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Die Tochter des Bildhauers von Jansson, Tove (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.03.2014
  • Verlag: Verlag Urachhaus
eBook (ePUB)
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Die Tochter des Bildhauers

Was der Goldene Schnitt ist oder wie ein Wald gemalt werden muss, wie man Künstlerfeste feiert und was man einen Künstler unter keinen Umständen fragen darf - über all das weiß die Tochter des Bildhauers haargenau Bescheid. Kein Wunder - nicht umsonst schläft sie in der elterlichen Atelierwohnung auf dem Schlafregal und behält den Überblick. Sogar im Sommer auf der Schäreninsel sieht das Künstlerauge immer mit, selbst wenn sich die Familie ausgiebig dem Angeln, Pilzesammeln oder dem Toben der Elemente hingibt. Eine faszinierende, eigenwillige Welt tut sich auf. Tove Jansson erzählt die Geschichte ihrer fantastischen Kindheit, von Bürgertum und Bohème, Geborgenheit und Abenteuer gleichermaßen geprägt. Tove Jansson (1914-2001) wuchs in einem Künstlerhaushalt in Helsinki als ältestes Kind des Bildhauers Viktor Jansson und der schwedischen Illustratorin Signe Hammersten Jansson auf. Dass Tove Künstlerin werden würde, stand vom Tag ihrer Geburt an außer Frage, und schon als Kind begann sie zu schreiben und zu malen. Neben ihren 'Mumin'-Büchern, durch die sie internationalen Ruhm erlangte, verfasste sie zahlreiche Romane und Erzählungen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 127
    Erscheinungsdatum: 05.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783825160098
    Verlag: Verlag Urachhaus
    Originaltitel: Bildhuggarens dotter
    Größe: 942 kBytes
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Die Tochter des Bildhauers

DAS GOLDENE KALB

Mein Großvater war Pfarrer. Er pflegte vor dem König zu predigen. Einst, bevor seine Kinder, Kindeskinder und die Kinder der Kindeskinder die Erde bevölkerten, kam Großvater an eine lange grüne Wiese, die war von Wäldern und Bergen gesäumt und erinnerte an das Tal im Paradies. Am unteren Ende öffnete sich die Wiese zu einer Meeresbucht hin, in der Großvaters Nachkommen dereinst würden baden können. Da dachte Großvater, hier werde ich wohnen und mich vermehren, denn dies ist wirklich das Land Kanaan.

Dann bauten Großvater und Großmutter ein großes Haus mit einem Mansardendach und einer Menge Zimmer und Treppen und Terrassen und einer gewaltigen Veranda und stellten drinnen und draußen weiß gestrichene Holzmöbel auf, und als das erledigt war, begann Großvater zu pflanzen. Und alles, was er pflanzte, schlug Wurzeln und vermehrte sich, sowohl Blumen als auch Bäume, bis die Wiese in einen himmlischen Lustgarten verwandelt war, den Großvater mit seinem großen schwarzen Bart zu durchwandeln pflegte. Kaum zeigte er mit seinem Stock auf eine Pflanze, da war sie schon gesegnet und wuchs, dass es nur so krachte.

Das ganze Haus war von Geißblatt und wildem Wein bewachsen, und die Veranda hatte Wände aus lauter kleinen Rosen, die klettern konnten. Auf der Veranda saß Großmutter in einem hellgrauen Seidenkleid und erzog ihre Kinder. Sie wurde von so zahlreichen Bienen und Hummeln umsummt, dass es klang wie sehr leise Orgelmusik. Tagsüber schien die Sonne, nachts regnete es, und im Steingarten wohnte ein Engel, den man nicht stören durfte.

Der Engel wohnte immer noch dort, als Mama und ich angereist kamen und ins Westzimmer einzogen. Das Westzimmer hatte ebenfalls weiße Möbel, an den Wänden hingen ruhige Bilder, aber Skulpturen gab es keine.

Ich war ein Enkelkind. Karin war ebenfalls ein Enkelkind, allerdings hatte sie lockige Haare und sehr große Augen. Sie und ich spielten draußen auf der Wiese die Kinder Israels.

Gott wohnte auf dem Berg oberhalb des Steingartens, dort oben lag ein Sumpf, der war verboten. Bei Sonnenuntergang begann Gott sich auszubreiten, er ruhte wie ein Nebelschleier über dem Haus und der Wiese. Er konnte sich dünn machen und überall hineinkriechen, um nachzusehen, was man gerade anstellte, und manchmal war er auch nur ein großes Auge. Im Übrigen sah er ähnlich aus wie Großvater.

Karin und ich murrten in der Wüste und waren unentwegt ungehorsam, da Gott den Sündern so gerne vergibt. Gott verbot uns, unter dem Goldregenbusch Manna zu sammeln, aber wir sammelten trotzdem. Da schickte er Würmer aus der Erde, die das Manna auffraßen. Aber wir ließen uns nicht beirren, sondern waren weiterhin ungehorsam und murrten. Irgendwann würde er uns so sehr zürnen, dass er sich zeigte, darauf warteten wir die ganze Zeit. Der Gedanke war ungeheuerlich. Wir konnten an nichts anderes denken als an Gott. Wir brachten ihm Opfer dar, Heidelbeeren, Paradiesäpfel, Blumen und Milch, manchmal erhielt er auch ein kleines Brandopfer. Wir sangen ihm vor und baten ihn immer wieder darum, uns ein Zeichen zu geben, dass er sich für das, was wir taten, interessierte.

Und eines Morgens kam Karin und sagte, jetzt habe sie das Zeichen erhalten. Gott habe eine Goldammer in ihr Zimmer geschickt, und die habe sich auf das Bild mit Jesus, der auf dem Wasser geht, gesetzt und dreimal genickt.

"Wahrlich, wahrlich, ich sage dir", sagte Karin. "Die Auserwählte ist noch stets zu Ehren gekommen."

Sie zog ein weißes Kleid an und ging

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