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Fallbuch Kinder- und Jugendpsychiatrie Erfassung und Bewertung belastender Lebensumstände von Kindern nach Kapitel V (F) der ICD-10. Ein Lese- und Lernbuch von Poustka, Fritz (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2008
  • Verlag: Verlag Hans Huber
eBook (PDF)
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Fallbuch Kinder- und Jugendpsychiatrie

Die hier vorgestellten, zum großen Teil dramatischen Fallgeschichten sind Lerngeschichten: Anhand konkreter Fälle lernt der Leser das Klassifikationssystem der ICD-10 in seiner multiaxialen Ausprägung kennen und anwenden. Zerrüttete Kinder in brüchigem Umfeld: Die Probleme von Kindern und Jugendlichen, die "psychiatrisch auffällig" werden, hängen nicht selten mit einer abnormen psychosozialen Situation zusammen. Deren Analyse muss in den Behandlungsplan einbezogen werden. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie muss sich mit den Besonderheiten der Entwicklung jedes Kindes und seiner enormen Verletzlichkeit und Gefährdung auseinandersetzen. Erleichtert wird dies dadurch, dass die gesamte multiaxiale Klassifikation leicht fasslich und unter besonderer Beachtung der psychosozialen Aspekte auf der Achse 5 des insgesamt sechsachsigen multiaxialen Systems erfasst werden kann. Die hier vorgestellten zum großen Teil dramatischen Fallgeschichten sind Lerngeschichten: Anhand konkreter Fälle, die zwar anonymisiert wurden, die aber alle auf realen therapeutischen Protokollen beruhen, also "aus dem Leben gegriffen" sind, lernt der Leser das Klassifikationssystem der ICD-10 in seiner multiaxialen Ausprägung kennen und anwenden. Zugleich gibt das Buch einen ungewöhnlich kompakten und oft überraschenden Einblick in den Alltag als Voraussetzung therapeutischen Handelns. Fritz Poustka ist Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Freien Universität Frankfurt und war Mitglied des WHO-Ausschusses zur Klassifikation des ICD-10, der die letzte Revision der Psychosozialen Achse des MAS entwickelte; Gera van Goor-Lambo lehrte Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Freien Universität Amsterdam.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 268
    Erscheinungsdatum: 01.01.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783456944814
    Verlag: Verlag Hans Huber
    Größe: 1735 kBytes
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Fallbuch Kinder- und Jugendpsychiatrie

1. Der Junge, der kein Junge sein durfte

Aufnahmegrund

Alex ist ein 61/2-jähriger Junge, der vom Hausarzt wegen emotionaler und Verhaltensschwierigkeiten in der Schule und zu Hause in der Klinikambulanz angemeldet worden ist.

Seine Mutter erläutert die Anmeldung: Die Grundschule, die Alex seit einem halben Jahr besucht, findet ihn schwer zu handhaben. Er ist lustlos, unkonzentriert, manchmal abwesend, seine Leistungen sind enttäuschend schlecht, er weint viel, ist ab und zu unerwartet aggressiv und fordert viel zu viel Aufmerksamkeit von der Lehrerin. Dabei ist man der Meinung, dass er intelligent genug ist, um ein sehr guter Schüler zu sein. Außerhalb der Schulzeit besucht er eine Tagesstätte, wo er so lange verbleibt, wie die Mutter arbeitet. Auch von dort kommen Warnungen, dass er sich in letzter Zeit zu seinem Nachteil verändert habe. Er macht einen unglücklichen Eindruck, zieht sich zurück und ist zuweilen unberechenbar aggressiv. Zu Hause ist er ebenfalls schwieriger geworden, auch hier zieht er sich zurück und nässt wieder ein.

Alex wohnt bei der Mutter und ihrer Freundin Miek, für Alex Tante Miek. Die Eltern sind seit vier Monaten geschieden.

Anamnestische Daten

Vorgeschichte

Die Eltern heirateten wegen der Schwangerschaft der Mutter mit Alex. Laut Mutter war er dennoch ein erwünschtes Kind.

Schwangerschaft und Geburt verliefen ohne Besonderheiten. Die Mutter stillte ihn nur kurz, da sie wieder anfing zu arbeiten und es auch mit der Flasche problemlos funktionierte. Die frühkindliche Entwicklung verlief normal, insoweit die Mutter sich erinnert. Alex hat lediglich sehr viel und lange Daumen gelutscht, wie jetzt wieder. Er war immer ein liebes, etwas schüchternes, anhängliches Kind. Er verehrte seinen Vater, der, wenn er zu Hause war - meist am Wochenende, mit ihm spielte und der ihn auch verwöhnte.

Die Mutter ist Lehrerin für Französisch, der Vater ist ein vielbeschäftigter Geschäftsmann, der häufig auf Reisen ist. Sobald die Mutter ihre Arbeit wieder aufgenommen hatte, wurde Alex in einer Krippe untergebracht. In der Krippe war sein Benehmen abhängig von den Erzieherinnen. Aber er wurde im Allgemeinen als ein normales, aktives, oft aber auch schnell eingeschüchtertes und empfindliches Kind betrachtet.

Als Alex 5 Jahre alt war, lernte die Mutter ihre heutige Freundin kennen. Durch sie entdeckte die Mutter, dass sie eigentlich lesbisch sei, was sie zuvor nie geahnt hatte. Es gab heftige Szenen mit dem Vater, und schließlich ließen sich die Eltern scheiden, als Alex 6 Jahre alt war. Die Freundin, Tante Miek für Alex, zog bei der Mutter ein. Alex weinte oft in dieser Zeit, aber viel mehr weiß die Mutter nicht zu erzählen, so sehr wurde sie von ihren eigenen Problemen beschlagnahmt. Sie sagt, sie sei in Bezug auf die Scheidung sehr ambivalent gewesen, weil sie ihren Mann eigentlich doch liebte.

Die zweiwöchentlichen Kontakte von Alex mit seinem Vater verliefen mühsam, weil Tante Miek fand, dass der Vater einen unguten Einfluss auf seinen Sohn ausübe und ihn übermäßig verwöhne. Es irritierte die Mutter auch, dass Alex immer wieder nach seinem Vater fragte und sich Tante Miek gegenüber stets abweisender benahm.

Mutter
Die Mutter (32) ist eine schöne junge Frau, die aber bleich und müde aussieht, einen sehr nervösen Eindruck vermittelt und zuweilen ihre Tränen nicht zurückhalten kann. Sie ist als Nesthäkchen in einer harmonischen Familie aufgewachsen, stark dominiert von ihren drei älteren Brüdern. Das störte sie nicht, denn die Brüder waren mitunter sehr beschützend. "Ich war keine Heldin und fühlte mich sicher dabei."

Sie konnte gut lernen, war ein folgsames Mädchen und eine gute Schülerin ohne Probleme. Ihre Freizeit war, wie üblich in ihrem Milieu, mit Klavierspielen, Tennis, Hockey, Tanzstunden und Freundinnen ausgefüllt. Alles verlief ohne Auffälligkeiten. Ein "Au pair"-Aufenthalt in Frankreich fiel ihr s

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