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Wenn Menschen sterben wollen Mehr Verständnis für einen selbstbestimmten Weg aus dem Leben von Giger-Bütler, Josef (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.03.2018
  • Verlag: Klett-Cotta
eBook (ePUB)
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Wenn Menschen sterben wollen

Wenn die Einmaligkeit des Lebens die Einmaligkeit des Sterbens einschließt, sollten wir eine bewusste Entscheidung für den Freitod akzeptieren und achten. Die Möglichkeit eines begleiteten Suizids könnte unser Zusammenleben humaner gestalten. Wie selbstbestimmt dürfen wir aus dem Leben gehen? Müssen wir suizidale Menschen vor sich selbst schützen? Oder erfordert es die Würde des Menschen, auch einen Freitod zu akzeptieren? Im Diskurs dieser polarisierenden ethischen Fragen geht es dem Autor um den einzelnen Menschen. Er will verstehen, was lebensmüde - insbesondere alte und depressive - Menschen bewegt und warum sie ihr Leben in einer Art abschließen wollen, die allgemein auf Unverständnis und Missbilligung stößt. Aus Achtung vor den Menschen, die sich für den schwierigen Weg des Freitods bewusst und frei entschieden haben, bringt der Autor die Idee des "begleiteten Suizids" in die Diskussion. Ein selbstbestimmtes Sterben ohne Heimlichkeit, Verbergen und Verschweigen könnte auch die Angehörigen entlasten und versöhnen. Dr. Josef Giger-Bütler, ist Psychotherapeut in eigener Praxis in Luzern. Seit vielen Jahren ist er auf die Therapie und Heilung von Depressionen spezialisiert und hat zu diesem Thema viel beachtete Bücher geschrieben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 31.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608110210
    Verlag: Klett-Cotta
    Größe: 2371 kBytes
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Wenn Menschen sterben wollen

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Der Suizid als Tabuthema

Wie der einzelne Mensch zum Suizid steht, ob es sich nun um einen einsamen oder begleiteten Suizid handelt, hat mit der persönlichen Einstellung dem Leben gegenüber und ganz wesentlich mit seinem Menschenbild zu tun. Betrachtet man den Menschen als mündiges Wesen, das über sein Leben selber bestimmen kann, dann geht man auch davon aus, dass er über das Ende seines Lebens, über den Zeitpunkt und die Form des Ablebens selber entscheiden kann. Dann kann auch nicht sein, dass ihm ein anderer oder eine Institution vorschreibt, wie er zu sterben hat, sei es nun im Namen der Liebe, der Gesellschaft, der Religion oder der Moral.

Kein mündiger Mensch akzeptiert es, wenn man ihm vorschreibt, wie er zu leben hat. Und genauso geht es ihm mit dem Sterben. Es ist sein Leben und das will er bis zum Ende leben; und genauso ist es auch sein Recht, über sein Leben und Sterben selbst bestimmen zu können. Überzeugende A rgumente, mit denen man einen sterbewilligen Menschen von seinem Entschluss abhalten will, müssen für mich erst noch gefunden werden. Dies vor allem dann, wenn man ihm darlegen muss, dass für einen todkranken Menschen die Selbstbestimmung akzeptiert wird, nicht aber bei ihm, weil er zum Beispiel "nur" depressiv, "nur" alt oder zu müde ist, um weiterleben zu wollen. Mündigkeit und Selbstverantwortung sollen und müssen für alle Menschen gleicherma ß en Gültigkeit haben. Man darf die Menschen nicht unterschätzen und meinen, ihnen vorschreiben zu müssen, wie sie zu leben oder zu sterben haben.
Leben dürfen und leben müssen

Der Tod und noch mehr der Suizid sind heute Themen, die man gerne schnell übergeht und bei denen man so tut, als wenn es sie nicht gäbe. Mit dem Suizid ist fast eine Art Denkverbot verbunden, das man sich automatisch auferlegt. Es ist ohne Zweifel ein schwieriges Thema. Es ist auch deshalb schwierig, weil der Suizid ein endgültiger, definitiver Akt und meistens mit Gewalt verbunden ist. Niemand weiß, was nachher kommt.

Der Suizid wird noch heute von der Gesellschaft kaum und von der Kirche überhaupt nicht akzeptiert. Vonseiten der Psychiatrie wird er pathologisiert und entwertet und von Ärztegesellschaften, die es ihren Mitgliedern verbieten, aktiv beim Sterben eines Menschen mitzuhelfen, sanktioniert. Suizid gilt quasi als Mord, und Beihilfe zum Mord gehört eben nicht zu den Pflichten des Arztes. Sein Gebiet ist die Palliativmedizin und seine Aufgabe, beim Sterben und nicht zum Sterben zu helfen.

Das Thema Suizid ist gedanklich also höchst komplex und emotional belastet, zudem ist es gesellschaftlich und politisch mitdefiniert und religiös besetzt. Es geht um die letzten Dinge und um die Frage: "Was ist ein Mensch, wie weit geht seine Souveränität, wie groß ist seine Entscheidungsfreiheit? Maßt er sich etwas an, wenn er selber über seinen Tod bestimmen will? Ist ihm das Leben geschenkt und gehört es gar nicht ihm?"

Wer das Leben als heilig und unantastbar betrachtet, für den ist Suizid wie Mord, und die Entscheidungsgewalt über den Tod und das Leben liegt allein bei Gott. Selbst Hand anlegen ist ein Sicheinmischen in die Schöpfung und den Willen Gottes. Für Menschen, die so denken, steht Gott über allem, und das Leben unterliegt seinem Willen und seinen Entscheidungen. Das ist für sie selbstverständlich, weil sie davon ausgehen, dass Gott sie liebt und nur das Beste für sie will. Da gibt es keine Entschuldigung und keine Rechtfertigung für das überhebliche, anma ß ende und Gott beleidigende Verhalten, wie es der Suizid für sie ist. Wer sein will wie Gott, sündigt. Viele Menschen denken so - eine Haltung, die ohne Wenn und Aber zu respektieren ist, auch wenn man sie selbst nicht teilt. Auch hier gilt, dass niemand die Wahrheit für sich gepachtet

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