text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Patientenselbstbestimmung und Selbstbestimmungsfähigkeit Beiträge zur Klinischen Ethik von Vollmann, Jochen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.04.2008
  • Verlag: Kohlhammer
eBook (ePUB)
33,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Patientenselbstbestimmung und Selbstbestimmungsfähigkeit

Der selbstbestimmte Wille des Patienten hat in der modernen Medizin eine zentrale ethische Bedeutung. Erkrankungen im Bereich der Psychiatrie, Neurologie, Geriatrie, aber auch der Kinderheilkunde sowie der Notfall- und Intensivmedizin können jedoch die Selbstbestimmungsfähigkeit des Kranken beeinträchtigen. In diesen Situationen besteht in der klinischen Praxis oft Unsicherheit über die Gültigkeit des Patientenwillens. Die versammelten Beiträge geben eine Einführung in die medizinethische Problematik und eine praktische Hilfe bei der Feststellung der Selbstbestimmungsfähigkeit von Patienten.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Jochen Vollmann ist Psychiater und Medizinethiker. Er leitet das Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der Ruhr-Universität Bochum.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 268
    Erscheinungsdatum: 17.04.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170273566
    Verlag: Kohlhammer
    Größe: 7750 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Patientenselbstbestimmung und Selbstbestimmungsfähigkeit

Einleitung

Bei Entscheidungen in der modernen Medizin hat der selbstbestimmte Wille des Patienten 1 an Bedeutung gewonnen. Das traditionelle paternalistische Arzt-Patient-Verhältnis wird zunehmend von einem Prozess der gemeinsamen Entscheidungsfindung von Arzt und Patient ( shared decision making ) abgelöst. Eine selbstbestimmte Patientenentscheidung setzt jedoch voraus, dass der Patient in der Lage ist, eine autonome Entscheidung zu treffen. Diese Voraussetzung für eine autonome Patientenentscheidung wird Selbstbestimmungsfähigkeit oder auch Einwilligungsfähigkeit genannt. Der Begriff Einwilligungsfähigkeit stammt aus der juristischen Literatur, während der neuere Begriff Selbstbestimmungsfähigkeit häufig in der medizinethischen Literatur verwendet wird. Im englischsprachigen Raum werden die Termini mental competence und mental capacity benutzt. In diesem Buch werden die Begriffe Selbstbestimmungsfähigkeit und Einwilligungsfähigkeit synonym verwendet.

In der medizinischen Praxis wird grundsätzlich von der Selbstbestimmungsfähigkeit eines Patienten ausgegangen, es sei denn, es ergeben sich aufgrund des Verhaltens des Patienten begründete Zweifel, ob er seinen Willen selbst bestimmen kann. Diese Fragestellung tritt in allen Gebieten der Medizin, besonders jedoch bei Patienten in der Psychiatrie, Neurologie und Geriatrie, aber auch in der Kinderheilkunde, Notfallmedizin und Intensivmedizin auf. Zunehmend häufig stellt sich die Frage der Selbstbestimmungsfähigkeit bei Patienten mit dementiellen Erkrankungen. In diesen Situationen muss geprüft werden, ob der individuelle Patient zu einem konkreten Zeitpunkt bezüglich einer konkreten Entscheidung in der Lage ist, seinen Willen autonom zu bestimmen, denn dies ist Voraussetzung dafür, dass Ärzte, Pflegende, Angehörige etc. die Willensäußerung des Patienten als selbstbestimmt und deshalb ethisch wie rechtlich beachtlich zu respektieren haben. Dagegen kann z. B. ein Patient, der unter Wahnvorstellungen und akustischen Halluzinationen leidet, seine Selbstbestimmungsfähigkeit bezüglich einer psychopharmakologischen Behandlungsentscheidungen verloren haben, so dass er nicht in der Lage ist, eine selbstbestimmte Entscheidung zu treffen. Im Gegensatz zum ethisch wie rechtlich zu respektierenden selbstbestimmten Patientenwillen können sog. "natürliche" Willensäußerungen eines nicht einwilligungsfähigen Patienten vom Arzt übergangen werden, insbesondere wenn Leben und Gesundheit des Patienten in Gefahr sind und der Kranke sich durch sein nicht selbstbestimmtes Verhalten schadet. In diesen Spannungs- und Konfliktsituationen der ärztlichen Praxis stellt sich die ethische Frage nach dem angemessenen Umgang mit dem Patientenwillen. Daher kommt der Definition, Konzeptionalisierung und verlässlichen Feststellung der Selbstbestimmungsfähigkeit von Patienten sowohl eine wichtige ethisch-rechtliche als auch klinisch-praktische Bedeutung zu.

Der vorliegende Band versammelt wissenschaftliche Publikationen zum Themenbereich Patientenselbstbestimmung und Selbstbestimmungsfähigkeit. Die Beiträge aus den vergangenen zehn Jahren wurden erstmals in deutsch- und englischsprachigen Zeitschriften und Sammelbänden in den Bereichen Medizinethik, angewandte Ethik, medizinische Psychologie, Psychiatrie und Neurologie publiziert. Im Rahmen meiner wissenschaftlichen Vortragstätigkeit sowie auf Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen bin ich wiederholt von ärztlichen Kollegen und anderen Gesundheitsberufen auf eine wissenschaftlich fundierte und praxisrelevante deutschsprachige Publikation zum Themenfeld Patientenselbstbestimmung und Selbstbestimmungsfähigkeit angesprochen worden. Im vorliegenden Band sind die an unterschiedlichen Orten publizierten Beiträge zusammengefasst und bei Bedarf aktualisiert, erweitert und ggf. übersetzt worden. Jeder Beitrag kann auch fü

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen