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Die Schwangerschaft als Statuspassage Das Einverleiben einer sozialen Rolle im Kontext einer nutzerinnenorientierten Versorgung von Mozygemba, Kati (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2011
  • Verlag: Verlag Hans Huber
eBook (PDF)
35,99 €
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Die Schwangerschaft als Statuspassage

Die vorliegende Studie beschreibt, wie schwangere Frauen ihr Frau-Sein, ihr Körpererleben und ihre Position im sozialen Umfeld neu definieren. Wechselwirkungen zwischen einer bestimmten Angebotsstruktur wie der Schwangerenvorsorge und dem Wunsch nach Sicherheit und Normalität der Frauen werden dargestellt und hinterfragt. Dabei spielen die Bedürfnisse der Nutzerinnen ebenso eine Rolle wie die Wahrnehmung bestimmter Versorgungsangebote. Hebammen und GynäkologInnen leiten die Frauen an, beraten und stehen für die "normale" Ablaufform der Statuspassage ein. Die professionelle Begleitung beeinflusst dabei die Wahrnehmung der Frau als "gute Mutter". Dies hat Konsequenzen für die Versorgung, die im vorliegenden Buch beschrieben werden. Am Beispiel der Schwangerenvorsorge werden positive und negative Implikationen des Konzeptes einer nutzerorientierten Gesundheitssicherung herausgearbeitet, theoretisch fundiert und mit einem anwendungsbezogenen Blick auf die Versorgungspraxis verbunden. Deutlich wird, wie sich die Bedürfnisse der Nutzerinnen unterscheiden; aber auch, dass eine nutzerinnenorientierte Versorgung nicht allein aus rationalen Kosten-Nutzen-Überlegungen resultieren kann.

Produktinformationen

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Die Schwangerschaft als Statuspassage

1 Einleitung

Im Zentrum der vorliegenden Arbeit steht die Frage, wie Schwangerschaft als eine körperlich und leiblich vermittelte Statuspassage verkörpert wird. Dabei interessieren die Verschränkung von soziokulturellem Körperwissen und subjektivem Leiberleben und die Bedeutung professioneller Begleitpersonen (Gatekeeper) für diesen Prozess. D. h., es geht auch um die Frage, wie die professionelle Schwangerenvorsorge dazu beiträgt, dass schwangere Frauen diesen Übergangsprozess (Statuspassage) in der Form erleben, wie sie ihn erleben, und welche Rückschlüsse daraus für eine nutzerinnenorientierte Schwangerenvorsorge gezogen werden können.

Den Hintergrund dieser Studie bildet eine unveröffentlichte Untersuchung, die als kleinere Vorstudie angesehen werden kann (Mozygemba 2003). Auch hier wurden Interviews mit erstgebärenden schwangeren Frauen geführt und ausgewertet. Das zentrale Ergebnis dieser Arbeit lautet, dass die erste Schwangerschaft eine Statuspassage darstellt, welche für die Frau die Notwendigkeit beinhaltet, den eigenen Körper, ihr Frau-Sein und ihre Stellung im sozialen Umfeld neu zu definieren. Gleichzeitig erleben Schwangere eine ihnen bisher unbekannte soziale Kontrolle, mit der sie umgehen lernen müssen. Die Frauen sprechen von Ängsten und Unsicherheiten, aber auch von einem Zugewinn an Weiblichkeit (ebd.). Um genauere Aussagen über die Gestaltung und die subjektiven Erfahrungen beim Durchschreiten dieser Statuspassage zu treffen, deren körperliche und leibliche Vermittlung sowie professionelle Deutungsund Handlungsmuster aus Sicht der Nutzerinnen1 mit einfließen zu lassen, wurde auf dieser Arbeit aufbauend das Design der vorliegenden Studie entworfen. Aus den anschließend aufgeführten Forschungsfragen resultieren vier Themenstränge, die sich durch die Arbeit ziehen.

Wie verkörpern Frauen, die zum ersten Mal eine Schwangerschaft erleben, diesen Veränderungsprozess?
Welche Rolle spielen Hebammen2 und Ärzte/-innen als professionelle Gatekeeper für den Verkörperungsprozess?
Wie erleben die Frauen als Nutzerinnen die professionelle Schwangerenvorsorge?
Welche Rückschlüsse für eine nutzerinnenorientierte Schwangerenvorsorge lassen sich aus den Ergebnissen ziehen?

Die mit den Forschungsfragen verbundenen Ziele der Arbeit werden im Folgenden vorgestellt.

1.1 Mit den Forschungsfragen verbundene Ziele der Arbeit

Die erste Schwangerschaft stellt aus soziologischer Sicht eine irreversible Statuspassage (vgl. 3) dar. Sie gehört zu den Phasen im Lebenslauf einer Frau, die die gesundheitliche Verfassung und das Gesundheitsverhalten stark beeinflussen (SaynWittgenstein 2007, Faltermaier 1999). Der biographische Übergang von der Frau ohne Kind zur Frau mit Kind und Mutter geht mit einer sichtbaren und spürbaren Veränderung des eigenen Körperleibes einher (vgl. 4). Der Leib wird bewusst. Kulturelle Deutungsmuster werden gebraucht, um sich diesen erklärbar zu machen und umgekehrt (Mozygemba 2003). Die Passage ist durch ihre Körperbezogenheit auch mit Konsequenzen für verschiedene Akteure im sozialen Umfeld verbunden, die die Identitätsarbeit der Frauen beeinflussen. Mit den Ergebnissen einer kleineren unveröffentlichten Untersuchung, die dieser Studie vorausgegangen ist (Mozygemba 2003), wird davon ausgegangen, dass die professionelle Begleitung für die Verkörperung von Schwangerschaft von Bedeutung ist (ebd.). Dies gab den Impuls dazu, sich genauer mit der Frage zu beschäftigen, wie die Schwangerschaft als körperlich und leiblich vermittelte Statuspassage verkörpert wird und welche Rolle dabei die professionellen Gatekeeper (professionelle Übergangshelfer) spielen.

Die Ziele der vorliegenden Arbeit bestehen darin, zu rekonstruieren, wie sich die Statuspassage körperlich und leiblich realisiert, wie Frauen sich diese Veränderungen vergegenständlichen und die Veränderungen in den verschiedenen Lebensbereichen erleben. Der Körper wird dabei auch als Medium

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