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Eine wildere Zeit Aufzeichnungen eines Geologen vom Rande des Grönland-Eises von Glassley, William E. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.09.2018
  • Verlag: Verlag Antje Kunstmann
eBook (ePUB)
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Eine wildere Zeit

Grönland ist einer der letzten wahrhaft wilden Orte der Erde. William E. Glassley hat von dort nicht nur bedeutsame Erkenntnisse für die Geologie mitgebracht, sondern auch ergreifende und anmutige Beobachtungen der Wildnis. In Eine wildere Zeit erzählt der Geologe William E. Glassley von seinen Expeditionen in ein von Menschen nie betretenes, nicht einmal exakt kartiertes Gebiet: die Fels- und Tundralandschaften am Rande des Eises. Zusammen mit zwei Kollegen sucht er nach Beweisen für die These, dass Grönland vor Urzeiten aus der Kollision zweier Kontinente entstanden ist, die ein Meer zwischen sich verdrängt haben. Gebirgszüge von der Größe der Alpen falteten sich auf und versanken wieder. Das Team verbringt Wochen in vollkommener Abgeschiedenheit, im wilden Herzen unberührter Landschaften, die das Gefühl einer Ur-Welt vermitteln. Sie erleben Luftspiegelungen und gefährliche Meeresströmungen, turmhohe Eiswände zersplittern vor ihren Augen. Sie entdecken Riesenkristalle, die aus den Magmakammern des Erdinneren stammen, uralte Steine, die eine Rückdatierung der Geologie Grönlands um Hunderte von Millionen Jahren erlauben. Wenn man Glassleys Erzählung liest, meint man, der Gebirgsbildung bei der Arbeit zuzuschauen. Mit der Sprache eines Dichters schildert er die überwältigende Schönheit extremer Wildnis und lässt uns spüren, was die letzten unberührten Landschaften für den Menschen bedeuten. William E. Glassley ist Geologe an der University of California, Davis, und Professor emeritus der Universität Aarhus, Dänemark. Neben zahlreichen wissenschaftlichen Artikeln hat er ein Lehrbuch über Geothermie verfasst. Eine wildere Zeit ist sein erstes Buch für ein breiteres Publikum. Glassley lebt in Santa Fe, New Mexico.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 12.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956142789
    Verlag: Verlag Antje Kunstmann
    Originaltitel: A Wilder Time. Notes From A Geologist At The Edge Of The Greenland Ice
    Größe: 5413 kBytes
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Eine wildere Zeit

Vorwort

WENN WIR zu alten oder neuen Reisezielen aufbrechen, verbergen sich in den Landschaften, die wir uns ausmalen, Erwartungen. Wir erhoffen uns bestimmte Abenteuer und befürchten, zu etwas vorzudringen, was wir insgeheim herbeisehnen. Wir halten das Ziel für den Endpunkt unserer Reise, doch meistens stimmt das nicht. Manchmal verwandelt sich das Reiseziel in ein Tor, das unsere Erwartungen verschlingt und hinter dem wir dem Undenkbaren begegnen. So ergeht es mir auf meinen Reisen in die grönländische Wildnis.

Grönland ist der Traum eines jeden Geologen. Weil sich die Gletscher schneller zurückziehen, als die Pflanzen nachrücken können, liegt der jahrtausendelang eisbedeckte Felsuntergrund nun völlig offen und blank poliert da. Er glitzert in der Sonne und wartet scheinbar nur darauf, dass jemand die verblüffenden Kunstwerke erkundet.

Dass Gesteine fließen können, kann man sowieso kaum glauben, aber die Felsgefüge in Grönland könnte man sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausmalen. Sie zeigen zweifelsfrei, dass das Erdinnere fast so flüssig ist wie Wasser. Hauchdünne oder haushohe Gesteinsschichten, in Braun, Grauweiß, Grün, Schwarzblau oder Rot, sind endlos mitein ander verfaltet, verjüngen sich, verdicken sich, dehnen sich zu papierdünnen Strichen, schwellen wieder an und erzählen Geschichten, die wir unbedingt lesen möchten, aber kaum entziffern können.

Um einige der Geheimnisse zu lüften, reise ich mit zwei dänischen Geologen, Kai Sørensen und John Korstgård, ab und zu nach Grönland. Wir kampieren dann mehrere Wochen in einer der größten unberührten Landschaften der Welt, wandern durch die fünfzigtausend Quadratkilometer große Wildnis, klettern auf Händen und Füßen über nackten Fels und versuchen, aus den bruchstückhaften Hinweisen, die wir finden, eine Szenenfolge abzuleiten. Mithilfe neuester Ermittlungsmethoden, verschiedenster Techniken, Technologien und vager Logikketten entwickeln wir eine schlüssige Erzählung, die beinah die gesamte Erdgeschichte umfasst.

Bislang konnten unsere Forschungen und die von Kollegen seit den 1940er-Jahren nur erste Umrisse dieser Erzählung liefern. Wir wissen nicht viel mehr, als dass sich das Leben und die Gesteine wohl auf wundersame Weise ineinander verwoben haben. Wenn man unser Forschungsobjekt mit einer alten Handschrift vergleichen würde, dann wären die Titelseiten fast vollständig erhalten, aber die Tinte der einzelnen Kapitel mehr oder minder verblichen.

Dass wir noch nicht mehr erreicht haben, kann nicht verwundern. Da die Region über dem Polarkreis liegt, ist es nur wenige Monate im Jahr hell und warm genug zum Zelten. Zudem ist das Gebiet so abgelegen, dass man nur unter Mühen hin- und zurückkommt. Der logistische Aufwand ist enorm. Wir haben über das riesige, noch weitgehend unerforschte Gelände daher nur wenige gesicherte Erkenntnisse.

Was man weiß, ist außerdem noch immer quälend rätselhaft. In den Gesteinen finden sich vage Hinweise auf verschiedenste Gebirgsbildungsprozesse, die irgendwann vor zwei bis dreieinhalb Milliarden Jahren stattgefunden haben. Das jüngste Ereignis war vielleicht so gewaltig, dass es sozusagen die spätere Entstehung des Himalaja vorwegnahm, mit gewaltigen Bewegungen entlang enormer Störzonen, einem Vulkansystem, das mit den Anden mithalten kann, und Ozeanbecken so groß wie der Atlantik. Doch all das ist längst verschwunden, verschluckt von der weitereilenden Erdgeschichte. Es gibt nur wenige und schwierig zu interpretierende Beobachtungen, die diese These stützen können.

Hinzu kommt noch, dass sogar hinsichtlich der Grundannahmen, auf denen die Geologie basiert, Unsicherheit besteht. Alle geologischen Studien zu heutigen Vorgängen auf der Erde beruhen auf der Plattentektonik, nach der die Erde ein dynamischer Planet mit zwölf Ozean- und Kontinentalplatten ist, die sich durch die heißen Temperaturen im Erdinneren langsam über die Erdoberfläche bewegen.

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