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Früherkennung von Sprachentwicklungsstörungen Der SBE-2-KT und SBE-3-KT für zwei- bzw. dreijährige Kinder von Suchodoletz, Waldemar von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.11.2011
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
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Früherkennung von Sprachentwicklungsstörungen

Etwa jedes 10. Kind hat eine Sprachentwicklungsstörung. Bleiben Sprachauffälligkeiten bis ins Schulalter bestehen, sind Schulprobleme und Beeinträchtigungen der Persönlichkeitsentwicklung zu befürchten. Wichtig ist daher die Früherkennung als Voraussetzung für eine angemessene Frühförderung, wodurch die Entwicklungschancen sprachgestörter Kinder erheblich verbessert werden können. Das Buch gibt einen Überblick über Methoden zur Früherkennung sprachentwicklungsgestörter Kinder vom Säuglingsalter bis zum dritten Lebensjahr. Besprochen wird, ab wann eine Früherkennung möglich ist, welche Methoden für einzelne Altersstufen zur Verfügung stehen und wie zuverlässig diese sind. Enthalten sind zudem Manuale für zwei neue, standardisierte Elternfragebögen (SBE-2-KT, SBE-3-KT), die sich am Ende des zweiten bzw. dritten Lebensjahres als effektive Instrumente zur Erfassung sprachauffälliger Kinder erwiesen haben. Die Manuale bieten alle für den praktischen Einsatz erforderlichen Informationen zu Anwendung, Auswertung, Interpretation, Normwerten und Zuverlässigkeit.

Prof. Dr. Waldemar von Suchodoletz ist Kinder- und Jugendpsychiater. Er leitete die Abteilung für Entwicklungsstörungen an der kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik der LMU München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 17.11.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170274129
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 5490 kBytes
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Früherkennung von Sprachentwicklungsstörungen

2 Sprachentwicklungsstörungen

Die normale Variationsbreite sprachlicher Kompetenzen ist groß. Der Wortschatz ist bei Erwachsenen recht unterschiedlich und komplexere grammatische Strukturen werden mehr oder weniger virtuos eingesetzt. Nur wenn die sprachlichen Leistungen erheblich unter dem Durchschnitt liegen, ist von einer Sprachstörung auszugehen. Dabei ist die Grenze zwischen schwachen und gestörten sprachlichen Fähigkeiten fließend.

Wann von einer Sprachentwicklungsstörung gesprochen wird, ist das Ergebnis einer willkürlichen Festlegung. Je nachdem, wo die Grenze zwischen normaler und gestörter Sprachentwicklung gezogen wird, werden mehr oder weniger viele Kinder als sprachgestört angesehen.

Fließende Übergänge zwischen normal und gestört sind nicht nur für Sprachstörungen, sondern für alle Entwicklungsstörungen charakteristisch. Was als Störung aufgefasst wird, ist eine Frage der Konvention. Bei Intelligenzstörungen zum Beispiel wird bei einem IQ unter 85 von einer schwachen Intelligenz und unter 70 von einer Intelligenzminderung gesprochen. Für Sprachentwicklungsstörungen gibt es bislang keine allgemein akzeptierte Falldefinition. Entsprechend widersprüchlich sind Angaben zur Häufigkeit und zur Therapienotwendigkeit. Aussagen zum Thema Sprachentwicklungsstörung beziehen sich oft auf recht unterschiedlich beeinträchtigte Kinder. Welche Kinder und welche Sprachauffälligkeiten gemeint sind, lässt sich immer nur dann sagen, wenn klare Angaben zur Falldefinition gemacht werden. Wenn im Folgenden Möglichkeiten zur Früherkennung thematisiert werden, sind diese Unsicherheiten immer mitzubedenken.
2.1 Sprachentwicklungsverzögerungen

In den ersten Lebensjahren ist die Variabilität der Sprachentwicklung besonders hoch (vgl. Kap. 1). Dadurch ist es schwierig, Kinder mit einem verzögerten Spracherwerb im Rahmen der normalen Variationsbreite von solchen mit einer Sprachentwicklungsstörung abzugrenzen.

Die Diagnose "Sprachentwicklungsstörung" sollte vor dem Alter von drei Jahren nur gestellt werden, wenn ungewöhnlich ausgeprägte Sprachauffälligkeiten bestehen. In den ersten drei Lebensjahren wird besser von einer "Sprachentwicklungsverzögerung" gesprochen und die betroffenen Kinder als "Spätsprecher" bezeichnet.

Im angloamerikanischen Sprachraum hat sich für diese Kinder der Begriff Late Talkers eingebürgert, der inzwischen auch im deutschsprachigen Bereich zunehmend Verwendung findet.

Ob es sich bei einem Late Talker um ein Kind mit einer verzögerten Sprachentwicklung als Normvariante oder um ein Kind mit einer Sprachentwicklungsstörung handelt, ist anfangs nicht zu unterscheiden. Handelt es sich um eine Normvariante, dann holen die Kinder ihren Sprachrückstand bis zum Alter von drei Jahren auch ohne eine Sprachtherapie auf. Diese Kinder werden Late Bloomers (Spätentwickler) genannt. Bleiben ausgeprägte Sprachauffälligkeiten bis zum Kindergartenalter bestehen, dann ist von einer Sprachentwicklungsstörung auszugehen. Die Feststellung einer Sprachentwicklungsverzögerung ist somit eine Risiko- und keine klinische Diagnose. Welche Kinder als Late Talkers angesehen werden, wird bislang unterschiedlich gehandhabt. Bisher konnte man sich nicht auf eine verbindliche Falldefinition einigen.

Im deutschsprachigen Raum werden meist Kinder, die im Alter von 24 Monaten weniger als 50 Wörter sprechen und/oder keine Wortverbindungen benutzen, der Gruppe der Late Talkers zugeordnet. Diese Falldefinition eignet sich aber nur für wenige Wochen um den zweiten Geburtstag.

Würde das 50-Wörter-Kriterium z. B. bei 20 Monate alten Kindern angewendet werden, dann würde jedes dritte Kind und damit viel zu viele Kinder als Late Talkers klassifiziert ( Abb. 1 ).

Abb. 1: Häufigkeit eines Wortschatzes unter 50 (in Prozent) in Abhängigkeit vom Alter der Kinder

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