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Die Moral der Energiewende Risikowahrnehmung im Wandel am Beispiel der Atomenergie

  • Erscheinungsdatum: 13.02.2014
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
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Die Moral der Energiewende

Die angelaufene Energiewende ist mit vielschichtigen sozialen und wirtschaftlichen Konflikten verbunden. Unterschiedliche Interessen, Wertungen und Prognosen stehen sich gegenüber. Dieser Band untersucht die ethische Reichweite der verschiedenen Argumentationsmodelle und reflektiert dabei insbesondere die zentrale Kategorie des Risikos sowie die gesellschaftliche Einbettung der Energiewende in die 'Große Transformation'. Namhafte Forscher aus den Bereichen Ethik, Sozialwissenschaften und Physik erhellen in interdisziplinärer Zusammenschau die gesellschaftlichen Kontexte, analysieren die ökonomischen und rechtlichen Risiken und untersuchen vor allem die moralischen Implikationen dieses Projekts. Ziel ist es, die unterschiedlichen Argumentationsebenen und Rationalitätstypen methodisch reflektiert aufeinander zu beziehen und so die national wie international hart aufeinandertreffenden Positionen diskursfähig zu machen. Prof. Dr. Markus Vogt und Dr. Jochen Ostheimer arbeiten am Lehrstuhl für Christliche Sozialethik an der LMU München und forschen u. a. zur normativen Logik von Nachhaltigkeit und zu Fragen der Gerechtigkeit im Kontext von Sozialpolitik sowie von Klimafolgenforschung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 266
    Erscheinungsdatum: 13.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170259225
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Serie: Ethik im Diskurs Bd.10
    Größe: 7812 kBytes
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Die Moral der Energiewende

Die Energiewende als moralisches Problem

Hinführung
Jochen Ostheimer und Markus Vogt
1 Risikowahrnehmung im Wandel

Seit 40 Jahren wird in Deutschland so leidenschaftlich wie in keinem anderen Land um die ethische Bewertung der Energie gestritten. Unter dem Eindruck der Fukushima-Katastrophe hat die Bundesregierung unumkehrbar den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Bis zum 31. Dezember 2022 sollen alle Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden. Zugleich will Deutschland die vereinbarten Klimaschutzziele erreichen. Deutschland steht vor der Herkules-Aufgabe, gleichzeitig den beschleunigten Ausstieg aus der Atomenergie und eine Reduktion der fossilen Energieversorgung von heute rund 80 % auf unter 20 % bis zum Jahre 2050 herbeizuführen. Um zu klären, ob und wie eine risikoethische Neubewertung der Atomenergie nach Fukushima nötig ist und wie eine sichere Energieversorgung umgesetzt werden kann, wurde von der Bundesregierung eine so genannte Ethikkommission einberufen.

In der öffentlichen Debatte um die Atomenergie sind in den letzten Jahren insbesondere zwei Argumente neu in den Vordergrund getreten. In einem ersten Schritt wurde, zumindest in der öffentlichen Diskussion, die Verbindung zwischen Atomausstieg und Klimaschutz hergestellt. Lassen sich die anspruchsvollen, aber angesichts der Dramatik des Klimawandels unabdingbar erforderlichen Klimaschutzziele der europäischen Länder erreichen, wenn zugleich zusätzliche, durch den Wegfall der Atomkraftwerke verursachte Stromlücken kompensiert werden müssen? Oder, so der Gegeneinwand, wie er insbesondere von Befürwortern von erneuerbarer Energie eingebracht wird, blockiert der Atomstrom nicht vielmehr den Ausbau der regenerativen Energie, weil die große Menge an Grundlaststrom nicht mit der hohen Volatilität von erneuerbarem Strom kompatibel ist? Erfahrungswerte können bei dieser Frage nicht zu Rate gezogen werden. Erweitert wird das (scheinbare) Dilemma von Klimaschutz und Vermeidung nuklearer Risiken mittlerweile verstärkt durch sozioökonomische Überlegungen: Lässt sich der Umstieg auf regenerative Stromerzeugung individuell und volkswirtschaftlich finanziell tragen, wenn der sehr günstige Atomstrom ausfällt? Ist Atomstrom sogar umso nötiger, um die höheren Gestehungskosten von Wind- und vor allem Solarstrom auszugleichen?

Schon die Frage, ob und inwiefern die friedliche Nutzung der Atomenergie gegen die Moral verstößt, wie manche behaupten, ist keineswegs ein triviales Problem. Die Ethik steht hier vor grundlegenden methodischen Problemen. Ungeklärt sind insbesondere der Umgang mit extremen Zeithorizonten, die Frage der Abwägbarkeit verschiedenartiger Risiken, die Einordnung und Bewertung subjektiver und objektiver Perspektiven in der Risikowahrnehmung. Einigkeit besteht lediglich darin, dass das klassische Versicherungsprinzip der Berechnung aus Schadenshöhe mal Eintrittswahrscheinlichkeit nicht mehr hinreichend ist und dass Risiken nicht nach naturwissenschaftlich objektivierbaren Quantifizierungen berechnet werden können. Die Definition des Schadens hängt auch von gesellschaftlichen Wertungen ab. Der ethisch notwendige Vergleich mit den relevanten Alternativen beruht auf höchst unsicheren Abschätzungen künftiger Energieszenarien. Die kulturellen Kontexte sind für die Bewertung und das Management der Risiken ein entscheidender Faktor, der in den bisherigen Modellen noch wenig systematische Beachtung findet. So begründete die deutsche Bundesregierung ihre erneute Kehre in der Atompolitik mit dem Ereignis von Fukushima, das die Sachlage völlig verändert habe. Doch hierzulande ist nicht mit einem Tsunami zu rechnen. Was ist also das Neue an diesem Unglück, das auch für die deutsche Atom- und Energiepolitik bedeutsam ist?

Auch 25 Jahre nach der Reaktorkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl gibt es immer noch erheblich

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