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Harninkontinenz im Pflegeheim Prävalenz, Inzidenz und Remission, Risiko- und Schutzfaktoren von Boguth, Katja (eBook)

  • Verlag: Verlag Hans Huber
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Harninkontinenz im Pflegeheim

In der vorliegenden Arbeit wurde die Prävalenz der Harninkontinenz zum Aufnahmezeitpunkt und nach sechs Monaten Heimaufenthalt retrospektiv bestimmt. Darüber hinaus wurden die Auswirkungen von personenbezogenen und umgebungsabhängigen Faktoren auf die Kontinenzfähigkeit der Bewohner untersucht. Hintergrund der Fragestellung waren bisherige Befunde, die zeigten, dass sich die Häufigkeit der Harninkontinenz nach der Aufnahme in ein Pflegeheim erhöht. Ursächlich könnten die Besonderheiten der Pflegeheimsituation sein, da hier zahlreiche Risikofaktoren vorliegen, welche die Entstehung einer Harninkontinenz begünstigen können.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 197
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783456947105
    Verlag: Verlag Hans Huber
    Größe: 1235kBytes
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Harninkontinenz im Pflegeheim

5 Harninkontinenz im Pflegeheim (S. 45-46)

5.1 Prävalenz der Harninkontinenz in stationären Pflegeeinrichtungen

Harninkontinenz ist in Pflegeheimen allgegenwärtig. Die Prävalenz von Harninkontinenz bei Pflegeheimbewohnern liegt international zwischen 50 und 75 %. Betrachtet man die vorliegenden Studien seit 1990, so lässt sich insgesamt ein Anstieg in der Häufigkeit des Auftretens dieses Symptoms in den letzten 10 Jahren beobachten. Die Studien sind nicht uneingeschränkt vergleichbar, da es im Design, in der Definition von Harninkontinenz und in der Stichprobengröße relevante Unterschiede gibt (vgl. Tabelle 3). In Deutschland untersuchten mehrere Studien Harninkontinenz bei Heimbewohnern. Studien, die mittels Fragebogen die Daten zur Harninkontinenz erheben, stammen aus Großbritannien, Italien, Deutschland und Österreich. Die Häufigkeitsangaben in den Definitionen der Inkontinenz variiert von monatlichen bis täglichen unfreiwilligen Harnverlusten (Aggazzotti et al., 2000, Borrie et al., 1992, Georgiou et al., 2001, Pointner &, Madersbacher H., 1993, Welz-Barth et al., 1998).

Das Institut für Medizin-, Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft der Charité Berlin führt seit 2003 jährlich eine Befragung von Krankenhäusern und Pflegeheimen durch. Es wird dabei mittels einer Fragebogenerhebung, die sich an die Mitarbeiter der Einrichtungen richtet, auch die Prävalenz der Harninkontinenz erhoben. Die Studien 2003-2005 unterscheiden zwischen einer vorübergehenden und einer dauerhaften Harninkontinenz, ohne diese zu definieren. Die Erhebung des Jahres 2006 verzichtet auf diese Differenzierung und definiert im Leitfaden der Studie Harninkontinenz als "alle Zustände unfreiwilligen Harnabgangs" (Dassen, 2006a).

Die Werte der vorübergehenden und dauerhaften Inkontinenz der ersten Untersuchungen werden im Folgenden nicht einzeln ausgewiesen, sondern addiert. Es zeigt sich über die Jahre (2003-2007) ein relativ stabiler Wert von 71,6 % bis 74,2 %. Andere Studien betrachten die Harninkontinenz im Pflegeheim retrospektiv und benutzen Sekundärdaten wie beispielsweise die Pflegedokumentation. Eine wichtige Datenbasis liefert das - durch RAI (Resident Assessement Instrument) Daten gespeiste - MDS (Minimum Data Set). Da diese MDS-Daten international auf derselben Grundlage beruhen, sind internationale Vergleiche möglich, und so ist zu konstatieren, dass in den USA der Anteil harninkontinenter Bewohner in vollstationären Pflegeinrichtungen um fast 15 Prozentpunkte größer ist als in der Schweiz (DuBeau et al., 2006, Saxer et al., 2005).

Um einschätzen zu können, ob es sich bei den hier ermittelten Prävalenzen um erwartbare oder hohe bzw. niedrige Werte handelt, ist ein Vergleich der institutionalisierten mit nicht institutionalisierten älteren Menschen nötig. Prävalenzstudien, die Harninkontinenzhäufigkeiten in der allgemeinen älteren Bevölkerung untersuchen, schwanken in ihren Angaben zwischen 6 % bis 45,5 % (Maggi et al., 2001, Teunissen et al., 2004). Deutsche Schätzungen zur Prävalenz der Harninkontinenz bei den 80-jährigen Männern und Frauen in der allgemeinen deutschen Bevölkerung gehen von einem Wert zwischen 30-40 % aus (Füsgen, 1991, Melchior H., 2003).

Eine Untersuchung in Kanada von Hunskaar (1998) vergleicht die Anzahl der Inkontinenzereignisse zwischen Heimbewohnern und der allgemeinen älteren Bevölkerung: Die Prävalenz der Harninkontinenz bei im Heim lebenden Menschen ist im Hinblick auf tägliche Inkontinenzereignisse neun- bis zehnfach höher als bei denen, die noch in der eigenen Häuslichkeit wohnen (Hunskaar et al., 1998). Somit ist zu konstatieren, dass die Harninkontinenz in Pflegeheimen deutlich häufiger und in einem höheren Schweregrad auftritt als in der Population der nicht institutionalisierten älteren Menschen.

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