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In den Händen der Ärzte Ignaz Semmelweis - Pionier der Hygiene von Durnová, Anna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.03.2015
  • Verlag: Residenz Verlag
eBook (ePUB)
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In den Händen der Ärzte

Medizinische Innovation wird stets von Widerständen begleitet - kein Leben zeigt dies besser als jenes von Ignaz Semmelweis. Eine Reise durch das Leben des großen Kämpfers für die Gesundheit der Mütter und für den medizinischen Fortschritt. 'Hände waschen!', diese Hygieneregel ist heute selbstverständlich. Dass das nicht immer so war, zeigt die Geschichte des 1818 geborenen Semmelweis, der als Gynäkologe in Wien wirkte. Für die Anerkennung der Wahrheit, dass die schmutzigen Hände der Ärzte gebärende Frauen infizierten, musste er hart kämpfen. Seine Lebensgeschichte, die bis heute immense Bedeutung hat, lässt tief in die faszinierende Welt der wissenschaftlichen Entdeckungen und Intrigen blicken.

Anna Durnová, geboren in Brno, lebt in Wien. Die Politikwissenschaftlerin ist seit 2004 an der Universität Wien als Lektorin und Forscherin tätig. Seit 2012 forscht sie im Rahmen des Hertha- Firnberg-Programms (FWF Wissenschaftsfonds) für ihre Habilitation über Semmelweis und den mit ihm verbundenen Hygienediskurs. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 248
    Erscheinungsdatum: 03.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783701745043
    Verlag: Residenz Verlag
    Größe: 1895 kBytes
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In den Händen der Ärzte

Die zerbrechliche Waschschüssel

Wir begeben uns auf die Reise nach Wien zwischen 1846 und 1850, in die Geburtsklinik des Wiener Allgemeinen Krankenhauses, und beginnen bei einer Waschschüssel. Sie steht noch heute in der Sammlung des Josephinums, des Museums für Medizingeschichte in der Währinger Straße im 9. Bezirk von Wien. Sie wirkt bescheiden und alltäglich. Eine Waschschüssel eben. In jenen fünf Jahren, die Gegenstand dieses Buches sind, wurde diese Waschschüssel zu einem heftigen Streitobjekt. Sie bewirkte Hoffnungen, Ängste, Instrumentalisierungen von Personen, Entlassungen und politische Kämpfe. Sie diente Ignaz Semmelweis zur Verbreitung der Handdesinfektions-Methode für Ärzte.

Dieses Buch gibt einen Überblick, wofür diese Waschschüssel noch steht und was sie uns eigentlich verdeutlichen kann, außer dass Händewaschen ein wesentlicher Teil unseres, nicht nur medizinischen, Alltags geworden ist. Die Waschschüssel von Semmelweis verbirgt den "Fall Semmelweis", eine gewachsene und verwachsene Kontroverse, dessen Geschichte wir erzählen wollen. Denn der Fall Semmelweis ist keinesfalls ein lediglich historischer Konflikt. Er steht für alles, womit sich jede neue Erkenntnis herumschlagen muss. Zunächst bringt der Fall die zweischneidige Waffe der Medizin zum Vorschein, welche immer wieder ans Tageslicht kommt, wenn neue Erkenntnisse kundgemacht und diskutiert werden. Der Blick in die Geschichte der Medizin zeigt, dass dies keinesfalls ein Zeichen der modernen hochtechnologischen Zeit ist, sondern dass die Medizin, praktisch seit jeher, nicht nur heilt, sondern auch fortschreiten will, und genau auf diesem Weg begeht sie folgenreiche Fehler. Sie ringt um die Wahrheit, und so sind Fehler oft ein fester und logischer Bestandteil dieses Kampfes.

Jahrhundertelang untersuchten Geburtshelfer die Mütter, ohne zu wissen, dass auf ihren Händen tödliche Keime ruhten und dass sie auf diese Weise das Kindbettfieber verursachten. Jede sechste Mutter starb bei der Geburt an Kindbettfieber, als Ignaz Philipp Semmelweis die Bühne betrat und die mangelnde Handhygiene als Ursache des Kindbettfiebers erklärte. Bis er die Ursache für die Krankheit gefunden hatte und bis seine Praxis der Händedesinfektion von den Fachkollegen akzeptiert wurde, starben noch weitere Zehntausende Mütter. Der Titel "In den Händen der Ärzte" steht somit für die Mehrdeutigkeit dieses Kampfes für die Wahrheit. In den Händen der Ärzte verbarg sich das Übel, das Semmelweis mit seiner Waschschüssel zu bekämpfen suchte. In den Händen der Ärzte lag das Schicksal der Mütter der Wiener Geburtsklinik. In den Händen der Ärzte befand sich auch die Macht, den furchtbaren Sterbestatistiken dieser Mütter ein Ende zu machen.

Das Buch hat demnach den Anspruch, das feine Gespür für gesundheitliche Kontroversen beim Leser zu erwecken. Es wird hier von der Suche nach dem entscheidenden Ereignis oder nach dem entscheidenden Fehler des Hauptdarstellers abgesehen. Gesundheitliche Kontroversen haben nämlich weder einen einzelnen Auslöser noch einen einheitlichen Austräger und sie können auch nicht mit bloßem Pro und Kontra erklärt werden. Vielmehr sind solche Kontroversen ein Bündel aus akzeptiertem und neuem Wissen, aus Hoffnungen und Ängsten, aus Ansprüchen an die beteiligten Personen, die das neue Wissen verbreiten oder ablehnen. Kurzum sind sie ein Konglomerat, das wir durch sogenannte Diskurse analysieren können. Diskurse als Bedeutungsgeflechte und so etwas wie komplexe Gedächtniskarten, die uns den Weg weisen, uns dem Fall Semmelweis anzunähern.

Wir leben in einer Zeit, in der Infektionen und ihre Verbreitung durch Kontaktinfektionen nicht mehr bestritten werden. Es wird zwar geforscht und diskutiert, welche Mittel die besten sind, wie schnell beziehungsweise kurz der Kontakt mit dem infizierten Stoff sein muss, bevor die Krankheit sich verbreitet, aber das Prinzip

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