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Lesen ist Denken mit fremdem Gehirn Gespräche mit Osvaldo Ferrari

  • Erscheinungsdatum: 06.11.2018
  • Verlag: Kampa Verlag
eBook (ePUB)
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Lesen ist Denken mit fremdem Gehirn

Es begann in Buenos Aires, in der Bibliothek seines Vaters, über die Borges einmal sagte, wahrscheinlich habe er nie aus ihr herausgefunden. Nach dem Tod des Vaters trat er eine Stelle in einer städtischen Bibliothek an, 'neun Jahre soliden Unglücks', aber er hatte Zeit zum Lesen - und zum Schreiben von (im Doppelsinn) phantastischen Erzählungen wie 'Die Bibliothek von Babel'. Die vierte Bibliothek seines Lebens war die argentinische Nationalbibliothek, der Borges ab 1955 vorstand. Im selben Jahr erblindete er: 'Eine Ironie Gottes, der mir zugleich die Bücher und die Nacht gab.' Die Bücher blieben, und von ihnen erzählte er dem argentinischen Autor Osvaldo Ferrari in dreißig kurzen Gesprächen zwischen 1984 und 1986. So kurz diese Dialoge sind, so reich das Innenleben, das sie offenbaren. Und Borges gewährt nicht nur Einblick in seine geistige Bibliothek, er erzählt von seinem Faible für Dolche und Messer, dass er sich von seiner Blindheit nicht das Reisen verderben lasse und davon, dass er dem Tod ungeduldig entgegensehe. Es entsteht ein Memoir in Fragmenten, reich an farbigen Anekdoten und verblüffenden Details - eine Fundgrube literarischer Perlen. Osvaldo Ferrari wurde 1948 in Buenos Aires geboren und lebt heute als Dichter und Essayist in Madrid.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 06.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783311700258
    Verlag: Kampa Verlag
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Lesen ist Denken mit fremdem Gehirn

Über Vorworte

Mir ist aufgefallen, Borges, dass Ihre Liebe zur Literatur, zu den Schriftstellern sich mehr noch als in Ihren Essays in Ihren Vorworten ausdrückt, in den Vorworten zu Schriftstellern und Büchern, die Ihnen im Lauf der Zeit Bewunderung eingeflößt haben.

Nun ja, natürlich ist der Prolog ein Mittelding zwischen kritischer Studie und, sagen wir, Trinkspruch. Das heißt, im Prolog muss es einen kleinen Überschuss an Lob geben; der Leser zieht ihn wieder ab. Aber gleichzeitig muss der Prolog großmütig sein, und nach so vielen Jahren, nach zu vielen Jahren bin ich zu dem Schluss gelangt, dass man nur über das schreiben sollte, was einem gefällt.

Ich glaube, dass negative Kritik keinen Sinn hat; Schopenhauer hielt zum Beispiel Hegel für einen Aufschneider oder für einen Trottel oder beides. In den Geschichten der deutschen Philosophie leben die beiden heute friedfertig zusammen. Novalis war der Meinung, Goethe sei ein oberflächlicher Autor, bloß korrekt, bloß elegant; er verglich Goethes Werke mit englischen Möbeln ... Heute sind Novalis und Goethe beide Klassiker. Das heißt, was gegen jemanden geschrieben wird, setzt ihn nicht herab, und ich weiß nicht, ob das, was man für jemanden schreibt, ihn erhöht.

Aber ich schreibe jedenfalls seit langer Zeit nur über das, was mir gefällt, auch weil ich meine, wenn mir etwas nicht gefällt, liegt das eher an einer Unfähigkeit meinerseits oder einer Plumpheit, und davon brauche ich andere nicht zu überzeugen. Ich habe an die zwanzig Jahre englische und nordamerikanische Literatur gelehrt, ich habe gelehrt ... ich will nicht sagen, die Liebe zu diesen Literaturen, denn das ist ein zu weiter und zu vager Begriff, wohl aber die Liebe zu bestimmten Autoren oder die Liebe zu bestimmten Büchern; oder, noch konkreter, die Liebe zu bestimmten Abschnitten oder bestimmten Versen oder bestimmten Plots. Und das habe ich erreicht.

Mir scheint, gegen etwas zu schreiben ist zu nichts nütze. Sicher, wenn man sehr einfallsreich schreibt, dann bleibt der Satz haften; ich denke da an jenen Satz von Byron. Horaz hatte gesagt, der gute Homer schlafe bisweilen; und Byron setzte hinzu, Wordsworth wache gelegentlich auf ( lacht ). Der Satz hat Witz, aber er schadet Wordsworth nicht, denn wenn ein Satz Esprit hat, existiert er aus eigenem Recht; und es ist unwichtig, auf wen er sich bezieht. Der Satz, "Wordsworth wacht bisweilen auf", steht und lebt neben seinem großartigen Werk - und tut ihm nicht weh.

So auch das Beispiel von Groussac, der über eine Geschichte der spanischen Philosophie von Menéndez y Pelayo sagte, der Titel sei recht beeindruckend, und hinzufügte: "Die Strenge oder die Feierlichkeit des Substantivs 'Philosophie' wird korrigiert durch das Lächeln des Epithetons 'spanisch'." Ich glaube, das schadet der spanischen Philosophie nicht - falls es eine solche gibt -, denn der Satz existiert um seiner selbst willen.

Was mich angeht, so habe ich viele Prologe geschrieben; ich habe Vorworte geschrieben zu Autoren, die zu jenem Zeitpunkt unbekannt waren ... Gut, das war ich auch. Und in all diesen Vorworten bin ich großmütig gewesen.

Allerdings. Nun wurden aber einige Ihrer Prologe in einem Buch zusammengestellt, und darin kommt zum Ausdruck, was Sie in der Literatur am meisten bewundern, was Sie mit der größten Zuneigung bedenken.

Ja, diese Auswahl hat ein Neffe von mir gemacht, Miguel de Torre. Ich wollte mich mit niemandem anlegen, und manchmal gab es, nun ja, Prologe aufgrund von Umständen, wissen Sie? Prologe aus Höflichkeit. Oder aber auch schlicht Prologe, die ehrlich, aber nicht besonders gut geschrieben waren oder keine besondere Gedankentiefe hatten, sondern lediglich ein Buch lobten ... Deshalb ließ ich zu, dass mein Neffe die Texte auswählte.

Trotzdem kann man sagen, dass kein anderer über Ihre Großherzigkeit verfügte,

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