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This Man's Pill Sex, Kunst und Unsterblichkeit von Djerassi, Carl (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.05.2016
  • Verlag: Haymon Verlag
eBook (ePUB)
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This Man's Pill

Dem Autor ist am 15. Oktober 1951, in einem kleinen Labor in Mexico City der entscheidende Schritt zur synthetischen Herstellung des Hormons Gestagen gelungen, was die 'Antibabypille' ermöglicht hat. In diesem Buch verfolgt Djerassi genauer, als er das bisher getan hat, die Geschichte der 'Pille' mit ihren Vorstufen, etwa den Forschungen und Ergebnissen des Innsbrucker Biologen Prof. Ludwig Haberlandt aus den zwanziger Jahren, schildert die Auswirkungen seiner Erfindung auf Gesellschaft und Politik und sinniert über die sich abzeichnende Trennung von Sex und Fortplanzung. Auch persönliche Erinnerungen an die turbulenten fünfziger und sechziger Jahre breitet der vorzügliche Erzähler Djerassi vor dem Leser der zwölf Essays aus. Aus dem Amerikanischen von Ursula-Maria Mössner Carl Djerassi, geboren 1923 in Wien, lebte bis zu seinem Tod im Januar 2015 in San Francisco, London und Wien. Aufgewachsen z.T. in Bulgarien, der Heimat seines Vaters, 1938 nach Amerika geflohen, wo er studiert hat und sich als Naturwissenschaftler, später auch als Mäzen und Kunstsammler, einen Namen machte. Für sein berufliches Wirken wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und mit 32 Ehrendoktoraten gewürdigt. Carl Djerassi war u.a. Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland sowie des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst. 2005 erschien eine österreichische Briefmarke mit seinem Porträt. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen, mehrere populäre Bücher zum Thema, autobiographische Veröffentlichungen, Romane und Theaterstücke. Bei Haymon: 'This Man's Pill'. 'Sex, die Kunst und Unsterblichkeit' (2001), 'Stammesgeheimnisse' (mit den beiden Romanen 'Cantors Dilemma' und 'Das Bourbaki Gambit', 2002), 'Kalkül / Unbefleckt'. Zwei Theaterstücke aus der Welt der Wissenschaft (2003), 'EGO'. Roman und Theaterstück (2004), 'Aufgedeckte Geheimnisse'. Zwei Romane aus der Welt der Wissenschaft: 'Menachems Same' und 'NO' (2005), 'Phallstricke. Tabus'. Zwei Theaterstücke aus den Welten der Naturwissenschaft und der Kunst (2006), 'Vier Juden auf dem Parnass'. Ein Gespräch (mit Fotokunst von Gabriele Seethaler, 2008), 'Vorspiel'. Theaterstück (2011), 'Tagebuch des Grolls. A Diary of Pique 1983-1984' (übersetzt von Sabine Hübner, 2012), 'Chemie im Theater. Killerblumen'. Ein Lesedrama (2012), 'Der Schattensammler'. Die allerletzte Autobiografie. Carl Djerassis Bücher wurden aus dem Amerikanischen von Ursula-Maria Mössner übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 25.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783709937167
    Verlag: Haymon Verlag
    Größe: 481 kBytes
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This Man's Pill

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Dreißig Auserwählte: Murasaki & Konsorten

Am 12. September 1999 veröffentlichte das Londoner Sunday Times Magazine in seiner Titelgeschichte "The Top Thirty" des zurückliegenden Jahrtausends. Diese von fünfzehn britischen und amerikanischen Gelehrten erstellte Hitliste der dreißig wichtigsten Personen war, gelinde ausgedrückt, exzentrisch, um nicht zu sagen bizarr; in anderen Worten ein weiteres Symptom des Rummels um den Millenniumswechsel.

Ganz oben auf der chronologisch angeordneten Liste stand der Name der einzigen Frau in der ansonsten reinen Männerriege. Obwohl gegen diese Wahl nichts einzuwenden ist, hatte ihre Aufnahme in den erlauchten Kreis vermutlich mehr mit political correctness und Effekthascherei zu tun als mit Logik. Ich kann mir schwerlich vorstellen, daß Murasaki Shikibu - selbst in Japan - von einer breiten Öffentlichkeit in diese Dreißigerbande gewählt worden wäre. Aber mit ihr zu beginnen nahm nicht nur dem unvermeidlichen Vorwurf männlicher Voreingenommenheit die Spitze, sondern auch dem des Eurozentrismus: Asien war nur durch Murasaki Shikibu und den osmanischen Sultan Mohammed II. vertreten. Dschingis Khan, Mahatma Gandhi und Mao Tse-tung fehlten völlig. Warum fiel die Wahl von Rupert Murdochs Experten auf Napoleon und Lenin, aber auf keinen dieser asiatischen Führer? Der kurze Prozeß, der mit Nord- und Südamerika, von der Baffin Bay bis hinunter nach Patagonien, gemacht wurde, bewies nur, daß der Ethnozentrismus der Jury unparteiisch war. Kein Cortez, Bolívar, Washington, Lincoln oder Roosevelt; der ganze Kontinent tauchte nur ein einziges Mal auf: mit Thomas Alva Edison. Es versteht sich wohl von selbst, daß Afrika für diese intellektuellen Forschungsreisenden ein dunkler Kontinent blieb.

Daß geographische Aspekte und das weibliche Geschlecht keine Berücksichtigung fanden, mochte irgendwie verständlich sein; weit auffallender jedoch war die schiere Willkürlichkeit dieser Liste. Am eklatantesten war das völlige Fehlen von Musikern - kein Bach, kein Mozart, kein Verdi, nicht einmal die Beatles - und anderen Künstlern, abgesehen von Leonardo da Vinci, dessen Aufnahme offenbar in erster Linie seinen Referenzen als Naturwissenschaftler und Ingenieur zu verdanken war. Etwas besser sah es im Bereich Literatur aus: Neben Murasaki fand sich dort die klar auf der Hand liegende Entscheidung für Shakespeare und die fast ebenso unvermeidliche Nennung von Dante und Chaucer. Die Aufnahme von Jean Jacques Rousseau, dem einzigen weiteren Vertreter dieser Gattung, erschien durchaus gerechtfertigt, aber nur, bis man sich zu fragen begann, warum er und nicht, sagen wir, Goethe oder Tolstoi.

Die Liste tendierte stark in Richtung Naturwissenschaft und Technik. Unter den fünfzehn Naturwissenschaftlern und Erfindern waren Bacon, Newton, Kopernikus, Galilei, Darwin, Pasteur und Einstein. Daß sie aufgenommen wurden, erscheint absolut einleuchtend, auch wenn einige andere - z. B. Planck, Maxwell, Watson & Crick (die vermutlich eliminiert wurden, weil man sonst zwei kostbare Plätze vergeudet hätte) - genauso plausibel gewesen wären. Daß Großbritannien unverhältnismäßig stark vertreten war, konnte man vielleicht noch nachvollziehen, denn schließlich handelte es sich hier um die Londoner Times , nicht um die New York Times . Und von der fünfzehnköpfigen "Expertenjury" kamen elf aus Großbritannien und nur vier aus den Vereinigten Staaten. Folglich war es auch nicht weiter verwunderlich, daß die abschließende Wahl des primus inter pares - der Numero Uno des Millenniums - auf Isaac Newton fiel. Allerdings entbehrte es nicht einer gewissen Ironie, daß auf dem Titelblatt, das die Wahl verkündete, kein visuell hagiographisches Porträt des Physikers erschien (von denen es genügend gibt), sondern eine Fotografie von Eduardo Paolozzis übermannsgroßer Statue Newtons am Eingang der British Library, einer Skulptur, di

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