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Ruth Binde Ein Leben für die Literatur von Sury, Alexander (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2016
  • Verlag: Wörterseh Verlag
eBook (ePUB)

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Ruth Binde

Als junges Mädchen träumte Ruth Binde, 1932 in Bern geboren, von einer Karriere als Schauspielerin. Es kam anders: Nach dem Abbruch des Gymnasiums, einem halben Jahr Bühnenstudio in Zürich und einem Zwischenjahr in London absolvierte die Tochter des Politikers und Publizisten Fritz Schwarz eine Buchhändlerinnenlehre. Im Sommer 1957 meldete sie sich auf das Inserat eines winzigen Zürcher Verlags, der eine 'gute Sekretärin' suchte, bekam die Stelle und unterstützte den Verleger Daniel Keel während fünfzehn Jahren beim Aufbau seines Diogenes Verlags. Die ersten drei Jahre war sie die einzige Mitarbeiterin und als solche 'Mädchen für alles'. 1972 machte sich die alleinerziehende Mutter eines elfjährigen Sohnes selbständig und setzte sich während Jahrzehnten beharrlich und unbeirrt für Bücher und Kulturereignisse ein. Zu einem Zeitpunkt, als PR noch ein Fremdwort war, rückte sie die Schriftstellerin Luise Rinser, den Schriftsteller Siegfried Lenz, den Kabarettisten Emil Steinberger oder auch die Inszenierung von Paul Burkhards 'Die kleine Niederdorfoper' mit Ruedi Walter in der Hauptrolle ins rechte Licht. 1985 rief sie das legendäre Bernhard-Littéraire ins Leben, eine Gesprächsreihe mit Autorinnen und Autoren, die noch heute unter dem Namen Züri Littéraire weitergeführt wird. Alexander Sury, geboren 1964, studierte Geschichte und Germanistik in Bern, Freiburg und Jena. Er arbeitete als Lehrer, Dramaturg und Journalist und ist heute Co-Leiter des Kulturressorts bei der Berner Tageszeitung 'Der Bund'. Sein erstes Buch 'Fürs Leben gern - 20 Begegnungen' (Verlag Huber) veröffentlichte er 2010. Für 'Ruth Binde - Ein Leben für die Literatur' führte er zahlreiche Gespräche mit der Kulturvermittlerin und sichtete in Archiven Briefe und Dokumente. Alexander Sury wohnt in Wohlen bei Bern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 01.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783037635384
    Verlag: Wörterseh Verlag
    Größe: 2688 kBytes
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Ruth Binde

Unser Emmentaler "Stöckli"

Obwohl Ruth in der Stadt Bern aufwächst, ist sie auch ein Kind des Emmentals. Ihre schönsten Jugenderinnerungen verdankt sie dem "Stöckli". So heißen die kleinen Holzhäuser, die in der Nähe eines Bauernhofs stehen und in denen die Bauern ihren Lebensabend verbringen. Der Vater von Ruth Binde ist als fünfzehntes und jüngstes Kind einer Emmentaler Bauernfamilie aufgewachsen. Das Stöckli liegt nur wenige Meter neben seinem Elternhaus im Oberen Krautberg, im Oberthal bei Zäziwil. Fritz Schwarz ist bis heute ein Vorbild für die Tochter. Der marxistische Theologe Konrad Farner, selber ein vom helvetischen Mittelmaß schikanierter Querdenker, sagte über Fritz Schwarz: "Hätten wir mehr von solchem Holz, es sähe besser aus im Schweizerland." Als Fritz Schwarz 1958 an den Folgen eines Herzinfarkts im Alter von 71 Jahren stirbt, ist Ruth Binde 26 Jahre alt. Bis auf den letzten Platz ist die Berner Heiliggeistkirche am 20. November 1958 besetzt. Es sind längst nicht nur Weggefährten und Gesinnungsfreunde, die Abschied nehmen von Fritz Schwarz. Auch politische Gegner erweisen ihm die letzte Ehre. Der Schriftsteller Carl Albert Loosli - in seiner Unbeugsamkeit und Wahrheitsliebe ein Geistesverwandter - rühmt die "rücksichtslose Vorurteilslosigkeit" und den "bürgerlichen Mut" von Fritz Schwarz, der nicht nur ein Freund gewesen war, sondern auch sein Verleger. Nach der Abdankung bewegt sich der Trauerzug durch die Laupenstraße zum Bremgartenfriedhof. Der Grabstein trägt die Inschrift: "Der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein" (Jesaja 32,17), das lebenslange Motto von Fritz Schwarz.

Ruth Bindes Vater wächst in einer archaischen Welt auf, die geprägt ist von einer stillen Religiosität des Vaters und alltäglicher harter Arbeit auf dem Feld. Der aufgeweckte, neugierige Knabe ist ein guter Schüler; er wählt den Lehrerberuf und wird als einziger Primarschüler im Seminar Hofwil bei Bern aufgenommen. "Wie bin ich dazu gekommen, meinen Stand zu verlassen, obwohl ich der Jüngste war und nach dem emmentalischen Erbrecht daher auch der Hoferbe gewesen wäre?" Diese Frage nach den Ursachen des eingeschlagenen Wegs stellte sich der lebenslang seiner Heimat verbundene Fritz Schwarz kurz vor seinem Tod in den Erinnerungen "Wenn ich an meine Jugend denke". Es waren vor allem die Auswirkungen der Deflation, die seine Familie in aller Härte spürte. Die allgemeine Einführung der Goldwährung in den 1870er-Jahren traf auf abnehmende Goldfunde; die Folge davon war, dass nicht genügend Geld in Umlauf kam und die Preise fielen. "Von diesen Vorgängen wusste ich zwar nichts", schreibt Schwarz, "aber ich spürte sie. Sie haben meine Jugend vergiftet, sie lehrten mich, den Bauernstand zu fürchten, sie haben mich krank gemacht und zur Flucht vom Hof veranlasst." Diese von Wirtschaftskrise und Zinslast verdüsterte Jugend brachte Schwarz dazu, "mit zwanzig Jahren Sozialist, später Freiwirtschafter und stets erbitterter Gegner der Krisen- und Zinswirtschaft zu werden".

Fritz Schwarz will zum Wesen der Dinge vorstoßen, die Mechanik des Wirtschaftslebens begreifen. Im Seminar Hofwil schließt er sich der Abstinenzbewegung an, er ist aktiv in der Liga für Menschenrechte, setzt sich für das Frauenstimmrecht ein, interessiert sich für Psychoanalyse und wird später den Schweizer Ableger der Autosuggestionsmethode nach Coué gründen.

Seine erste Stelle als Lehrer tritt er in Arni bei Biglen an, wo seine Mutter herkommt. Seine rhetorischen Gaben nutzt er als Grabredner und verschafft sich so einen Nebenverdienst. Schwarz wird später Sekundarlehrer in Schwarzenburg, dort steht er rasch im Ruch, ein "Roter" zu sein: Er tritt der Sozialdemokratischen Partei bei, gründet einen Konsumverein und gibt eine kleine Zeitschrift heraus. In der Berner Buchhandlung Francke stößt er - von Karl Marxens Analysen und Rezepten nur halbwegs überzeugt - auf ein Buch des Mathemati

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