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Soziale Psychiatrie Grundlagen, Zielgruppen, Hilfeformen von Clausen, Jens (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.02.2016
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
28,99 €
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Soziale Psychiatrie

Die zunehmende Verlagerung der psychiatrischen Behandlung und Rehabilitation von der Klinik in die Gemeinde erfordert neben psychiatrischen Kenntnissen auch umfassende Kompetenzen in der psychosozialen Unterstützung. Mit der aktualisierten zweiten Auflage ihres erfolgreich eingeführten Buches stellen Ilse Eichenbrenner und Jens Clausen die Grundlagen und aktuellen Leitgedanken sowie die Handlungsfelder im gemeindepsychiatrischen Kontext praxisnah dar. Studierende und Berufseinsteiger aus den Bereichen der Sozialen Arbeit, der Psychologie, der Heilpädagogik, der Ergotherapie und der Pflegewissenschaft sowie alle Fachkräfte im psychiatrischen Arbeitsgebiet erhalten damit einen fundierten Zugang zu den Zielgruppen, den Störungsbildern und den Behandlungsformen der Sozialen Psychiatrie. Angesprochen sind mit diesem Buch ebenso die Psychiatrieerfahrenen und ihre Angehörigen als die eigentlich relevanten Akteure und Klienten einer methodisch reflektierten Sozialraum- und Lebensgestaltung in der sozialpsychiatrischen Arbeit. Prof. Dr. phil. Jens Clausen ist Erziehungswissenschaftler und lehrt an der Katholischen Hochschule Freiburg. Ilse Eichenbrenner ist Diplom-Sozialarbeiterin und lehrt an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin. Beide verfügen über langjährige Erfahrung in den Praxisfeldern der Sozialen Psychiatrie.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 294
    Erscheinungsdatum: 24.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170293120
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 3117 kBytes
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Soziale Psychiatrie

2 Leitgedanken der Sozialen Psychiatrie

Im folgenden Kapitel werden wir Begriffe und Themenbereiche vorstellen, die in den Überlegungen zur Weiterentwicklung der Sozialen Psychiatrie heute bedeutsam sind. Nicht jeder dieser ausgewählten Begriffe ist speziell für die Soziale Psychiatrie bzw. aus ihr heraus entwickelt worden. Konzepte der Sozialen Arbeit überschneiden sich mit Erkenntnissen aus den Gesundheitswissenschaften und der Behindertenhilfe, internationale Einflüsse spielen ebenso eine Rolle wie aktuelle Tendenzen der Sozialgesetzgebung. Die hier dargestellten Leitgedanken der Sozialen Psychiatrie bilden kein fertiges Gerüst. Sie verdeutlichen aber, wie intensiv heute nach Formen und Konzepten einer angemessenen Unterstützung psychisch erkrankter Menschen gesucht wird. Dass dabei wissenschaftliche Erkenntnisse und aktuelle Diskurse der Nachbardisziplinen einbezogen werden, ist nur folgerichtig. Schließlich befindet sich jeder, der in der Sozialen Psychiatrie tätig ist, in einem Spannungsfeld zwischen psychiatrischen Grundlagen, sozialpolitischen Aufträgen und diversen fachlichen Positionen sowie ethischen Überzeugungen. Dafür einige Orientierungspunkte zu setzen, soll Aufgabe dieses Kapitels sein.
2.1 Bedürfnisangepasste Behandlung - Need-adapted treatment

Dem Konzept der bedürfnisangepassten Behandlung (need-adapted treatment) liegt der Gedanke zu Grunde, dass es sich bei Psychosen um den Versuch des Individuums handelt, kritische Lebensereignisse zu bewältigen. Die Probleme und Konflikte ereignen sich häufig innerhalb der Familie oder des sozialen Netzwerks; zur Klärung und Offenlegung der Konflikte muss also dieses soziale Netzwerk einbezogen werden. In der Begleitung und Behandlung stehen systemische und kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden im Vordergrund; alle Mitarbeiter der Teams, also auch Sozialarbeiterinnen, Pädagogen und Pflegekräfte, verfügen über eine psychotherapeutische Ausbildung. Jede psychische Krise bzw. Erkrankung kann und soll im Sinne des need-adapted treatments behandelt werden, das Konzept gilt also nicht nur für Ersterkrankte.

Das Need-Adapted-Treatment-Konzept geht auf Erfahrungen in Skandinavien zurück, wo vor einigen Jahren Behandlungsmodelle für Psychosen systematisch entwickelt und evaluiert wurden, z. B. das sogenannte Fallschirm-Projekt in Schweden (Cullberg 2008). Es zeigte, wie eine Intervention bei Menschen, die erstmals an einer Psychose erkrankt sind, ohne die übliche Neuroleptika-Medikation gelingen kann. Dabei wurde deutlich, dass es nicht ausreicht, lediglich für einige Wochen oder Monate zu behandeln; mindestens über fünf Jahre hinweg ist eine kontinuierliche therapeutische Unterstützung und Begleitung erforderlich. Schrittweise entstand über diese Projekte und ihre Auswertung die Idee der "bedürfnisangepassten Behandlung". Die Evaluation ergab starke Hinweise auf eine Überlegenheit des Ansatzes gegenüber traditionellen Behandlungsmethoden, z. B. insgesamt geringere psychotische Symptome, seltenere psychotische Restsymptomatik, d. h. mehr vollständige Remissionen, deutlich kürzere stationäre Behandlungen, bessere psychosoziale Funktionsfähigkeit, ein höherer Anteil voller Erwerbsfähigkeit, seltenere Therapieabbrüche (Absenkung bis zu 5 % über 5 Jahre), Neuroleptika-Freiheit bei 40-70 % der Patienten während der gesamten Behandlung, in den übrigen Fällen erheblich reduzierte Dosierungen, Symptomfreiheit beim überwiegenden Teil der Patienten fünf Jahre nach Behandlungsbeginn (Aderhold u. Greve 2007).
Therapieversammlung

Das entscheidende Element im Konzept der bedürfnisangepassten Behandlung ist die Einberufung einer Versammlung zum frühestmöglichen Zeitpunkt, am besten innerhalb von 24 Stunden nach Bekanntwerden der ps

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