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Literatur Kompakt: Theodor Fontane von Kleinpaß, Susanne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.06.2012
  • Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
eBook (PDF)
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Literatur Kompakt: Theodor Fontane

Theodor Fontane - der bedeutendste deutsche Schriftsteller des Realismus. Susanne Kleinpaß legt mit dem zweiten Literatur kompakt-Band eine konzentrierte Darstellung zu Fontanes literarischem Gesamtwerk vor. Sie ordnet dessen Schriften biografisch, literarhistorisch und politisch-sozial ein und arbeitet in Interpretationen der wichtigsten Werke Fontanes zentrale Themen heraus: Den Konflikt zwischen individuellem Glückstreben und der Einhaltung gesellschaftlicher Normen, die Kritik an Adel, Bourgeoisie und Bildungsbürgertum, die Verantwortung von Familie und Gesellschaft für die Taten einzelner Personen, das Phänomen der Resignation, den Rückzug des Individuums ins Provinzielle und Kontemplative. Kleinpaß bezieht dabei den Fontane eigenen Erzählton und seine besondere, dem realistischen Erzählen dienende Produktionsästhetik ein und portraitiert den an der Schwelle zur Moderne stehenden Autor von Werken wie "Irrungen, Wirrungen", "Frau Jenny Treibel" und "Effi Briest". Susanne Kleinpaß, geb. 1959, studierte Germanistik und Geschichte auf Lehramt an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Nach dem Referendariat am Gymnasium unterrichtete sie an einer Realschule und war 2004 Lehrbeauftragte am fachdidaktischen Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Düsseldorfer HHU. Seit 2004 ist sie Deutschfachleiterin am Zentrum für schulpraktische Lehrerbildung in Mönchengladbach. 2007 und 2009 publizierte sie in fachdidaktischen Zeitschriften Aufsätze zum kooperativen Lernen im Deutschunterricht.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 05.06.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783828855922
    Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
    Serie: Literatur kompakt Bd.2
    Größe: 7553 kBytes
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Literatur Kompakt: Theodor Fontane

IV. Voraussetzungen, Grundlagen und Werkaspekte

Fontane war für seine Zeitgenossen der Balladendichter, dann der Autor der Wanderungen durch die Mark Brandenburg und zuletzt der Romancier (Richter 1980, S. 118). Aus heutiger Sicht muss man sagen, dass diese Charakterisierungen Fontanes literarisches Tätigsein nur unzureichend beschreiben. Es ist gerade das facettierte Zusammenspiel der wechselweise aufeinander einwirkenden Arbeitsbereiche, die den Dichter in seiner literarischen Entwicklung vorantreiben. So arbeitet Fontane zeitlebens synchron an Schriften unterschiedlicher Genres, legt nicht selten das Brouillon eines Romans zur Seite und nimmt sich dann zum Beispiel die Wanderungen vor. Diese wiederum sind nicht ohne die schottischen Reiseimpressionen denkbar, so wie auch Effi Briest nicht ohne die autobiografischen Kinderjahre und sein großer Altersroman Der Stechlin nicht ohne Von Zwanzig bis Dreißig. Auch sein lyrisches Schaffen kann nicht unabhängig von den Romanen betrachtet werden. Fontanes spätere Gedichte sind gerade vor dem Hintergrund seines Schaffens als Romanautor von Interesse. Sie besitzen im Vergleich zur früheren konventionelleren Lyrik Fontanes einen neuen, sogenannten unlyrischen Ton. Sein episches Werk wiederum erstreckt sich nicht nur auf die letzten beiden Jahrzehnte, wenngleich dies zweifellos die Jahre seiner Meisterschaft sind. Kleinere, weniger bedeutende Erzählungen wie Geschwisterliebe oder Tuch und Locke entstehen bereits zu einem frühen Zeitpunkt.

Historisch-politischer Hintergrund

Das literarische Schaffen des Dichters vollzieht sich im Kontext der historischpolitischen Situation Preußens, des damals herrschenden europäischen Wissenschaftsverständnisses und der europäischen Romantradition des 19. Jahrhunderts. Schon vor dem Scheitern der 48er-Revolution zeichnet sich in der preußischen Politik eine Hinwendung zu greifbaren, realen Interessen ab, die 1853 erstmalig explizit als 'Realpolitik' bezeichnet wird und zugleich eine klare Absage an die Philosophie des Idealismus darstellt. Mit dem Erwachen nationalstaatlichen Bewusstseins war die Überwindung der Rückständigkeit Preußens und der übrigen deutschen Staaten gegenüber England und Frankreich in Fragen der politischen Einheit und der Wissenschaft ein drängendes Anliegen geworden. Die Fortschrittsorientierung wirkte sich auch auf die literarische Zunft aus, wovon der Name des oben erwähnten Dichtervereins 'Tunnel über der Spree' beredtes Zeugnis ablegt. Schließlich wurde mit dieser Bezeichnung die technische Unterlegenheit Preußens spöttisch ins Visier genommen (siehe oben, S. 29) (Balzer 2006, S. 18). Mit der Besiegelung der nationalstaatlichen Einigung durch den Deutsch-Französischen Krieg von 1870-71 war der Realpolitik zunächst Genüge getan, was Bismarck zu dem Schlagwort von der 'Saturiertheit' Preußens bewegte. Reale Interessen waren beim aufstrebenden Bürgertum jetzt in eigener Sache gefragt. Die französischen, in das deutsche Kaiserreich fließenden Reparationszahlungen begünstigten die Entstehung einer wohlhabenden Mittelschicht. Mit Frau Jenny Treibel hat Fontane diesem wirtschaftlichen Aufstieg der Bourgeoisie und vor allem ihrer Fixierung auf Äußerlichkeiten das wohl humorvollste Denkmal seines uvres gesetzt.

Adolf Menzel: Eisenwalzwerk (Moderne Cyklopen), 1872-1875

Auguste Comte

Positivismus

Zentrale wissenschaftliche Impulse jener Zeit liefert zum Beispiel der Positivist Auguste Comte. Er verwirft den Idealismus und das bis dahin gültige wissenschaftliche Instrumentarium. Er wendet sich gegen spekulative Methoden und Metaphysik und lässt einzig die minutiöse Beobachtung und das kontrollierte Experiment gelten, um diejenigen Gesetzmäßigkeiten aufzudecken, die allen Vorgängen immanent seien. Sein Schüler Hippolyte Taine hat den Positivismus a

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