text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Epilepsie und Verhalten von Strehl, Ute (eBook)

  • Verlag: Pabst Science Publishers
eBook (PDF)
10,00 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Epilepsie und Verhalten

2.1 Methoden der Reizkontrolle (S. 26-27)

Speziell für Reflexepilepsien, bei denen die Anfälle durch externe Stimuli, aber auch kognitive Reize (sogenannte Denk-Epilepsien) ausgelöst werden, hat Forster (1977) eine Reihe von verhaltensorientierten Techniken wie Desensibilisierung, Reizüberflutung, Reizdiskriminierung, Reizgeneralisierung und Ablenkungsmethoden erfolgreich eingesetzt.

Die Bedeutung von Aufklärung über die Erkrankung, anfallsauslösende Faktoren und ihre Kontrolle sowie einen Umgang mit einer selbst- und/oder fremdinduzierten Stigmatisierung für das Auftreten von Anfällen wird in der Literatur immer wieder betont (Legion, 1991). Empirische Untersuchungen zu sogenannten psychoedukativen Programmen sind aber eher selten. Aird (1983) konnte bei 17% von 500 Patienten Anfallsfreiheit erreichen, weitere 25% reduzierten die Zahl der Anfälle in einem "bedeutenden" Ausmaß (es fehlen konkrete Angaben), indem Kontrolle über das Schlafverhalten, die Flüssigkeitsbalance, Photostimulation, Alkohol und Streß herbeigeführt wurde. Das psychoedukative Programm von Oosterhuis (1994) sieht für acht zweistündige Sitzungen in Gruppen neben Informationen zur Krankheit und Unterrichtung in Selbstkontrolltechniken unterschiedliche verhaltenstherapeutische Methoden vor. Eine erste Evaluation mit fünf Patienten ergab eine signifikante Anfallsreduktion in den zwei Monaten nach Abschluß des Trainings im Vergleich zu der ebenfalls zwei Monate langen Baseline; allerdings ist die Studie nicht kontrolliert.

Studien zur Wirkung kognitiv-behavioraler Programme kommen zu uneinheitlichen Ergebnissen. Davis et al. (1984) untersuchten den Einfluß eines sechswöchigen kognitiv-behavioralen Gruppenprogramms (Gedankenstop, assertives Verhalten, Reattribuierungstraining, Selbstverstärkung, Aktivitätsaufbau, Sport) auf depressive Stimmungen bei Anfallskranken. Im Unterschied zur Wartebedingung der Kontrollgruppe konnte eine signifikante Verbesserung auf einer Depressionsskala und in einem Fragebogen zur Lebenszufriedenheit erreicht werden. Die Veränderung in den Anfällen wurde nicht untersucht. In einer kontrollierten Studie von Tan & Bruni (1986) scheiterte der Nachweis einer spezifischen Wirksamkeit von kognitiver Verhaltenstherapie in Gruppen.

Der Einsatz von Entspannungsmethoden zur Verhinderung von Anfällen hat verschiedene Funktionen. Physiologisch soll Entspannung u.a. zu Veränderungen im EEG führen, die thalamische Aktivierung reduzieren, Atemfrequenz und Herzrate sowie Blutdruck senken und die Durchblutung durch periphere Gefäßerweiterung steigern (Vaitl, 1993). Auf psychologischer Ebene wird eine Erhöhung der Wahrnehmungsschwelle für externe Stimuli und eine Verbesserung der Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung körpereigener Signale angestrebt. Psychophysiologisch ist der Entspannungszustand relativ unvereinbar mit Angst und Streß und hat sich daher als Therapie für verschiedene Störungsbilder bewährt (vgl. Petermann & Vaitl, 1994).

Bei Epilepsie-Kranken werden Entspannungsmethoden zum einen zur Gegenkonditionierung eingesetzt (Standage, 1972; Ince, 1976; Öst, 1987; Dahl, 1988), zum anderen auch als allgemeine Maßnahme zur Streßregulierung (Whitman et al., 1990; Puskarich et al., 1992) Die erste kontrollierte Studie, in der Patienten in Progressiver Muskelentspannung unterwiesen wurden, haben Rousseau et al. (1985) durchgeführt. Ein spezifischer Einsatz im Zusammenhang mit den Anfällen wurde nicht vermittelt, gleichwohl zeigte sich ein signifikanter Rückgang der Anfälle, allerdings bei zwei von vier Patienten bereits in der Kontrollbedingung (die Patienten wurden instruiert, sich zweimal täglic

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 166
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783933151193
    Verlag: Pabst Science Publishers
    Größe: 2480 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Epilepsie und Verhalten

2.1 Methoden der Reizkontrolle (S. 26-27)

Speziell für Reflexepilepsien, bei denen die Anfälle durch externe Stimuli, aber auch kognitive Reize (sogenannte Denk-Epilepsien) ausgelöst werden, hat Forster (1977) eine Reihe von verhaltensorientierten Techniken wie Desensibilisierung, Reizüberflutung, Reizdiskriminierung, Reizgeneralisierung und Ablenkungsmethoden erfolgreich eingesetzt.

Die Bedeutung von Aufklärung über die Erkrankung, anfallsauslösende Faktoren und ihre Kontrolle sowie einen Umgang mit einer selbst- und/oder fremdinduzierten Stigmatisierung für das Auftreten von Anfällen wird in der Literatur immer wieder betont (Legion, 1991). Empirische Untersuchungen zu sogenannten psychoedukativen Programmen sind aber eher selten. Aird (1983) konnte bei 17% von 500 Patienten Anfallsfreiheit erreichen, weitere 25% reduzierten die Zahl der Anfälle in einem "bedeutenden" Ausmaß (es fehlen konkrete Angaben), indem Kontrolle über das Schlafverhalten, die Flüssigkeitsbalance, Photostimulation, Alkohol und Streß herbeigeführt wurde. Das psychoedukative Programm von Oosterhuis (1994) sieht für acht zweistündige Sitzungen in Gruppen neben Informationen zur Krankheit und Unterrichtung in Selbstkontrolltechniken unterschiedliche verhaltenstherapeutische Methoden vor. Eine erste Evaluation mit fünf Patienten ergab eine signifikante Anfallsreduktion in den zwei Monaten nach Abschluß des Trainings im Vergleich zu der ebenfalls zwei Monate langen Baseline; allerdings ist die Studie nicht kontrolliert.

Studien zur Wirkung kognitiv-behavioraler Programme kommen zu uneinheitlichen Ergebnissen. Davis et al. (1984) untersuchten den Einfluß eines sechswöchigen kognitiv-behavioralen Gruppenprogramms (Gedankenstop, assertives Verhalten, Reattribuierungstraining, Selbstverstärkung, Aktivitätsaufbau, Sport) auf depressive Stimmungen bei Anfallskranken. Im Unterschied zur Wartebedingung der Kontrollgruppe konnte eine signifikante Verbesserung auf einer Depressionsskala und in einem Fragebogen zur Lebenszufriedenheit erreicht werden. Die Veränderung in den Anfällen wurde nicht untersucht. In einer kontrollierten Studie von Tan & Bruni (1986) scheiterte der Nachweis einer spezifischen Wirksamkeit von kognitiver Verhaltenstherapie in Gruppen.

Der Einsatz von Entspannungsmethoden zur Verhinderung von Anfällen hat verschiedene Funktionen. Physiologisch soll Entspannung u.a. zu Veränderungen im EEG führen, die thalamische Aktivierung reduzieren, Atemfrequenz und Herzrate sowie Blutdruck senken und die Durchblutung durch periphere Gefäßerweiterung steigern (Vaitl, 1993). Auf psychologischer Ebene wird eine Erhöhung der Wahrnehmungsschwelle für externe Stimuli und eine Verbesserung der Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung körpereigener Signale angestrebt. Psychophysiologisch ist der Entspannungszustand relativ unvereinbar mit Angst und Streß und hat sich daher als Therapie für verschiedene Störungsbilder bewährt (vgl. Petermann & Vaitl, 1994).

Bei Epilepsie-Kranken werden Entspannungsmethoden zum einen zur Gegenkonditionierung eingesetzt (Standage, 1972; Ince, 1976; Öst, 1987; Dahl, 1988), zum anderen auch als allgemeine Maßnahme zur Streßregulierung (Whitman et al., 1990; Puskarich et al., 1992) Die erste kontrollierte Studie, in der Patienten in Progressiver Muskelentspannung unterwiesen wurden, haben Rousseau et al. (1985) durchgeführt. Ein spezifischer Einsatz im Zusammenhang mit den Anfällen wurde nicht vermittelt, gleichwohl zeigte sich ein signifikanter Rückgang der Anfälle, allerdings bei zwei von vier Patienten bereits in der Kontrollbedingung (die Patienten wurden instruiert, sich zweimal täglic

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen