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Herzrasen kann man nicht mähen Alles über unser wichtigstes Organ von Borstel, Johannes H. von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.10.2015
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Herzrasen kann man nicht mähen

Johannes Hinrich von Borstel studiert Medizin und hat sich auf das Herz spezialisiert. Nebenbei ist er aber auch einer der besten Science-Slammer Deutschlands. Er kann Herzerkrankungen tanzen und uns im Rhythmus von "Highway to Hell" die perfekte Reanimation präsentieren. Parallel zu seiner Dissertation arbeitet er als Rettungssanitäter - ein Großteil seiner Einsätze sind wahre Herzensangelegenheiten. Anhand vieler Geschichten aus der Praxis vermittelt er uns in diesem Buch seine Begeisterung für das Wunderwerk des Herz-Kreislauf-Systems. Er beschreibt, wie wir unserem Herzen etwas Gutes tun und uns damit fit und gesund halten können, erzählt vom 'Broken-Heart-Syndrom' - von Menschen, die tatsächlich an einem gebrochenen Herzen sterben - und erklärt, wie Sex uns vor Arteriosklerose schützen kann. Johannes Hinrich von Borstel, geb. 1988, forscht für seine molekularkardiologische Dissertation. Er studiert Humanmedizin in Marburg, arbeitet als Rettungssanitäter und steht seit 2013 regelmäßig auf deutschen Science-Slam-Bühnen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 09.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843711852
    Verlag: Ullstein
    Größe: 2721 kBytes
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Herzrasen kann man nicht mähen

EINLEITUNG

Jeder hat eine ungefähre Vorstellung davon, was ein Herzinfarkt ist. Er ist ziemlich ungesund, verursacht meist Schmerzen in der Brust und man bekommt schlecht Luft. Nicht selten sorgt er sogar dafür, dass unser Herz, dessen Aufgabe es ist, Blut durch unsere Adern zu pumpen, seinen Dienst komplett quittiert. Gar nicht gut. Schließlich sorgt dieser Muskel dafür, dass jeder noch so entlegene Winkel unseres Körpers, von der Kopfhaut bis zum kleinen Zeh, mit nähr- und vor allem sauerstoffreichem Blut versorgt wird. Das ist, ganz klar, überlebenswichtig für uns Menschen.

Unterbräche man etwa den Blutstrom vom Herzen zum Gehirn nur für wenige Sekunden, so wäre das, als hätten wir einen mit dem Knüppel auf den Schädel bekommen: Wir würden bewusstlos zusammenklappen und ob unser Denkzentrum danach noch mehr als Wackelpudding ist, wäre zumindest zweifelhaft. Denn unser Gehirn verträgt Sauerstoffmangel überhaupt nicht gut. Deshalb schlägt das Herz - zwar mal schneller und mal langsamer, und manchmal scheint es sogar kurz innezuhalten - durchschnittlich 100 000 Mal am Tag. Dabei bewegt es jedes Mal, wenn es sich zusammenzieht, ungefähr 85 ml Blut, also etwa 8500 Liter pro Tag. Wir bräuchten einen Tanklaster, um solch eine Menge Flüssigkeit durch die Gegend zu bewegen. Eine beeindruckende Leistung!

Ein Herzinfarkt war der Grund dafür, dass ich meinen Opa Hinrich nie kennenlernen durfte. Über ein Jahrzehnt vor meiner Geburt starb er, nachdem er unter Schmerzen in der Brust und mit Atemnot zusammengebrochen war. Jedes Mal, wenn ich sein großes Schwarzweißbild im großmütterlichen Wohnzimmer sah, fragte ich mich, wie es wohl gewesen wäre, ihn kennenzulernen. Dabei sah er auf den Bildern im Familienalbum doch so stark aus!

Ich verstand nicht, wie eine so kleine Sache solch einen Mann umhauen konnte. Deshalb verschlang ich schon früh alle Bücher und Bildbände, die ich in die Finger bekam, in denen etwas über das menschliche Herz und sein Versagen stand. Mein Interesse wurde von meinen Eltern mit weiterem Lesestoff belohnt, und allmählich entwickelte sich bei mir für die Vorgänge im menschlichen Körper eine echte Faszination. Damals entschied ich, dass ich mich als Erwachsener mit Natur und Medizin beschäftigen wollte. Ich wollte unbedingt Forscher oder vielleicht Arzt werden (Plan B: Straßenmusiker). Deshalb las ich nicht nur Bücher, sondern sammelte vom Mäuseskelett bis zum Schildkrötenpanzer alles, was mir ein genaueres Bild vom Körper lieferte.

Mit 15 wollte ich meine Schulferien nutzen, die Bücher beiseitelegen und ein Praktikum in einer Tierklinik machen. Aufgeregt wählte ich die Nummer. Es tutete am anderen Ende. Vier Mal, fünf Mal. Mit jeder Sekunde Wartezeit wuchs meine Anspannung. Sieben Mal, acht Mal. Als ich schon nicht mehr daran glaubte, wurde der Hörer doch noch abgenommen. Eine Frauenstimme begrüßte mich geschäftsmäßig monoton.

"H-Hallo ...?", stammelte ich. "Bin i-ich richtig in der Tierklinik?"

"Ja. Was ist denn?"

Ich fand mein Selbstbewusstsein wieder und erwiderte: "Mein Name ist Johannes von Borstel. Ich bin auf der Suche nach einem Praktikumsplatz für die Schulferien und ..."

Ich wurde unterbrochen: "In welche Klasse gehst du denn?"

"Ich bin gerade fünfzehn geworden und gehe in die neunte Klasse."

Ein tiefer Seufzer am anderen Ende. "Ich sag dir gleich, deine Chancen auf ein Praktikum bei uns stehen nicht gut. In unserer Klinik wird im Notfall auch mal ruck, zuck ein Hund aufgeschnitten. Du bist noch zu jung, um bei so was dabei zu sein."

Zu jung? Wohl eher nicht. Zu blutig? Vielleicht. Das musste ich ja gerade herausfinden. Genau so etwas wollte ich miterleben, wollte Einblick in das bekommen, was unter der Haut passiert und mit eigenen Augen sehen, was in uns Säugetieren so alles vor sich geht. Wie sollte ich eine solche Möglichkeit nur b

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