text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Schwierige Patienten

  • Verlag: Verlag Hans Huber
eBook (PDF)
26,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Schwierige Patienten

Wenn die Arzt-Patient-Beziehung schwierig wird 10 bis 20 % aller Patienten gelten bei Ärzten als "schwierig", und dies aus unterschiedlichen Gründen: Patienten mit einer hohen Inanspruchnahme des Gesundheitssystems, die häufig den Arzt oder Therapeuten wechseln Patienten, die den Arzt durch ihre unklare Symptomlage verunsichern Patienten, deren Lebenslage, Alter, kultureller Hintergrund usw. von denen des Arztes abweicht Patienten, deren Persönlichkeit die Arzt-Patient-Beziehung belastet Patienten, die auf Grund eines anderen Krankheitsverständnisses mit dem Arzt um die richtige Interpretation ihrer Krankheit oder die angemessene Therapie ringen. Manchmal jedoch entstehen Schwierigkeiten aus der Arzt-Patient-Interaktion selbst, etwa dann, wenn wechselseitige Erwartungen nicht erfüllt oder soziale Regeln verletzt werden. Auch Ärzte selbst können "schwierig" sein, so zum Beispiel aufgrund hoher Arbeitsbelastung oder eigener Voreinstellungen. Dieses Buch beschränkt sich aber nicht allein auf die Analyse von Schwierigkeiten in der therapeutischen Begegnung, sondern versucht darüber hinaus, konkrete Handlungshilfen für den Umgang mit "schwierigen" Patienten anzubieten.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783456951218
    Verlag: Verlag Hans Huber
    Größe: 3286 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Schwierige Patienten

Patienten mit nicht hinreichend erklärbaren Körperbeschwerden
Astrid Sonntag

Einleitung

Die Gründe für organisch nicht hinreichend erklärbare Körperbeschwerden können vielfältig sein. Denkbar wäre eine rein psychische oder soziale Bedingtheit der Körperbeschwerden (zum Beispiel eine Persönlichkeitsstörung oder die simple Suche nach Zuwendung und Aufmerksamkeit), ein mitwirkender Einfluss psychosozialer Ursachen oder auch eine tatsächlich nicht entdeckte körperliche Ursache. Diese Bandbreite der Möglichkeiten bringt es mit sich, dass sich Patient und Arzt gedanklich an ganz unterschiedlichen Punkten dieses Kontinuums befinden und sich häufig nicht auf eine gemeinsame Sichtweise des Problems einigen können. In dieser Situation werden beide Seiten enttäuscht; jeder möchte gern, dass der andere doch sein Konzept über die Beschwerden übernehmen möge. Der Patient, welcher dem möglicherweise angemessenen Konzept des Arztes nicht erwartungsgemäß folgt, hinterlässt einen ansprüchlichen, unkooperativen und schwierigen Eindruck. Der Arzt, der es ablehnt, dem Krankheitskonzept des Patienten weiter nachzugehen, wird als inkompetent und uneinfühlsam bezeichnet. Naheliegenderweise wird dann ein nächster Arzt konsultiert oder der gleiche Arzt wiederholt mit neuen Darstellungen körperlicher Beschwerden konfrontiert. Patienten mit unklaren Körperbeschwerden nehmen das Gesundheitssystem vielfältig und kostenintensiv in Anspruch. Der Umgang mit ihnen erscheint als "nervig" und "schwierig". Im vorliegenden Kapitel wird überwiegend auf die Thematik der Mitbeteiligung psychischer und sozialer Gründe an unklaren Körperbeschwerden Bezug genommen. Dabei ist der Übergang von "psychischer Mitbeteiligung" und dem Vorliegen psychiatrischer Auffälligkeiten bei Patienten fließend.

1. Begriffe

Körperliche Symptombilder, für die maßgeblich eine psychische Ursache, weniger oder gar nicht aber eine somatische Ursache vermutet wird, werden nicht einheitlich bezeichnet. Häufig verwendet werden die Begriffe "funktionelle" oder "somatoforme" Körperbeschwerden bzw. Störungen, wobei der Begriff "funktionelle Störung" in der Praxis mehr akzeptiert zu sein scheint und häufig auch auf ein spezielles Organsystem bezogen wird (z.B. Reizdarmsyndrom oder Spannungskopfschmerz). "Somatoform" bedeutet, dass der Patient eine körperliche Ursache für seine Symptome vermutet, diese aber nicht oder noch nicht nachweisbar ist. Bei der Wahl der Begriffe steht immer vor allem die Frage nach der organischen Erklärbarkeit der Beschwerden im Vordergrund, eine Frage, welche zumeist nicht vollständig aufklärbar ist. Einer solchen Diagnose ist daher eine gewisse Trostlosigkeit immanent. Dies hat zur Folge, dass schon allein die Begriffsverwendung Frustration auslöst. Man kann es daher als gesunden Impuls betrachten, eine derartige Diagnose (und damit allerdings auch psychische Ursachen) von sich zu weisen. Wer möchte schon etwas haben, bei dem man am Ende immer ratlos zurückbleibt.

Hauptcharakteristikum somatoformer Störungen ist die Darbietung körperlicher Symptome, die nicht adäquat auf der körperlichen Ebene begründet werden können. Es kann sich dabei um Körperbeschwerden handeln, für die überhaupt kein organisches Korrelat diagnostizierbar ist, oder auch um Körperbeschwerden, die nur unzureichend mit organischen Befunden erklärt werden können, wobei letzteres der häufigere Fall ist, da die technischen Methoden der Diagnostik gerade im Bereich bildgebender Verfahren und der genetischen Diagnostik sehr große Fortschritte genommen haben. Wiederum würde auch ein pathologischer Organbefund nicht sogleich das Vorhandensein einer psychischen Thematik bzw. einer funktionellen Störung ausschließen. Denn häufig bedingen und verstärken sich organische und somatoforme Störungen wechselseitig.

Entsprechend der Klassifikationssysteme ICD-10 und DSM-IV liegt eine somatoforme Störung vor, wenn eine oder mehrere

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen