text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Einführung in die deutsche Komödie von Schulz, Georg-Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2012
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
15,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Einführung in die deutsche Komödie

Die Komödie hat lange Zeit im Schatten der höher angesehenen Tragödie gestanden und erst seit den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts ein gesteigertes literaturwissenschaftliches Interesse erfahren. Niedergeschlagen hat sich dies in einer Fülle von Einzelinterpretationen und Sammelbänden, aber auch in einer vermehrten Beschäftigung mit der Komödientheorie und der Bemühung um eine Theorie des Komischen. Eine zusammenfassende Einführung lag aber bisher nicht vor. Diese Lücke füllt nun der Band von Georg-Michael Schulz, der den Gattungsbegriff differenziert erläutert und die nicht geringe Zahl von Untergattungen vorstellt. Er berichtet über neueste Forschungsergebnisse, gibt einen Überblick über die Gattungsgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart und macht in Einzelanalysen mit fünf repräsentativen Komödien bekannt. Texte von Lessing, Kleist, Hauptmann, Zuckmayer und Dürrenmatt werden mustergültig interpretiert.

Georg-Michael Schulz, geb. 1945, ist Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Kassel.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 01.02.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534715503
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 1219 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Einführung in die deutsche Komödie

[ Menü ]
II. Forschungsbericht

Die Poetik des Aristoteles

Schon die Poetik des Aristoteles schreibt den Dramatikern nicht willkürlich irgendwelche Regeln vor, sondern sichtet erst einmal die vorhandenen Dramen. Sie registriert dabei, dass es hinsichtlich der Anlage einer Handlung, der Gestaltung von Figuren usw. durchaus verschiedene Möglichkeiten gibt, die sie dann freilich teils als besser, teils als weniger gut bewertet. Auf dieser Grundlage gewinnt sie die Vorstellung einer Tragödienstruktur, die sie schließlich für musterhaft erklärt. Methodisch gesehen, bedeutet das: Sie verfährt sowohl empirisch-deskriptiv als auch normativ-regelsetzend. Und da das zweite Buch der Poetik , in dem es um die Komödie gehen sollte, nicht erhalten ist, gibt es hier für die Komödie wesentlich weniger Regelungen als für die Tragödie, was auch der Forschung im Fall der Komödie einen freieren Blick auf die zu beurteilenden Dramen-Texte und deren Vielfalt erlaubt hat als im Fall der Tragödie, bei der die Aristotelischen Vorgaben die Bewertung der zu betrachtenden Texte stärker reglementiert haben (Zimmermann 2006, 36).

Poetiken des Barock und der frühen Aufklärung

Was die sowohl empirisch-deskriptive als auch normativ-regelsetzende Einstellung betrifft, so gilt Entsprechendes wie für die Aristotelische Poetik auch für die Poetiken des Barock und der frühen Aufklärung, die, soweit sie sich auf das jeweils Vorhandene beziehen, so etwas wie Bestandsaufnahmen liefern. Johann Christoph Gottsched zum Beispiel reserviert in seiner Poetik ( Critische Dichtkunst , 1730) ein Kapitel für die Komödie, behandelt darin im historischen Rückblick griechische, römische, italienische, englische, französische und deutsche Komödien, bevor er systematisch auf formale Aspekte eingeht. Hinsichtlich der deutschen Komödien beschränkt er sich auf das 17. Jahrhundert und gibt Hinweise - freilich im Umfang von nur einer Seite - zu Andreas Gryphius und Christian Weise. Was dabei die Verbindung von Komödientheorie und Komödienpraxis betrifft, so verfährt das Gros der späteren Forschung im Grunde nicht viel anders - der Forschung jedenfalls, die über die Beschäftigung nur mit einzelnen Texten oder einzelnen Autoren hinausgeht. Es gibt kaum eine Darstellung der Komödiengeschichte einer Epoche oder noch größerer Zeiträume, die nicht zugleich die entsprechende Komödientheorie einbezöge, und umgekehrt geht selbst eine Arbeit, die sich im Titel nur auf die "Komödiendiskussion von Aristoteles bis Ben Jonson" bezieht (vgl. Bareiß 1982), regelmäßig dennoch zugleich auf die Komödienpraxis mit ein.

Neben den Poetiken gibt es im 18. Jahrhundert auch anders geartete und andere Zielsetzungen verfolgende umfangreichere Darstellungen, die sich mit der Literatur im Ganzen oder mit Teilbereichen beschäftigen (wie zum Beispiel Lessings Hamburgische Dramaturgie [1767-1769]) und die in diesem Rahmen die Gattung der Komödie ebenfalls unter theoretischen und historischen Aspekten behandeln. Dabei beziehen die Ausführungen sich zunehmend nicht mehr nur auf die formalen Seiten der Gattung bzw. ihre Wirkung ("Belustigung"), sondern enthalten vermehrt auch Reflexionen über das Wesen der Komödie, und dies unter Einbeziehung auch psychologischer Gesichtspunkte.

Carl Friedrich Flögel

Derartige Darstellungen verfahren freilich - nicht anders als die Poetiken auch - mehr kritisch-wertend als nur referierend. Man könnte mit Bezug auf sie von Literaturkritik sprechen, nicht eigentlich von Vorläufern der Literaturwissenschaft bzw. der Literaturgeschichtsschreibung. Eine bemerkenswert frühe durchaus literaturgeschichtliche Darstellung ist dagegen Carl Friedrich Flögels (1729-1788) vierbändige Geschichte der komischen Literatur (1784-1787), die sich sowohl mit der komischen Literatur im Ganzen un

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen