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Wohin steuert das sozialpsychiatrische Projekt? Menschenbilder und Werte im Wandel von Borchers, Edith (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2010
  • Verlag: Psychiatrie-Verlag
eBook (PDF)
23,99 €
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Wohin steuert das sozialpsychiatrische Projekt?

Die Sozialpsychiatrie hat an Faszination, die sie in den 70er- und 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts auf viele junge ÄrztInnen, PsychologInnen, SozialpädagogInnen, SoziologInnen und Pflegekräfte ausgeübt hatte, verloren. Doch wo ist das bewegende Element dieser Aufbruchphase geblieben? Was hat sich da verändert und warum hat sich die Entwicklung so vollzogen? Das Buch von Edith Borchers sucht hier nach Antworten.
Seit vielen Jahren selbst in der Psychiatrie tätig, wurde der Autorin zunehmend bewusst, dass in der oft grenzwertigen Arbeitsbelastung immer weniger Ideen erkennbar sind, die dem eigenen Handeln einen sinnstiftenden Rahmen geben könnten. Diese Selbstbeobachtung führte zu den Fragen, ob auch andere Akteure im sozialpsychiatrischen Feld dies ähnlich wahrnehmen und wenn ja, welche Gründe aus ihrer Sicht dafür verantwortlich sind. Auf der Basis intensiver qualitativer Interviews hat Edith Borchers solche Antworten eingeholt und zu einem differenzierten Bild der aktuellen sozialpsychiatrischen Landschaft zusammengesetzt. Zudem gibt sie einen kurzen historischen Überblick und präsentiert eine Porträtgalerie der wichtigen Persönlichkeiten der internationalen sozialpsychiatrischen Reformerszene (u. a. Laing, Goffman, Ciompi, Dörner, Plog). Empfehlenswert für alle älteren und jüngeren Anhänger des sozialpsychiatrischen Projektes, für Psychiatriegeschichte- und Theorie-Interessierte.

Produktinformationen

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Wohin steuert das sozialpsychiatrische Projekt?

4 Werte und Menschenbilder – Deutungen – (S. 110-111)
4.1 Spurensicherung
Die Frage nach ihrem Menschenbild löste bei den meisten meiner Gesprächspartnerinnen und -partner zunächst Sprachlosigkeit und Nachdenklichkeit aus. Dazu passte meine eigene Position, weil auch ich mehr Fragen als Antworten hatte: Wer und was ist der Mensch an sich, philosophisch und religiös betrachtet? Im Kontrast zum Allgemeinwesen Mensch steht das Einzelwesen Mensch.
Die Wesenheiten des ganzheitlichen Menschseins umfassen das körperliche, das weibliche, das männliche, das soziale, das denkend-fühlende, das Sinn suchende und das spirituelle Wesen. Nur in der Unterscheidung zu den anderen Menschen kann sich der Einzelne als "Eigenartiger", als Besonderer erkennen. So betrachtet, suchen wir vor allem in unserer westlich denkenden Kultur die Einzigartigkeit des Menschseins. Dies erklärt vielleicht, warum die Suche nach dem, was das Individuum, das Persönliche oder Subjektive ausmacht, in der Psychologie und in der Pädagogik einen besonderen Stellenwert hat.
Worin unterscheiden sich Begriffe wie Individuum, Subjekt und Identität? Diese Begrif?ichkeiten deutet Daniel64 in seiner Einführung zu Theorien der Subjektivität. Unter Identität versteht er das "Sich-Selbstgleichsein" als Einheit eines individuellen Lebens (Daniel 1981, S. 9). Das Individuum – als einzelnes Exemplar der Gattung Mensch – kennt seine seelisch-geistigen und körperlichen Zustände und kann sich von anderen Menschen und Lebewesen abgrenzen. Von einem anderen von außen betrachtet, kann das Individuum als eine besondere Einheit von äußerer Erscheinung, mit seinem Tun und seinem vermuteten Innenleben gesehen werden (ebd., S. 10).
Das Subjekt dagegen versteht Daniel als Sammelbegriff. Im dialektischen Denken beziehen sich Subjekt und Objekt aufeinander, ihre Beziehung zueinander stellt eine Distanz her, die ermöglicht, etwas zu re?ektieren, etwas zurückzuwerfen. Diese Re?exion wiederum vermag zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu unterscheiden und insofern ist der Wandel darin bereits mit bedacht. Der Mensch ist auch Teil der Gesellschaft, einem Gemeinschaftsgefüge.
So entsteht ein vielfaches, wechselseitiges Sich-Aufeinander-Beziehen. Am Beispiel einzelner Interviews werde ich deren Werte und Menschenbilder verschiedenen Bereichen zuordnen, um den Facettenreichtum der Thematik und auch darin enthaltene Widersprüchlichkeiten zu erörtern. Eingebettet in einen re?exiv-sozialpsychologischen Diskurs kommen meine Interviewpartnerinnen und -partner mit ihren Werten und Menschenbildern zu Wort.

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