buchdrucker die Texte so sehr verfälschen, dass man sie nicht wiedererkennt... Jean Paul hat mit dem Schulmeisterlein Wutz den liebenswürdigsten Sonderling der deutschen Literatur geschaffen. Seine Geschichte ist von einer warmen Menschlichkeit, die bis heute berührt.
Jean Paul, eigentlich Johann Paul Friedrich Richter (1763-1825), stammte aus einer Familie fränkischer Pastoren und Schulmeister. Als einer der ersten in Deutschland wagte er es, ohne Mäzen als freier Schriftsteller zu leben. Nach armseligen Jahren gelang ihm der plötzliche Durchbruch, und er schuf eines der bedeutendsten Prosa-?uvres in deutscher Sprache. Beatrix Langner ist promovierte Germanistin und Schriftstellerin.

Produktinformationen

    Größe: 7071kBytes
    Herausgeber: C. H. Beck Verlag
    Untertitel: Meister der zweiten Welt
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 608
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783406638183
    Erschienen: 21.02.2013
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Jean Paul

1.


DIE VÄTER

Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth, um 1727

S chön schlängelt sich die neugeborene Saale durch das Fichtelgebirge, ein rieselnder Bach, vorbei an Zell, Weißenstadt, Voitsumra, Ruppertsgrün, Schwarzenbach. Aus den Weber- und Färberdörfern nimmt sie die Rückstände von Krappwurzel und Färberdistel, Berberitze, Ahornwurzel und Rainfarn, Purpurschnecke und Eisenspänen mit und wandert, bald zwischen waldigen Hügeln verengt mit schäumendem Gefälle, bald friedlich in allen Farben des Regenbogens spielend zwischen breiten Wiesen, durch die fränkischen, thüringischen und sächsischen Teile des Vogtlands der Elbe entgegen. Im späten Mittelalter von kaiserlichen Vögten regiert, die es im 14. Jahrhundert an die Burggrafen von Zollern verkauften, umfasst das Vogtland die Gegend von der unterfränkischen Stadt Hof über den preußischen Kreis Ziegenrück, das weimarische Amt Weida bis zu den Reußischen Grafschaften und der Tuchmacherstadt Plauen in Sachsen.

Biblische fünfzehn Jahre muss Johann Richter, Sohn des Schönfärbers Johann Richter aus Schwarzenbach an der Saale und der Weißenstädter Schustertochter Anna Kießling, bei einem Hungerlohn um Magdalena Margaretha Hugo dienen, die Tochter des Dorfpfarrers von Rehau. Erst die Berufung zum Rektor der Winkelschule in Neustadt am Culm verhilft ihm mit vierzig Jahren in den heiligen Stand der Ehe. Seit hundert Jahren leben seine Vorfahren als Schön- und Schwarzfärber, Schultheißen, Handwerker, Förster und Tuchweber am Oberlauf der Saale, wo die Kunst des Färbens von einer Generation auf die nächste vererbt wird. Vier Monate nach Amtsantritt wird am 16. Dezember 1727 in Neustadt sein erster und einziger Sohn Johann Christian Christoph Richter geboren. Nach dem Geschlechtsregister soll ihm 1715 eine Schwester Rebekka vorausgegangen sein und noch bis 1793 in Schwarzenbach gelebt haben; sie wäre demnach zu Lebzeiten des Rehauer Seniors – er starb 1718 – unehelich geboren worden, was erklären würde, warum sich der Traum von einer eigenen Schulmeisterei für Jean Pauls Großvater Johann Richter so spät erfüllte.[ 1 ]

Christoph Richters Kindheit fällt in eine turbulente Zeit der Regierungswechsel. Die Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth wird von einer Linie der Hohenzollern regiert, einem schwäbischen Adelsgeschlecht, das im hohen Mittelalter von Kaiser Heinrich VI. mit der Burggrafschaft Nürnberg belehnt worden war. Seit Burggraf Friedrich VI. 1415 dazu noch die Grenzmark Brandenburg sein Eigen nennen durfte, nannten sich die Grafen von Zollern auch in ihren fränkischen Besitzungen Markgrafen. Unter den Nachkommen seines Sohnes, des Markgrafen Albrecht I. Achilles, wurde die fränkische Markgrafschaft 1486 in Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Kulmbach geteilt, während die noch von Albrecht erlassene dispositio Achillea die Unteilbarkeit der Kurmark Brandenburg für alle Zeiten garantierte und damit den späteren Aufstieg des Hauses Hohenzollern zur preußischen Großmacht begründete. 1604 verlegte Markgraf Christian von Brandenburg-Kulmbach, Sohn des brandenburgischen Kurfürsten Johann Georg, seine Residenz von der Plassenburg nahe Kulmbach nach Bayreuth und benannte das Fürstentum um in Brandenburg-Bayreuth.

1726, im Jahr vor Christoph Richters Geburt, tritt Georg Friedrich Karl von Brandenburg-Kulmbach die Nachfolge des kinderlos verschiedenen Markgrafen Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth an. Der Erbfolge nach hat er kaum damit rechnen dürfen, jemals regierender Fürst zu

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