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Der schwierige Patient Kommunikation und Patienteninteraktion im Praxisalltag von Kowarowsky, Gert (eBook)

  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
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Der schwierige Patient

Der schwierige Patient - jeder Psychologe, Arzt und Therapeut kennt ihn, doch es gibt ihn eigentlich gar nicht. Der schwierige Patient ist im Wesentlichen ein Interaktionsphänomen, das Achtsamkeit erfordert. Die Vielschichtigkeit der Person, der Motive, der Verhaltensweisen und der situativen Rahmenbedingungen des Patienten sowie des Helfers in Verbindung mit diesem Phänomen werden hier ausführlich aufgezeigt. Das relevante Wissen um die interaktionellen Besonderheiten bei Menschen mit Persönlichkeitsstörungen wird ebenso praxisorientiert dargestellt wie die Kernelemente schwierigkeitsauflösender Haltungen und Verhaltensweisen. Ein Selbstsupervisionsfragebogen hilft dabei, Verstrickungen zu erkennen und zu beheben. Mit vielen Übungen, Arbeitsblättern und Memopostern zum Download. Dipl.-Psych. Gert Kowarowsky, Psychologischer Psychotherapeut, seit 35 Jahren therapeutisch tätig. Ausbildung in Humanistischer Therapie, Verhaltenstherapie, Rational Emotiver und kognitiver Verhaltenstherapie. Er ist Lehrtherapeut für Verhaltenstherapie, Supervisor und Fachbuchautor.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 236
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170337015
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 4492 kBytes
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Der schwierige Patient

2 Der schwierige Helfer

So weit der Blick des Helfers auf den schwierigen Patienten.

Erlauben wir uns, das Geschehen aus der Sicht des Patienten zu sehen, ergibt sich nicht minder die Notwendigkeit zu einer differenzierten Sichtweise, wie wir sie soeben beim Patienten zur Anwendung gebracht haben. Auch hier lohnt es sich, genau hinzuschauen. Was sind die einzelnen Anteile der Persönlichkeit beim Helfer, die der Patient als schwierig erleben kann? Was sind die Verhaltensanteile beim Helfer, die der Patient als schwierig erleben kann? Welche problematischen Motive unterstellt der Patient zu Recht oder zu Unrecht dem Helfer? Und nicht zuletzt: In welcher für ihn schwierigen Ausgangssituation befindet sich der Helfer in der aktuellen Begegnung mit dem Patienten?

Untersuchen wir im Folgenden all die Anteile des Helfers, die er von seiner Seite aus in die Begegnung mit dem Patienten einbringt. Richten wir den Blick zunächst auf die Person des Helfers.
2.1 Die Person des Helfers - Auch

Auch hier gilt: Wir sind viele! Auch der Helfer besteht seinerseits aus einem Bündel von Persönlichkeitsanteilen, wie es bereits beim Patienten beschrieben wurde. In seinem Buch "Miteinander reden", Teil 3, zeigt Friedemann Schulz von Thun die Karikatur eines Arztes, der sich freundlich und einfühlsam seinem Patienten zuwendet und gleichzeitig einen erschöpften, wütenden, genervten, griesgrämigen, ungeduldigen inneren Anteil in sich in Schach zu halten bestrebt ist. Da ich diese Darstellung für so treffend halte, freut es mich besonders, Ihnen mit persönlicher Genehmigung von Herrn Professor Friedemann Schulz von Thun diesen Cartoon hier zeigen zu können ( Abb. 2.1 ).

Abb. 2.1: Die verschiedenen Persönlichkeitsanteile des Helfers (aus: Friedemann Schulz von Thun, Miteinander reden 3. Das "Innere Team" und situationsgerechte Kommunikation , S. 204; Copyright © 1998 Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg)

Es steht außer Frage, dass jeder Helfer umso störungsfreier und hilfreicher Helfer sein kann, je mehr er sich der Vielschichtigkeit seiner eigenen Persönlichkeitsanteile bewusst ist. In der psychoanalytischen Tradition muss nach wie vor jeder angehende Psychoanalytiker eine eigene Lehranalyse durchlaufen, bevor sie oder er zu praktizieren berechtigt ist. Dies verhilft zu einem hohen Maß an Bewusstheit über die eigenen Persönlichkeitsanteile. In allen anderen aktuellen Ausbildungsplänen für helfende Berufe fehlt diese umfassende Anleitung zur Selbstreflexion - vor allem gegenüber den eigenen ungeliebten Selbstanteilen - und ist auch 2018 immer noch ein veränderungsbedürftiges Lehrplandefizit.

Auch die in den 1960er und 1970er Jahren weit verbreitete Experimentierfreude unter den Studierenden der Heilberufe, aus eigenem Interesse und eigener Wachstumsmotiviertheit heraus an Selbsterfahrungs- und Encountergruppen teilzunehmen, gibt es momentan fast überhaupt nicht mehr. Gleichwohl sei jedem Helfer angeraten, sich der Vielschichtigkeit seiner eigenen Person soweit wie irgend möglich bewusst zu werden. Da ich in meinen Seminaren immer wieder nach Möglichkeiten zur qualifizierten Selbsterforschung auf hohem Niveau gefragt werde, habe ich Ihnen im Anhang Adressen angegeben, bei denen Sie diese Anleitungen zur Selbsterfahrung erhalten können. Irvin D. Yalom zeigt anhand seiner eigenen Selbsttherapie, für wie immens wichtig er umfassende Selbsterfahrung hält. Er schreibt:

"In etlichen Ausbildungsprogrammen wird darauf bestanden, dass Studenten selbst eine Psychotherapie durchlaufen; einige weiterführende kalifornische Universitäten verlangen mittlerweile 16 bis 30 Stunden Einzeltherapie. Das ist ein guter Anfang - aber nur ein Anfang. Die Selbsterforschung ist ein lebenslang

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