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Michael Ende Gefangen in Phantásien von Dankert, Birgit (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2016
  • Verlag: Lambert Schneider
eBook (ePUB)
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Michael Ende

?Die unendliche Geschichte? war ein Welterfolg und machte Michael Ende zum Star. ?Jim Knopf? und ?Momo? begeisterten als Puppenspiel, Film und Musical. Ende entdeckte die phantastische Kinder- und Jugendliteratur für Deutschland und vermochte auch erwachsene Leser zu fesseln. Aber er war nicht unumstritten. Weltflucht und Realitätsverweigerung lautete der Vorwurf. Birgit Dankert hat für diese Biographie umfangreiches Archivmaterial ausgewertet und mit Weggefährten gesprochen. Sie zeichnet Endes Leben sorgsam nach: die Kindheit in München, den Zweiten Weltkrieg, das Scheitern auf der Bühne, den Durchbruch als Autor, Krise und Neuanfang in späten Jahren. Das Resümee ist nicht ohne Tragik. Michael Ende sah sich als Künstler, doch die ersehnte Anerkennung als Theaterautor und Regisseur blieb ihm versagt. Er bediente mit seinen weltanschaulichen Botschaften die Erwartungen der Fans und blieb gefangen in einer fremden Rolle. Birgit Dankert ist ein einfühlsames Porträt gelungen, das uns Michael Ende so nahe bringt wie nie zu vor.

Birgit Dankert, geb. 1944, war Professorin für Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der Fachhochschule Hamburg und Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur e. V., des Vereins der Bibliothekare an Öffentlichen Bibliotheken sowie Sprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände. Sie ist freie Mitarbeiterin bei der ZEIT (Kinder- und Jugendliteratur) und Trägerin der Karl Preusker Medaille. Berufliche bzw. Forschungsschwerpunkte sind Bestandsmanagement für Bibliotheken, Bibliothekspolitik, Arbeit in Kinder- und Jugendbibliotheken, Kinder- und Jugendliteratur sowie Kulturmanagement.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 312
    Erscheinungsdatum: 01.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783650401410
    Verlag: Lambert Schneider
    Größe: 2979 kBytes
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Michael Ende

Jugend und Krieg (1940-1949)

Soldaten, Gedichte, Waldorfpädagogik

D rei Erziehungsinstanzen bestimmten das Leben von Schulkindern, seit der Nationalsozialismus sich fest in der deutschen Gesellschaft etabliert hatte. Neben Elternhaus und Schule traten die für Jungen von Beginn an paramilitärischen Programme der Jugendorganisationen der NSDAP. Ihr Reiz bestand zu einem nicht geringen Teil in Angeboten, die die Familien und die herkömmliche Ausbildung entweder gar nicht oder für einen späteren Lebensabschnitt vorsahen. Jugend und Adoleszenz wurden in ein jüngeres Alter vorverlegt. Diese Entwicklung kam dem erfolglosen Gymnasiasten Michael Ende recht, auch wenn er im Elternhaus die existenzbedrohenden Folgen der herrschenden politischen Programmatik erlebte.

Sein Vater erhält Weihnachten 1940 den Stellungsbefehl der Deutschen Wehrmacht und zieht als Rekrut bei der Flakartillerie in Bonn ein. Ab 1941 ist er in Köln als Obergefreiter beim Flakscheinwerfer-Bataillon 408 im Innendienst mit technischen Zeichnungen beschäftigt. Weil es auch unter den nazifreundlichen Bekannten des Ehepaares Ende Bewunderer seiner offiziell abgelehnten Kunst gibt, erhält Edgar Ende Aufträge, süddeutsche Kasernen auszumalen - eine gern genutzte Gelegenheit, wieder in Bayern tätig zu sein. Der Vater, auf den ständig Rücksicht zu nehmen war und der trotz aller Lebensangst unbeirrt an seiner Verantwortung als moralische Instanz festhielt, rückt für Michael Ende nun in immer größere Ferne. Seine Abwesenheit bedeutet Bewegungsfreiheit. Der Junge sieht ihn bis 1945 nur noch bei Heimaturlauben, zuletzt im Frühjahr 1944. Die dominante, aber nachgiebige Mutter agiert nun für fast fünf Jahre als Bezugsperson in schwieriger Zeit.

Vater und Sohn 1940

Die Schule bleibt weiterhin ein Desaster. Er gewöhnt sich nicht ein und verweigert jede Leistung. Schon in dieser frühen Phase beginnen die Verhaltensweise des Jungen seine Umgebung zu polarisieren: Ist er faul, ängstlich oder schwierig aus Kalkül? Fragen, die sich Freunde und Wegbegleiter lebenslang stellten.

Als die Sexta wiederholt werden muss, findet er im neuen Klassenverband einen Freund, laut Boccarius (1995) hieß er Bodo. Auch dessen Eltern ermöglichen dem Jungen aus der mittellosen Künstlerfamilie Ferienaufenthalte auf dem Land - kleine Annehmlichkeiten, für die sich Michael Endes Eltern nie angemessen revanchieren konnten. Bekannte schildern, dass es die liebenswürdige Ratlosigkeit und Verbindlichkeit der Mutter war, die Großzügigkeiten dieser Art zuließen. Michael Ende gewöhnte sich daran, Geschenke entgegenzunehmen, ohne viel zu fragen. Vielleicht liegt hier der Grund dafür, dass der Autor einige Jahre später mühelos und wirkungsvoll Bittbriefe um Geld und Unterstützung schreiben konnte, die seinen hochgesteckten ästhetischen und moralischen Vorstellungen entgegenstehen mussten.

Der Schulunterricht des von der Münchner Bürger- und Bildungselite geschätzten Maximiliansgymnasiums findet im Westflügel des repräsentativen Gebäudes statt. Die Schüler benützen den Zugang von der Siegfriedstraße 20 aus. In einer Baracke im Luitpold-Park hält die Hitlerjugend ihre Heimabende ab. Michael Ende nimmt an den Indoktrinations- und Erlebnisangeboten teil, trägt die Uniform der Hitlerjugend, findet einen vermeintlich schulfreien Raum für seine Freundschaft mit Bodo. Was die Eltern als Ausweichmanöver zur Vermeidung der paramilitärischen Übungen der Hitlerjugend verstehen und begrüßen, eröffnet dem zwölfjährigen Sohn nach seinem Lebensgefühl neue Abenteuer. Als Hitlerjunge übernimmt er in der Reitschule der SA in der Königstraße Stalldienste, die ihm die Möglichkeit geben zu reiten. Als der Krieg mit drohenden Bombenangriffen auf München näher kommt, gehören auch Nachtwachen zu seinem Dienst.

Am 4. Juni 1940 flogen die Alliierten von Frankreich aus den ersten Angriff auf München. Die letzte Bombe des Zweiten Weltkr

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