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Kind der Aare Autobiographie von Schneider, Hansjörg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.02.2018
  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Kind der Aare

Hansjörg Schneider erzählt vom Aargau, der Landschaft, die ihn geprägt hat. Von den sanften Hügeln und Auen und der kargen, autoritären Atmosphäre seiner Kindheit und Jugend in den Nachkriegsjahren. Von der Studentenzeit in Basel bis hin zum Aufbruch in ein Leben für die Literatur. Woher kommt ein Schriftsteller? Authentisch, berührend und kein bisschen milde zeichnet Hansjörg Schneider nach, wie er wurde, wer er ist. Hansjörg Schneider, geboren 1938 in Aarau, arbeitete als Lehrer und als Journalist. Mit seinen Theaterstücken war er einer der meistaufgeführten deutschsprachigen Dramatiker, seine Hunkeler

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 28.02.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257608779
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: Kind der Aare
    Größe: 1049 kBytes
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Kind der Aare

M eine Mutter hieß ledig Hilda Riniker, wurde 1907 geboren und wuchs in Aarau auf.

Die Riniker sind in Schinznach Dorf heimatberechtigt, ein alteingesessenes Bauerngeschlecht. Offenbar ist vor Jahrhunderten ein Vorfahre aus dem nahen Riniken hierhergewandert, daher der Familienname.

Schinznach Dorf liegt am Eingang zum Schenkenbergertal knapp über der Aareebene, in der das wesentlich jüngere Schinznach Bad gebaut wurde. Das Schenkenbergertal steigt über Oberflachs und Thalheim zur Staf felegg hinauf. Auf halber Strecke steht auf einem Hügel die Ruine Schenkenberg, etwas unterhalb davon das Schloss Kasteln, das von den Bernern erbaut wurde. Das ganze Tal gehörte zum Untertanengebiet Berns und ist konfessionell reformiert.

Alle drei Dörfer leben teilweise vom Weinbau. Die Rebberge ziehen sich hinauf bis Thalheim, alte Trockenmauern aus Kalkstein, die den Sonnenhang terrassieren. Noch in meiner Jugend nannte man die Tage des Wimmets die Freinächte, da es während der Weinernte keine Polizeistunde gab. Kürzlich habe ich auf einer Liste der 25 besten Schweizer Weine gelesen, dass ein Pinot noir aus Thalheim auf Platz 14 steht.

Mein Großvater Friedrich Riniker ist in jungen Jahren nach Aarau ausgewandert, wo er auf dem Güterbahnhof eine Lebensstelle fand. Meine Mutter ist in Aarau geboren worden und aufgewachsen. Trotzdem betrachte ich das Dorf Schinznach als ihre Heimat. Noch immer, wenn ich in meinem kleinen Fiat aus dem Raum Aargau zurückfahre, biege ich ab von der Autobahn und kurve über die schmale Bergstraße durch die drei Dörfer auf die Staf felegg hinauf, wo ich einen Kaffee trinke. Die alten, kleinen Bauernhäuser entlang der Straße, in deren Ställen kaum mehr als neun Haupt Vieh Platz fanden, fünf Milchkühe, zwei Rinder, zwei Kälber. Gegen Süden hin die dunkel bewaldete Flanke der Gislif luh, im Norden die Weinberge im Spätsommerlicht, eine landschaftliche Schönheit ohnegleichen. Und dies gleich am Rande der Großagglomeration Zürich.

Auch über meine mütterliche Familie weiß ich nicht viel. Offenbar hat die Riniker Sippe genauso wenig Wert auf Familiengeschichte gelegt. Den Vornamen meiner Großmutter mütterlicherseits musste ich bei meiner Schwester erfragen. Sie hieß Anna Zulauf. Auch Zulauf ist ein alteingesessener Schinznacher Name.

Ich fühle mich als Riniker. Ich würde gern diesen Namen tragen.

Vor rund zwanzig Jahren hat mich der bekannte Filmer Paul Riniker angerufen. Er komme mich besuchen in Basel, er wolle von mir etwas über die Basler Universität wissen.

Als er vor mir stand, habe ich gestaunt und gesagt: "Riniker Schinznach." "Woher weißt du das?", hat er gefragt. "Ich sehe das an deiner Riniker-Nase", habe ich geantwortet. Wir haben dann herausgefunden, dass wir Coucousins sind.

Mein Großvater Friedrich hat sich in Aarau an der Zelglistraße ein Haus bauen lassen. Ich habe keine Ahnung, womit er es bezahlt hat. In der Familie Riniker ist nie über Geld geredet worden. Es war, als würde Geld gar nicht existieren.

Meine Großmutter Anna hat wohl den großen Gemüsegarten angelegt. Sie starb, als meine Mutter ungefähr achtzehn war. Ich weiß nicht, woran. Meine Mutter hat es auch nicht gewusst. Sie hat erzählt, ihre Mutter sei eines Tages krank geworden und sei im Bett liegen geblieben. Man habe ihr Stöhnen gehört. Der Arzt sei gekommen, aber der habe auch nicht helfen können.

Dieser Ehe sind drei Töchter entsprossen und ein Sohn mit Namen Fritz. Dieser Fritz hatte ein trauriges Schicksal. Er war ein normaler, gescheiter Junge. Bis es mit ungefähr dreizehn Jahren zu hapern begann. Er hat zwar alle Gebirgspässe der Schweiz auswendig gewusst und dauernd aufgesagt, von wo bis wohin sie führten. Aber er kam im Unterricht plötzlich nicht mehr mit, man musste ihn aus der Schule nehmen. Die Begründung war, dass es nicht mehr gegangen sei. Er kam in ein Heim im Zürichbiet, wo e

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