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Babyrotz & Elternschiss Aus der Sprechstunde eines Kinderarztes von Kinderdok, Dr. med. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.05.2013
  • Verlag: Eichborn AG
eBook (ePUB)
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Babyrotz & Elternschiss

Vielen Eltern ist der gelassene, selbstbewusste Umgang mit dem eigenen Kind abhanden gekommen. Stattdessen: ideologische Feldzüge für das Stillen, gegen Impfen, für Homöopathie, gegen Fernsehen. Die Folge: verunsicherte oder überehrgeizige Eltern, die Angst um die Zukunft ihres Nachwuchses haben.

In diesem Buch erzählt der Kinderdok Anekdoten und Erlebnisse aus seiner über zehnjährigen Praxis als Kinder- und Jugendarzt, wirbt für mehr Gelassenheit bei der Erziehung und gibt Eltern Tipps rund um die Gesundheit ihrer Kinder.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 17.05.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838725383
    Verlag: Eichborn AG
    Größe: 734 kBytes
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Babyrotz & Elternschiss

"Bei der Aufnahme älterer Kinder ins Krankenhaus ist ihnen zunächst ein Reinigungsbad zu verabfolgen. Dabei ist darauf Rücksicht zu nehmen, dass manche Kinder, namentlich solche vom Lande, noch nie in einer Badewanne gesessen haben und sich daher oft mit Händen und Füßen gegen das Bad sträuben."

Säuglings- und Kleinkinderpflege 1946
Wenn alles beginnt:
Das erste Mal zu Hause

Im Krankenhaus beginnt für die Eltern nicht nur das Leben ihres Kindes, sondern auch das Leben mit der Medizin: mit den Hebammen, dem Kreißsaal, den Gynäkologen und am Ende mit uns Kinderärzten. Sollte das Leben nicht zuerst ohne die Medizin stattfinden?

Angenommen die Frauen würden weiterhin die Kinder in einer dunklen Höhle entbinden, fernab von allem, dem auch nur der Hauch von Medizin anhaftet. Vielleicht gäbe es eine Geburtsfrau, die hilft, vielleicht auch nur die eigene Mutter oder Großmutter, vielleicht auch niemanden. Die Frauen wären ganz alleine mit ihrem Säugling. Das gab es schließlich auch: das Alleine-Abnabeln, das Sofort-Selbstversorgen, nur über die Muttermilch, das sofortige Beschützen vor den Widrigkeiten des Lebens. Nur waren das auch Zeiten des Verlusts. Wie viele Kinder haben das tatsächlich unbeschadet überlebt? Eines von dreien? Noch weniger? Und die, welche die blutige Entbindung im Höhlensand überlebt haben, wurden später vom Säbelzahntiger gerissen oder blieben beim Umzug in eine andere Höhle einfach liegen.

Und wenn es Komplikationen gab bei der Entbindung? Oder eine Nabelschnurinfektion? Wer dachte damals schon medizinisch. Kinder wurden geboren und Kinder starben, manchmal die Mutter dazu. Das war gottgegeben, oder an was die Menschen so geglaubt haben.

Viel, viel später, die Entbindende hat schon längst die Unzulänglichkeiten der Höhle verlassen, kam der Sprung in die medizinische Begleitung ab dem ersten Schrei. Das Leben kann ohne Medizin stattfinden, aber mit nur einer Prise mehr davon - sei es in Person der Hebamme oder in Form einer Entbindungsklinik mit Neonatologie - erhalten und bewahren wir das Kostbare mit viel höherer Wahrscheinlichkeit.

Wir Kinderärzte haben noch nicht lange Zugangsrecht zum Neugeborenen. Die Kinderheilkunde als eigene Profession ist gerade mal hundert Jahre alt. Noch viel jünger, aus den 1970er-Jahren entstammt die Neonatologie, die Begleitung des Neugeborenen direkt nach der Geburt, genauer eines Frühgeborenen. Vorher gab es die Hebammen und hinter dem Vorhang den Frauenarzt, doch der kümmerte sich primär um die Mutter.

Meine eigene Mutter war eine Kinderkrankenschwester im Lübecker Uniklinikum in den Fünfzigerjahren. Die Schwestern haben die Frühchen gepäppelt, und der Arzt durfte diese Symbiose nicht durch lästige Untersuchungen unterbrechen. Frühchen zu sein war primär eine Energiefrage: Man überlebte nur, wenn ausreichend Futter in den mangelhaft ernährten, dystrophen Körper kam, und das gelang damals den Kinderkrankenschwestern am besten, kannte die Medizin doch noch keine zentralen Venenkatheter oder CPAP-Beatmungsmaschinen.

Meine Mutter erzählte gern die Geschichte ihres Examens: Sie durchwachte die Nacht am Bett eines fiebrigen Kindes, dem sie regelmäßig Wickel legen musste. Es gibt verschiedene Versionen dieser Geschichte, mal mit Gewitter, mal ohne, mal mit gestrenger Oberin, mal ohne, aber immer waren es Senfwickel, für mich seitdem der Inbegriff der Kreuzung aus Schulmedizin und alternativer Medizin.

"Junge", hat meine Mutter immer gesagt, "bei Senfwickeln kann man viel falsch machen, da ist das Kind vielleicht danach kränker als vorher."

Das Kind aus dem Examen hat überlebt und meine Mutter hat die Prüfung bestanden, aber kranke Kinder überlebten nicht dank der Behandlung durch die Pädiater, sondern nur wegen der Senfumschläge. So prägte sich mein frühestes Bild vom Kinderarzt durch die Augen der Kinderkrankenschwester aus der Nachkrie

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