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Mit Feder und Pinsel Zola, Balzac, Proust und die Malerei von Muhlstein, Anka (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.11.2017
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Mit Feder und Pinsel

Balzac wollte schreiben, wie ein Maler malt, Zola dienten Gemälde von Manet oder Degas als Ausgangspunkt für seine Romane: In ihrem neuen Buch beleuchtet Anka Muhlstein den Stellenwert von bildender Kunst im französischen Romanschaffen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts: Balzac, Zola, Proust, Huysmans und Maupassant. Mit der ihr eigenen Leichtigkeit und Sachkenntnis erörtert Anka Muhlstein künstlerische Themen und Motive in den Werken einiger der berühmtesten französischen Schriftsteller, setzt neue Akzente in deren Werdegang und bietet interessante Erkenntnisse über die Verwandtschaft zwischen bildender Kunst und Literatur. Seit der Eröffnung des Louvre waren Bilder das Thema in Frankreich. Enge Freundschaften zwischen Schriftstellern und bildenden Künstlern, wie die zwischen Zola und Cézanne oder Manet, oder intensive Einflüsse, wie der von Delacroix auf Balzac, waren keine Seltenheit. Und in vielen Romanen spielen fiktive Künstler, wie Prousts Elstir, eine zentrale Rolle. . Anka Muhlstein wurde 1935 in Paris geboren. Zusammen mit ihrem Mann, dem Romancier und Anwalt Louis Begley, lebt die Historikerin und Autorin seit 1974 in New York. 1996 wurde sie mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 230
    Erscheinungsdatum: 13.11.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458753629
    Verlag: Insel Verlag
    Originaltitel: La plume et le pinceau
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Mit Feder und Pinsel

Vorwort
Kunst für alle

Oft habe ich mich gefragt, warum sich die Romanschriftsteller des 19. Jahrhunderts buchstäblich zwanghaft mit der Malerei beschäftigt haben, während ein Jahrhundert zuvor Diderot der einzige große Schriftsteller seiner Generation war, der sich für die Künste interessierte. Man lese Stendhal, dessen Werk über die italienische Malerei Cézanne faszinierte, Balzac, Flaubert, die Goncourts, Zola, Anatole France, Huysmans, Maupassant und schließlich Proust: Alle hielten es für höchst bedeutsam, wie man etwas betrachtet und beschreibt, und dies veranlasste sie, unzählige literarische Gestalten zu schaffen, die Maler sind. Dieses Phänomen tritt vor allem in Frankreich auf. In England, Deutschland oder Russland findet sich nichts Vergleichbares. In den Vereinigten Staaten muss man warten, bis Henry James am Ende des 19. Jahrhunderts die Malerei zum literarischen Thema macht. In England wird Virginia Woolf als Erste über den Einfluss der Malerei auf die Literatur nachdenken. Wie ließe sich gerade in Frankreich dieses sehr frühe und allgemeine Interesse erklären, wenn nicht mit der Gründung eines öffentlichen Museums kurz vor dem Ende des 18. Jahrhunderts, das einer ganzen Generation ermöglichte, eine umfangreiche und einzigartige künstlerische Bildung zu erwerben?

Was ist natürlicher als ein Museumsbesuch? Leichten Zugang zu den großen Werken zu haben scheint uns so selbstverständlich, dass wir selten an die kulturelle Revolution denken, die von der Gründung der modernen Museen bewirkt wurde. Und doch, welch radikale Umwälzung der Lebensgewohnheiten ergab sich aus dieser neuen Möglichkeit! Im 18. Jahrhundert öffnete nur das Vorrecht der Geburt oder ein außergewöhnlicher sozialer Aufstieg die Tür zu Meisterwerken, die sich in Schlössern oder Herrenhäusern unter Verschluss befanden; allein dann konnte man die Bildergalerien besuchen, die von reichen Pariser Sammlern zusammengestellt wurden. Sonst blieb einem nichts anderes übrig, als viel Zeit in den Kirchen zu verbringen, den einzigen Orten, an denen jeder Kunstwerke ganz ungehindert - wenigstens vor oder nach der Messe - bewundern durfte. Italien hatte in dieser Hinsicht besonders viel zu bieten. Doch wenn man ein Gemälde in einer dunklen Kapelle würdigen wollte, erwies sich dies lange als problematisch: Henry James etwa beklagte sich während eines Venedigbesuchs, dass er darauf verzichten musste, den großartigen Cima da Conegliano in San Giovanni in Bragora und die prächtigen Tintorettos in San Rocco zu bewundern, so düster waren die Kirchen. Noch in unseren Tagen haben Touristen, wenn sie nicht über genügend Münzen für den bereitstehenden Apparat verfügen, nur ein paar Minuten, um Fresken oder Gemälde zu betrachten. Außerdem brauchte man Geld und Zeit, um Europa zu bereisen und die Skulpturen und Bilder anderer Kulturen zu entdecken. Dass man nach eigenem Geschmack und in selbstgewähltem Tempo durch die große Galerie des Louvre spazieren konnte, hatte also im direkten Sinne - denn der Eintritt war frei - wie im übertragenen Sinne einen unschätzbaren Wert.

Das bedeutsamste Ereignis in der französischen Kunstszene am Beginn des 19. Jahrhunderts war also unbestreitbar die öffentliche Ausstellung einer außerordentlich großen Anzahl von Meisterwerken. Die Monarchie musste gestürzt werden, damit ein seit langem geplantes Museum endlich Gestalt annehmen konnte. Im November 1793 wurde der Louvre, bisher den mehr oder weniger ungeordneten Sammlungen der Könige vorbehalten, als "Zentrales Kunstmuseum der Republik" (Musée central des arts de la République) neu eröffnet. Die für die Dekade - das heißt den zehntägigen Zeitraum, der auf Anordnung der Revolutionsregierung die Woche ersetzte - geltende Regelung bestimmte, dass die ersten fünf Tage den Künstlern und Kopisten und die zwei darauffolgenden Tage der Reinigung vor

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