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Marion Poschmann trifft Wilhelm Raabe Der Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2013

  • Erscheinungsdatum: 06.10.2014
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Marion Poschmann trifft Wilhelm Raabe

Im November 2013 wurde Marion Poschmann mit dem von der Stadt Braunschweig und dem Deutschlandfunk vergebenen Wilhelm Raabe-Literaturpreis ausgezeichnet. Der vorliegende Band würdigt in zahlreichen Beiträgen, darunter die Laudatio von Sigrid Löffler, ihr vielschichtiges und facettenreiches Werk. Außerdem nachzulesen: Marion Poschmanns bisher unveröffentlichte Erzählung "Pelargonium triste: Geschichte der Geranie" sowie ihre fulminante Dankesrede. Diese ist zugleich eine Liebeserklärung an den bemerkenswertesten aller Barockromane, die rund 7000 Seiten starke "Römische Octavia" des Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig, und eine so luzide wie originelle Studie zur "lässigen Ironie" im Werk Wilhelm Raabes.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 80
    Erscheinungsdatum: 06.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518737798
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1720kBytes
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Marion Poschmann trifft Wilhelm Raabe

HUBERT WINKELS
Vorwort

Es war einer jener Momente, in denen alles stimmt, in denen jeder weiß, dass alles stimmt, in denen sich ein lautloser Jubel ausbreitet, weil man doch gleichzeitig zuhört und nachdenkt und sinnt und weiß, dass man dies alles noch einmal nachlesen, fein säuberlich aufreihen und in seiner schönen Ordnung genießen will.

Es ist von einer Dankesrede bei der Vergabe eines Literaturpreises die Rede, von einer mit der Vervielfältigung der Preise in Mode gekommenen Gattung, deren Muster in Deutschland noch immer der Dank für den Büchnerpreis abgibt, deren schönste Exemplare nicht selten in den Tages- und Wochenzeitungen abgedruckt werden und die überhaupt, ebenso wie die Laudatio und die Preisverleihung als solche, besser ist als ihr Ruf, mischen sich doch hier auf überschaubarer Strecke Kernstücke der selbstreflexiven Poetologievorlesung gerne mit Elementen einer biographischen Konfession. Und wenn es in diesem Prozess noch zusätzlich zündet, weil zwischen dem Namensgeber des Preises und seiner Empfängerin sich unverhoffte Konjunktionen auftun, hintergründige Übereinstimmungen ebenso wie literaturhistorisch beredte Kontraste, dann hat man eine der guten Stunden erwischt, die der emsige Literaturbetrieb eben auch immer wieder hervorbringt, auch wenn er sich am liebsten selbst beschimpft. Nein, wenn man bei einem solchen Moment dabei ist, dann weiß man es auch.

Und solch einen Moment hatte das Publikum der Wilhelm Raabe-Literaturpreisverleihung am 2. November 2013. Marion Poschmann, in ihrer sinnlich fast schon übergenauen, ins Ornamentale drängenden überkonkreten Erzählweise, hat auf den ersten Blick vieles gemeinsam mit dem knorzigen Filigranbeobachter aus Braunschweig, nicht nur in ihrem ausgezeichneten Roman Die Sonnenposition . Sie weiß es und will es auch auf ihre Weise sagen, doch ist ihr ein anderer Braunschweiger dazwischengekommen. Nicht nur bei der Vorbereitung auf ihre Dankesrede, sondern schon viele Jahre vorher, bei ihrem Studium der Literaturwissenschaft in Bonn, ist ihr etwas dazwischengekommen, das so groß ist, dass der Ausdruck ›dazwischen‹ so gar nicht passen will: ein 7 000 Seiten umfassendes monumentales Erzählwerk deutscher Sprache, das einem im Leben dazwischenkommen kann, aber nicht bei der Lektüre. Es ist zu groß dafür in vielfacher Hinsicht. Marion Poschmann jedenfalls war affiziert und fasziniert und nach und nach ergriffen, so dass sie, schon längst in Berlin lebend, das große Werk ihrerseits erneut beherzt ergriff - in der Berliner Leihbibliothek nämlich, oh Wunder!, hätte man es doch ausschließlich in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel vermutet - , und dieses Werk, Die römische Octavia des Herzogs Anton Ulrich zu Braunschweig und Lüneburg, bändeweise nach Hause schleppte und darin ... las, ja sicher, aber doch wohl eher wühlte, kreuz und quer und hin und zurück lief und, wie zu vermuten steht, dabei Karteikarten anlegte, Diagramme, Listen und Zeichnungen anfertigte. Das jedenfalls empfahl bereits Gottfried Wilhelm Leibniz in seinen Briefen an ›Eure Durchlaucht‹ - so werden heute leider Autoren nur noch selten angeredet, so durchleuchtet sie auch sein mögen - , den Erzherzog Anton Ulrich, und einige Jahrhunderte später Richard Alewyn in seiner Studie über den Roman des Barock, beides wiederum referiert von Helwig Schmidt-Glintzer, dem Leiter der oben erwähnten Wolfenbüttler Bibliothek, in diesem Band.

Also Die römische Octavia und der Augenblick der literaturbetrieblichen Erleuchtung: Unter dem Vorwand, die ästhetischen Spuren des epocheprägenden norddeutschen Barockherrschers im Werk des heiter misanthropischen

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