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Die Entwicklung der russischen Ökonomie unter den Bedingungen von Korruption und Rechtsunsicherheit von Nickel, Claudia (eBook)

  • Erschienen: 24.06.2016
  • Verlag: GRIN Verlag
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Die Entwicklung der russischen Ökonomie unter den Bedingungen von Korruption und Rechtsunsicherheit

Masterarbeit aus dem Jahr 2014 im Fachbereich Russistik / Slavistik, Note: 1,1, Justus-Liebig-Universität Gießen (Institut für Slavistik), Sprache: Deutsch, Abstract: Seit sich Osteuropa mit Beginn der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts im Umbruch befindet, sind die damit verbundenen Auswirkungen nicht nur positiver Natur. In den Transitionsgesellschaften erreichen Korruption und organisierte Kriminalität als unmittelbare Folge der sich verbreitenden Armut ein extrem hohes Niveau. Aus dem alten kommunistischen System Russlands haben sich alte Seilschaften in den Kapitalismus herübergerettet und erzielen beachtliche Profite auf Kosten der Allgemeinheit. Drogen- und Waffenschmuggel, Menschenhandel, Schlepperunwesen und Prostitution werden zu einem weitverbreiteten Phänomen des Alltags. Als politische Folge gewinnen in dieser Phase autoritäre Parteien und Politiker wie Vladimir Putin, die eine 'Diktatur des Gesetzes' versprechen, die desillusionierte Bevölkerung für sich. Die russische Ökonomie erleidet jedes Jahr beträchtliche volkswirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe durch Normenverstöße von Unternehmen, privaten Haushalten und dem Staat.

Produktinformationen

    Größe: 2579kBytes
    Herausgeber: GRIN Verlag
    Untertitel: Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 104
    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    ISBN: 9783668246157
    Erschienen: 24.06.2016
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Die Entwicklung der russischen Ökonomie unter den Bedingungen von Korruption und Rechtsunsicherheit

4 Korruption in der russischen Wirtschaft

Diversen Erhebungen zufolge ist Russland eines der korruptesten Länder der Welt. Nach Analysen der internationalen Organisation "Transparency International" [47] rangiert Russland gemäß CPI [48] von 2013 im letzten Drittel auf Rang 127 von 175 Ländern und steht dabei noch hinter Pakistan, Aserbaidschan, Äthiopien und dem Libanon. Die Spitze der "saubersten" Länder bilden Dänemark, Neuseeland und Finnland, die Schlusslichter Somalia und Nord-Korea. Immer wieder angeprangert wird die Korruption in Russland durch die Verlautbarungspresse, den offiziellen Enthüllungsjournalismus und die verbliebene kritische Berichterstattung. Zu den Pflichtübungen öffentlicher Politik gehören periodisch wiederkehrende Kampagnen zur Korruptionsbekämpfung. Als hoffnungsvoller Korruptionsbekämpfer wurde dem Wahlvolk nicht zuletzt der ehemalige Geheimdienstler Vladimir Putin für das höchste Staatsamt schmackhaft gemacht. In Putins erster Legislaturperiode als Präsident der Russischen Föderation stärkte er die Überwachungsorgane, vereinfachte und senkte einige Steuern und brachte eine Reihe von Gesetzen durch, welche die Privatinitiative fördern und wirtschaftliche Spielregeln liberalisieren. Schenkt man Meinungsumfragen aus dieser Zeit Glauben, so empfanden die meisten Russen ihr Alltagsleben als weniger korrupt als zur Jelzin-Zeit. Erklären ließe sich dies teilweise aus dem sachlichen Effektivitätshabitus der neuen Administration, mit gelegentlichen Erfolgsmeldungen der gezähmten Medien und teilweise mit Gewöhnung. INDEM-Studien [49] , welche sich auf Erfahrungsberichte und Selbstaussagen von mehreren tausend Personen, darunter frühere Staatsbeamte, Ordnungshütern und Großkapitalisten, stützen, kommen zu einem anderen Befund: Die Korruption in Russland steigt seit Jelzin stetig. [50] Umfragen der russischen Bevölkerung zur Korruption in ihrem Land werden in Kapitel 5 genauer analysiert.

Korruption blickt in Russland auf eine lange Tradition zurück. Die "Fütterung", die kormlenie , war eine frühe institutionalisierte Form der Korruption des adeligen Verwaltungsapparates durch das Volk. Das Land des Zaren wurde durch adlige Beamte verwaltet, welche Steuern in seinem Auftrag erhoben, als Gegenleistung durften sie einen Anteil der Steuerzahlungen für sich behalten. Somit waren diese Beamten direkt am Steuererfolg beteiligt und selbst dafür verantwortlich, sich ihr eigenes Einkommen beim Volk zu holen. Zudem war es im riesigen Russland kaum möglich, die Steuereinzieher zu kontrollieren. Die Einnahmen der Steuern wurden durch das Beteiligungssystem am Steuererfolg sichergestellt. Die Folge des Systems der "Fütterung" war, dass sich die russische Bevölkerung daran gewöhnte, dass Staatsbeamte von den Steuereinnahmen selbst direkt profitierten. Diese Vorteilsnahme war üblich und wurde nicht als illegal oder amoralisch angesehen. Erst mit zunehmender Zentralisierung des Staates im 16. Jahrhundert und neuen Möglichkeiten, den Verwaltungsapparat zu kontrollieren, wurde das System der Fütterung abgeschafft. [51]

Korruption war auch in der Sowjetunion weitverbreitet, Privilegien wurden erkauft oder zwischen Freunden und Bekannten verschoben (wie im folgenden Kapitel über blat beschrieben). Die Nomenklatura verkaufte ihre Privilegien und die Polizei war bestechlich. Durch Bestechung wurden falsche Angaben über die Erfüllung von Plänen und der Produktion verheimlicht. Diente die Korruption den Zielen des Staates, wurde sie toleriert, denn nicht die Befolgung von Regeln und Gesetzen waren gefordert, sondern das Erreichen von Zielen. In der postsowjetischen Gesellschaft und Wirtschaft bleibt die Korruption weitverbreitet. [52] "Die Erfahrung der Korruption ist total und existentiell. Sie erfasst alle Sphären der

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