text.skipToContent text.skipToNavigation

Ohne Euch wäre ich aufgesessen Geschwisterbriefe von Fallada, Hans (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.06.2018
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
19,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ohne Euch wäre ich aufgesessen

'Ohne Euch wäre ich aufgesessen': Dieser Schatz bislang unveröffentlichter Briefe, die sich Hans Fallada und seine Schwestern von 1928 bis 1946 schrieben, spiegelt das wechselvolle Leben des großen Schriftstellers und zugleich zwanzig Jahre bewegter deutscher Geschichte wieder. Eine eindrückliche und spannende Lektüre, zusammengestellt von seinem Sohn. Im Dezember 1928 schreibt Fallada seiner Schwester 'Ibeth', der Ältesten von den drei Geschwistern, seit langem den ersten Brief: 'Ich bitte Euch zu diesem Weihnachtsfeste, wenn auch noch nicht zu vergeben und zu vergessen, mir doch noch ein letztes Mal eine Möglichkeit zu geben.' Nach zwei Jahren Gefängnis, weil er Geld für seine Alkohol- und Morphiumsucht veruntreut hatte, arbeitet er inzwischen bei einer Zeitung (noch ist er kein erfolgreicher Schriftsteller), und er hat seine große Liebe, Anna Issel, geheiratet. Auch der Neustart mit der Familie wird ihm nicht verwehrt. Schon am Neujahrstag antwortet seine Schwester Elisabeth: 'Wir wollen doch lieber nur an die Zukunft denken.' Von diesem Tage an bis zur Weihnacht 1946, Falladas letzter, wird der regelmäßige Briefkontakt nicht mehr abbrechen.

Rudolf Ditzen alias HANS FALLADA (1893-1947), zwischen 1915 und 1925 Rendant auf Rittergütern, Hofinspektor, Buchhalter, zwischen 1928 und 1931 Adressenschreiber, Annoncensammler, Verlagsangestellter, 1920 Roman-Debüt mit 'Der junge Goedeschal'. Der vielfach übersetzte Roman 'Kleiner Mann - was nun?' (1932) machte Fallada weltberühmt. Sein letztes Buch, 'Jeder stirbt für sich allein' (1947), avancierte rund sechzig Jahre nach Erscheinen zum internationalen Bestseller. Weitere Werke u. a.: "Bauern, Bonzen und Bomben" (1931), "Wer einmal aus dem Blechnapf frißt" (1934), "Wolf unter Wölfen" (1937), "Der eiserne Gustav" (1938).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 15.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841215086
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 18305 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Ohne Euch wäre ich aufgesessen

Rudolf Ditzen - Neumünster-Holstein - Schützenstr, 29 II

Am 20.12.1928.

Liebe Ibeth, lieber Heinz,

ich bitte Euch zu diesem Weihnachtsfeste, wenn auch noch nicht zu vergeben und zu vergessen, mir doch noch ein letztes Mal eine Möglichkeit zu geben. Ich habe mich in den letzten Jahren geändert, und ich wäre Euch so sehr dankbar, wenn Ihr es noch einmal mit mir versuchen wolltet. Ich werde Euch mit nichts lästig fallen. Aber wenn ich Euch wenigstens dann und wann einmal von meinem Ergehen schreiben darf und das Gefühl haben könnte, dass Ihr meine Briefe nicht ganz ablehnend, wenn auch vorläufig nur abwartend aufnehmt, so bin ich Euch schon dankbar.

Ich denke, dass Ihr von Mutti gehört haben werdet, dass mein Geschick endlich eine gute Wendung genommen hat, dass die qualvollen Monate mit ihrem Suchen und Warten vorüber sind und dass ich endlich eine feste Stellung gefunden habe. Dass sie grade in einem Zeitungsbetriebe ist oder doch wenigstens sehr eng mit ihm zusammenhängt, sehen sowohl die Eltern wie auch meine hiesigen Freunde für besonders günstig an. Von mir zu schweigen. Wie glücklich ich bin, das kann ich niemandem sagen. Und wie dankbar den Eltern, die mir dies ermöglichten.

Natürlich ist noch vieles sehr neu für mich, auch muss ich mich selbstverständlich von der Pike aufarbeiten. Aber ich werde mich schon durchbeißen, und mein neuer Chef sieht die Sache auch nur als ein Sprungbrett für mich an und hat viel mehr mit mir im Sinne. Aber selbstverständlich kommt das Mehr nicht schon heute oder morgen, ich werde wohl erst ein paar Jahre hier arbeiten müssen. Aber ich bin ja so glücklich, dass ich endlich eine vernünftige Arbeit gefunden habe.

Heute habe ich den Brief von Mutti bekommen, durch den auch die letzten Formalitäten erledigt sind. In dieser Stunde will ich Euch schreiben. Und ich möchte Euch wünschen, dass Ihr ein ebenso glückliches und innerlich ruhiges Fest verleben möchtet wie ich.

Mit den herzlichsten Wünschen und Grüßen bin ich
Euer

Rudolf Ditzen - Neumünster-Holstein - Schützenstr, 29 II

Am 20.12.1928.

Liebe Dete, lieber Fritz,

erlaubt mir, dass ich Euch zum Weihnachtsfeste meine Grüße sende und dass ich Euch auch in Zukunft dann und wann einmal über mein Ergehen schreiben darf und nach dem Euern fragen. Ich habe ja auch in den letzten Jahren einige Male mit Euch korrespondieren dürfen, aber da handelte es sich ja stets um Anliegen von meiner Seite. Mit diesen Anliegen soll es nun vorbei sein. Wenn ich Euch jetzt schreibe, so darum, Euch zu bitten, die Verbindung mit mir nicht ganz aufzugeben und mir noch einmal eine Chance zu geben. [...]

Wenn Ihr nun noch so freundlich seid, mir das Gefühl zu geben, dass ich die Verbindung mit der Familie nicht ganz verloren habe, werde ich ganz glücklich sein. Ich wünsche Euch von Herzen, dass Ihr ein ebenso glückliches und innerlich befriedigtes Weihnachtsfest feiern möget wie ich. Noch einmal herzlichen Dank für die Schreibmaschine, sie ist mein wertvollstes Besitztum.

Herzlichst grüßt Euch
Euer

Elisabeth Hörig - Braunschweig - Hamburgerstr. 249

Braunschweig, den 1.1.1929.

Lieber Rudolf,

das Erste im neuen Jahr soll sein, dass wir Dir von Herzen dazu Glück wünschen. Ich hätte dies schon eher getan, wenn ich nicht die üblichen Grippeerscheinungen zu überwinden gehabt hätte. [...]

Ich freue mich sehr, sowohl um Deinetwillen als um der Eltern willen, dass Du jetzt einen Beruf und eine Stellung gefunden hast, die Dir zusagen und Aussichten bieten. Ich will gerne Optimist sein und Dir den Daumen halten. Wir wollen doch lieber nur an die Zukunft denken; die Vergangenheit ist Deine Sache, und offen gestanden, wir meinen, dass zwischen uns von "Vergeben" nicht die Rede sein sollte. So sehr fühlen wir uns nicht als Vertreter des Staates und der Gesellschaft, dass wir uns persönlich getroffen fühlten. Wenn wir auf einem ganz n

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen