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Michel Houellebecq, Ökonom Eine Poetik am Ende des Kapitalismus von Maris, Bernard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.08.2015
  • Verlag: DUMONT Buchverlag
eBook (ePUB)
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Michel Houellebecq, Ökonom

Das houellebecqsche Universum ist eines, in dem sich Individuen in stetiger Konkurrenz miteinander befinden. Allein das (schwindende) Ideal der Liebe könnte aus diesem auf Dauer für alle unbefriedigenden Kreislauf befreien. Bernard Maris' Buch bietet nicht nur eine fundierte Gesellschaftskritik, sondern auch einen Schlüssel zum Verständnis des Werks eines der wichtigsten Autoren der Gegenwart. "Dieses kleine, aber feine Buch ist zugleich ein Pamphlet gegen den ökonomischen Liberalismus und eine Würdigung des visionären Talents von Houellebecq." VAR MATIN "Bernard Maris demonstriert, mit welcher Meisterschaft Houellebecq die Auswüchse der kapitalistischen Gesellschaft aufzeigt, die wir heute erleben." LE JOURNAL DU MEDECIN "Kein anderer Schriftsteller hat die ökonomische Malaise, die unsere Epoche vergiftet, so vollständig durchdrungen wie Houellebecq." BERNARD MARIS

Bernard Maris, geboren 1946 in Toulouse, war ein französischer Wirtschaftswissenschaftler, Journalist und Autor. 2011 wurde er Mitglied des Aufsichtsrats der Banque de France. Neben mehr als einem Dutzend Büchern zu Wirtschaftsthemen hat Maris drei Romane und zwei Essays veröffentlicht. Er schrieb zudem für mehrere Magazine, u. a. für Le Figaro, Le Monde und für Charlie Hebdo, wo er meistens das Pseudonym Oncle Bernard benutzte. Maris wurde am 7. Januar 2015 bei demTerroranschlag auf die Redaktion des französischen Satiremagazins getötet. Bernd Wilczek war nach dem Studium mehrere Jahre Universitätslektor in Frankreich. Er übersetzte u. a. Maurice Blanchot, André Glucksmann sowie gemeinsam mit Norma Cassau Michel Houellebecqs Roman Unterwerfung

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 142
    Erscheinungsdatum: 21.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832188825
    Verlag: DUMONT Buchverlag
    Originaltitel: Houellebecq Économiste
    Größe: 937kBytes
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Michel Houellebecq, Ökonom

Als "Sekte" verhöhnte man zu Zeiten Ludwigs XV . die Ökonomen 1 und deren verschlungene Gedankengänge. Dieser Begriff ist außerordentlich treffend: Es handelte sich von Anfang an um eine Sekte, die immer und immer wieder dieselben hermetischen und verschwommenen Phrasen wiederkäut. Man respektiert sie, weil man nichts von alldem versteht. Die Sekte huldigt schwer verständlichen Wörtern, abstrakten Begriffen und Zahlen. Ihre Widersprüche nimmt man anstandslos hin.

Nie zuvor war die Wirtschaft so allgegenwärtig wie zu unserer Zeit. Sie scheut nicht nur das Schweigen und verschafft sich in der Hintergrundmusik der Supermärkte oder im Lärm der nicht enden wollenden Prozession der Autos penetrant Gehör, sie erlegt sich auch bei den abgedroschenen Gassenhauern von Wachstum , Arbeitslosigkeit , Wettbewerbsfähigkeit oder Globalisierung keinerlei Zurückhaltung mehr auf. Dem gregorianischen Gesang der Börse - die Kurse steigen, die Kurse fallen - antwortet der Chor der Experten: Beschäftigung, Krise, Wachstum, Beschäftigung. Als " dismal science" bezeichnete Carlyle 2 einst die politische Ökonomie. Düstere Wissenschaft. Die teuflische und finstere Ökonomie ist die Asche, mit der unser Zeitalter sein trauriges Antlitz überdeckt.

Wer wird sich in Zukunft schon noch an die Wirtschaft und deren Priester, die Ökonomen, erinnern?

In ein paar Jahrzehnten, einem Jahrhundert, vielleicht auch früher, wird man sich wundern, dass eine Zivilisation einem Fach so viel Bedeutung beimessen konnte, das nicht nur nichtssagend, sondern auch noch furchtbar langweilig ist. Dasselbe gilt für dessen Anhänger, Experten und Journalisten, Schreiberlinge, Hetzer, Sachwalter und Diskutanten des Für und Widers (oder, wo nötig, des Gegenteils davon). Ökonom ist derjenige, der stets in der Lage ist, ex post zu erklären, warum er sich einmal mehr geirrt hat.

Die Wirtschaftswissenschaft, die als Fach mit einer Wissenschaft lediglich den Namen teilt und mit der Rationalität lediglich deren Widersprüche, wird sich einst als unglaubwürdige ideologische Scharlatanerie offenbart haben, die zugleich auch als Moral einer Epoche diente. Sie verstehen nichts davon? Seien Sie unbesorgt: Es gibt nichts, was es zu verstehen gäbe. Denn mit der Wirtschaft verhält es sich nicht anders als mit den prächtigen Kleidern, mit denen der nackte Körper des Kaisers angeblich bekleidet ist. Dass man mit einem internationalen Preis, der von denen, die seinen Namen in Beschlag genommen haben - selbstdarstellerische Banker, die als Stifter für den Preis auftraten -, "Nobel" getauft wurde, Erforscher von Hirngespinsten 3 für mit Gleichungen aufpoliertes Geschwätz auszeichnet, wird eines Tages ebenso absonderlich oder kurios erscheinen wie das Verzeichnen des Rekords im Öffnen von Bierdosen mit bloßen Zähnen in einem Buch, das in mehr als zweihundert Sprachen übersetzt wird. Die Wirtschaftsbücher werden dann nicht einmal mehr die nagende Kritik der Mäuse verdienen.

Die Kasuisten dagegen hat niemand vergessen. Hätte Pascal nicht Les Provinciales , diesen zugleich schwungvollen und leidenschaftlichen Text, geschrieben, wer würde sich dann noch an die Kasuisten erinnern? Mir liegt der Gedanke fern, die spitzfindigen Jesuiten mit den Wirtschaftswissenschaftlern zu vergleichen - der heilige Ignatius von Loyola war schließlich ein ganz anderes Kaliber als Walras! -, doch ohne das Werk von Michel Houellebecq würde sich niemand mehr an die Wirtschaft und jene merkwürdigen Kasuisten erinnern, die die Wirtschaftswissenschaftler einmal gewesen sein werden.

Für die Entstehung der vorliegenden Schrift gibt es zwei Gründe und einen Anlass.

Der weniger wichtige Grund ist: Wie Pascal es für eine andere schädliche und renitente Teufelsbrut getan hat, bewahrt Houellebecq die Ökonom

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