text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Bit Rot Berichte aus der sich auflösenden Welt von Coupland, Douglas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.11.2019
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
16,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Bit Rot

"Wenn sich die Menschen in der Zukunft fragen, wie es war, zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu leben, dann sollten sie Douglas Coupland lesen." Yann Martel Der Begriff Bit Rot bezeichnet einen Vorgang aus dem Feld der digitalen Archivierung: Dateien können sich plötzlich und schnell auflösen. Douglas Coupland - seit Jahrzehnte einer der großen Analytiker unserer digitalen Ära - hat in den letzten Jahren die Erkenntnis gewonnen, dass Bit Rot auch sehr exakt beschreibt " wie sich mein Gehirn seit dem Jahr 2000 angefühlt hat, während ich ältere und schwächere Neuronen und Synapsenverbindungen abbaute und verbesserte, unerwartete neu erschuf." In seinem Buch mixt Coupland, wie das Internet selbst, verschiedene Textgattungen und stellt sie gleichberechtigt nebeneinander. Auf diese Weise gelingt ihm eine Kritik unserer Vorstellung von einer konsistenten Zukunft und dadurch eine Analyse unserer Gegenwart, die ihresgleichen sucht. Ein Must-Read für die Hypermoderne. Douglas Coupland wurde 1961 auf einem NATO-Stützpunkt in Deutschland geboren, lebt heute in Vancouver, Kanada. In den späten Achtzigern begann er für lokale Magazine zu schreiben, woraus 1991 sein Roman "Generation X" hervorging, der ihn schlagartig berühmt machte und zum Sprachrohr einer Generation werden ließ. Seitdem hat er 14 Romane und zahlreiche Essaybände veröffentlicht und gilt als Vordenker des Digitalzeitalters.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 08.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841218117
    Verlag: Aufbau Verlag
    Originaltitel: Bit Rot
    Größe: 5322 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Bit Rot

Furcht vor Fenstern

K imberly Kellog war ein gesund ernährtes zwölfjähriges Mädchen aus der oberen Mittelschicht, das in einem guten Vorort einer guten amerikanischen Stadt lebte. Ihre Eltern waren heilfroh, dass sie sich bis jetzt noch nicht in einen patzigen, klauenden, bulimischen und komasaufenden Alptraum verwandelt hatte wie all die anderen Mädchen in der Nachbarschaft. Sie schätzten sich glücklich.

Eines Abends sah sich Kimberly mit ihren Eltern einen Horrorfilm an, in dem Aliens aus dem Weltraum in amerikanische Vorstädte einfielen. Der Film war im Cinéma-Vérité-Stil gedreht, und die naturalistische, nervenaufpeitschende Kameraarbeit ließ die Alltagswelt knisternder und realer erscheinen, bereit, jederzeit zu explodieren wie ein schwarzer Nylonrucksack auf einem überfüllten Bahnhof.

Etwa in der Mitte des Films kam eine Szene, in der eine Familie bei sich zu Hause gezeigt wurde. Sie hörten komische Geräusche, also gingen sie von Fenster zu Fenster und versuchten zu erkennen, woher das Geräusch kam. Als sich nichts zeigte, blieben sie für einen Moment am Wohnzimmerfenster stehen, um ihren Vorgarten zu bewundern. Plötzlich sprang ein großes, gemeines Mistvieh von einem Alien mit Tentakeln und Reißzähnen und einem Riesenschädel sie an und spuckte Blut, Gift und menschliche Körperteile an die Fensterscheibe.

Kimberly fing an zu schreien und konnte nicht mehr aufhören. Zum Schluss mussten ihr die Eltern von dem Valium geben, das sie sich für einen bevorstehenden Ferienflug aufgespart hatten, und trotzdem verbrachte Kimberly den Rest des Abends im Bett bei fest zugezogenen Vorhängen. Durch die Wand konnte sie hören, wie ihre Eltern sich im Nebenzimmer darüber stritten, wer von beiden die Idee gehabt hatte, ein zwölfjähriges Mädchen einen Horrorfilm sehen zu lassen, der erst ab achtzehn war.

Bevor er an diesem Abend zu Bett ging, kam Kimberlys Vater nach oben, um nach ihr zu sehen, und sagte: "Machen wir die Vorhänge auf und lassen frische Luft rein."

Kimberly flippte wieder aus. Ihr Vater brauchte einen Moment, um die Verbindung zwischen den Vorhängen, den Fenstern und dem Monster zu ziehen, und bis dahin war Kimberly bereits so verängstigt, dass sie am Ende die Nacht im Bett ihrer Eltern verbrachte, bei heruntergelassenen Jalousien.

Am nächsten Morgen ging es Kimberly wieder gut - bis sie sich an das Monster erinnerte. Sie erstarrte, als ihr klarwurde, dass überall Fenster waren und das Monster jederzeit an jedem davon auftauchen konnte.

Sie zwang sich dazu, das Haus zu verlassen und in den Schulbus zu steigen, und es ging gut, weil er sich bewegte und mehr Abstand zum Boden hatte, doch dann fiel ihr ein, dass ein Alien auf dem Dach des Busses sein konnte. In der Schule tat sie alles, um nicht aus den Fenstern der Klassenräume zu sehen.

In der letzten Stunde an dem Tag, Naturwissenschaften, sagte Luke, einer ihrer Klassenkameraden, zu ihr: "Kimberly, komm mal rüber. Ich hab hier so einen coolen Test für die visuelle Wahrnehmung, den ich dir zeigen will."

"Wofür ist der gut?"

"Man testet damit die Augen, um herauszukriegen, was du besser siehst, Bewegung oder Farbe. Ist lustig."

Kimberly war dankbar für alles, was sie von den Aliens ablenkte, also setzte sie sich neben ihn.

Luke sagte: "Was du machen musst, ist, ganz feste auf das Bild zu gucken."

Auf dem Bildschirm sah man ein langweiliges bürgerliches Wohnzimmer.

"Entspann deine Augen, entspann deinen Körper, und dann werden sich die Sachen im Raum ganz leicht bewegen, vielleicht ändert auch das Sofa ein kleines bisschen seine Farbe. Das Bild wandelt sich ganz langsam. Sag mir, welche Veränderung du bemerkst - Farbe oder Form oder Bewegung oder sonst was."

Kimberly saß also da und ließ zum ersten Mal seit dem Horrorfilm zu, dass ihr Körper sich entspannt. Sie starrte auf das Bild und dachte daran, wie sehr es dem Wohnzimmer ihr

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen