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Remarque, Jünger und der Erste Weltkrieg. Literatur der Schützengräben

  • Erscheinungsdatum: 17.10.2013
  • Verlag: Science Factory
eBook (ePUB)
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Remarque, Jünger und der Erste Weltkrieg. Literatur der Schützengräben

Fachbuch aus dem Jahr 2013 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, , Sprache: Deutsch, Abstract: 'Die erste Granate, die einschlug, traf in unser Herz.' (Erich Maria Remarque) Der Erste Weltkrieg galt für das Europa des 20. Jahrhunderts als 'Urkatastrophe' schlechthin - und katapultierte es mit einer noch nie dagewesenen Kriegsführung endgültig ins Zeitalter der Moderne. Gerade für die Literatur stellte sich angesichts der zermürbenden Materialschlachten die Frage: Wie sollte man diese Art der Kriegserfahrung in Worte fassen? Diese Band stellt mit den Werken von Ernst Jünger und Erich Maria Remarque die zwei bedeutendsten Autoren der jungen Weimarer Republik vor, die von den Gräueln der Schützengräben berichteten. Aus dem Inhalt: Literatur als Zeitdokument: 'In Stahlgewittern' und 'Im Westen nichts Neues' Die Zerstörung der alten Ordnung, Archaismus und Aufklärung bei Ernst Jünger Widerspruch zwischen Kriegserwartung und Soldatenalltag bei Remarque und Jünger Krieg und Männlichkeitskonzeptionen 'Im Westen nichts Neues' als Antikriegsroman?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 225
    Erscheinungsdatum: 17.10.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783656520214
    Verlag: Science Factory
    Größe: 379 kBytes
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Remarque, Jünger und der Erste Weltkrieg. Literatur der Schützengräben

Der "ennui"

Eine Aufgabe der Politikwissenschaft soll und muss es sein, Krieg zu verhindern. Dazu ist es notwendig, die Voraussetzungen für Kriege zu kennen. Der "ennui" ist eine Geisteshaltung, die zwar nicht per se aggressiv auftritt, aber dennoch geistige Vorbedingungen für einen Krieg liefern kann. Der Begriff taucht erstmals in den Briefen des französischen Schriftsteller Benjamin Constant auf, der von einer "mélancholie habituelle" [72] schreibt. Constant (1767-1830) entstammte einer wohlhabenden Familie und musste niemals wirklich arbeiten. [73] Die vielen Aufzeichnungen Constants lassen den Schluss zu, dass das Schreiben Constant Erleichterung, von seiner Unlust zu leben und der inneren Leere, liefert. [74] Hier lässt sich eine Analogie zu Ernst Jünger ziehen, der sich auch in Traumwelten zurückzieht. Jünger schreibt: "Bücher waren es auch, die meiner Phantasie den Rückhalt einer festen Reservestellung boten. Auf ihre Hilfe war schon früh Verlaß gegenüber den Zugriffen des Alltäglichen." [75] Der Rat, den die Adressatin der Briefe Constant liefert, ähnelt dem Verhalten Jüngers. Sie schlug dem Leidenden vor, sich geistige Interessen zu schaffen . [76] Ob und wieweit Constant diesem Vorschlag folgte, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall verarbeitete er seinen "ennui" in zahlreichen literarischen Werken. Auch Jünger schuf sich geistige Interessen, wie das Schreiben, aber er begnügte sich nicht damit. Er war kein Mensch, der sich in den "Elfenbeinturm" zurückzog. Dieser Autor suchte bewusst die Gefahr, wie seine Biographie zeigt. So schreibt Rüdiger Safranski zutreffend über Jünger: "Zu begreifen, was einen ergreift – darum geht es. So hat Ernst Jünger Fühlung mit Daseinsmächten, die den meisten verschlossen bleiben. Wie sonst hätte ein solches Leben, das die gefährlichen Zonen suchte, überleben können. Da wirkt ein Glutkern im Lebensentwurf und im Schreiben, der den Autor offenbar katastrophenresistent gemacht hat." [77] Zurück zum "ennui": Peter Bürger schreibt, dass der "ennui" in einer Gesellschaft entsteht, "[...] in der die einzelnen weder durch kollektiv geteilte religiöse Glaubensvorstellungen noch durch eine als substanziell erfahrene Gruppenidentität mehr miteinander verbunden sind [...]" [78] Der "ennui" ist also ein Ausstoß der individualisierten Gesellschaft, die nicht mehr durch verbindende Elemente zusammengehalten wird. Interessante Parallelen finden sich zwischen dem Frankreich des 18 bzw. 19 Jahrhunderts und dem Deutschland des beginnenden 20. Jahrhunderts. Frankreich war zur Zeit des Schreibens von Constant keine homogene, friedliche Gesellschaft. Die französische Revolution 1789, die die alte Ständeordnung auflöste, konfessionelle Streitigkeiten und nicht zuletzt der Stadt-Land Gegensatz prägten und zerrütteten das Land.

Genauso war Deutschland zu Beginn des 20 Jahrhunderts von starken Gegensätzen durchzogen. Auf den ersten Blick erscheint die Gesellschaft des Kaiserreichs zwar homogen, wenn man aber hinter die Fassaden blickt, fand man vor dem ersten Weltkrieg wenig Einigendes: Katholiken gegen Bismarck, Sozialdemokraten gegen Konservative, Monarchisten gegen Demokraten, souveräne Kleinstaaten gegen den Kaiser, traditionelle Vorstellungen gegen die Moderne, Arm gegen Reich, Rechts gegen Links, Bürgertum gegen

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