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Wie viel Musik braucht der Mensch? von Neuenfels, Hans (eBook)

  • Erschienen: 03.12.2009
  • Verlag: Random House E-Books
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Wie viel Musik braucht der Mensch?

"Komm in's Offene, Freund!

Produktinformationen

    Größe: 977kBytes
    Herausgeber: Random House E-Books
    Untertitel: Über Oper und Komponisten
    Sprache: Deutsch
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783641037161
    Erschienen: 03.12.2009
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Wie viel Musik braucht der Mensch?

Eine Art Vorwort

In 35 Jahren - von 1974 bis 2009 - habe ich 30 Opern inszeniert. Die erste war Giuseppe Verdis Der Troubadour, die vorläufig letzte Verdis La Traviata nach Macbeth, Aida, Die Macht des Schicksals, Rigoletto, nochmals Der Troubadour und Nabucco. Spät erst, als 57-Jähriger, die Begegnung mit Mozart auf der Bühne: Die Entführung aus dem Serail, Così fan tutte, Don Giovanni, Idomeneo und Die Zauberflöte. Zuvor ein einmaliges Erlebnis mit Richard Wagner Die Meistersinger von Nürnberg, das nach langer Unterbrechung mit Tannhäuser fortgesetzt wurde. Dazwischen große Gegensätze, die Musikwelten von Franz Schreker, Bernd Alois Zimmermann, Ferruccio Busoni, Alexander Zemlinsky, Giacomo Meyerbeer, Johann Strauß, Leos Janäcek, Ludwig van Beethoven, Dimitri Schostakowitsch, Othmar Schoeck. Und vier glückliche Abenteuer mit drei zeitgenössischen Komponisten: mit York Höller Der Meister und Margarita nach Michail Bulgakow - parallel dazu entstand ein Musikfilm Das blinde Ohr der Oper, den ich mit meinem Sohn Benedict, der Kameramann ist, drehte -, mit Adriana Hölszky, deren Oper Die Wände nach Jean Genet ich uraufführte und für die ich ein Libretto nach meinem Text Giuseppe e Sylvia schrieb, sowie mit dem Komponisten Moritz Eggert. Seinem Sing- und Tanzspiel Die Schnecke liegt mein Libretto zugrunde. Schließlich, fast zu nah, Schumann, Schubert und der Schnee, eine Oper aus Liedern der zwei Komponisten, zu deren Librettisten ich mich ebenfalls - verwegenerweise - machte.

Die folgenden Texte entstanden im Vorfeld oder im Umkreis der Inszenierungen, sind eher Beschwörungen, Ablagerungen freigelegter Empfindungsschichten, Auffangbecken der überwältigenden Gefühle. Ich musste etwas tun, um nicht von der Gewalt der Kompositionen fortgeschwemmt zu werden. Ich wollte mitgerissen werden - o ja! -, nur nicht dumpf, bewusstlos, passiv. Ich wollte vor allem die Genüsse aus Irrtümern und Erkenntnissen wiederholen können, um sie neu zu überprüfen und die Musik bis zum Letzten auszukosten. Jedes Libretto hat mich hauptsächlich informativ interessiert. Die Hauptsache ist, sagte ich mir, dass es den Komponisten zur Musik verführt hat. Was liegt hinter den Noten, fragte ich mich, wie ich mich ebenso fragte, was liegt hinter meinem täglichen oder geplanten Tun. Ich suchte ununterbrochen nach möglicher Identifikation, nach unmittelbaren oder verborgenen Verknüpfungen zu den Komponisten und ihrer Musik. Deswegen berücksichtigen die Texte auch nicht die wichtigsten Realisatoren, die Sänger und Dirigenten, nicht die Bühnen- und Kostümbildner und Dramaturgen. Es ist noch nicht soweit. Die Texte umkreisen noch, spüren auf, wärmen sich an, umwerben, hoffen auf Freundschaft, auf Einlass, auf Zusammenarbeit.

HANS NEUENFELS
Berlin, März 2009

Ferruccio Busoni - imago mio

Deine Musik tut mir weh
Sie ist bald Morgen
Gegen den schmalen Rand Utopie
Muss ich blinzeln bis ich denke

Wenn du eine rosa Hyazinthe Auf einen alten Tisch stellst Vor ein Fenster das groß ist Und draußen liegt Schnee Habe ich fast deinen Klang

Deine Musik tut mir weh
Ist kurz vor dem Moment
Bevor der Samen austritt
Aber das Gefühl noch länger danach

Als ich dich in Zürich traf 1917 oder 1919 im Mai oder Europa Und wann wurde ich geboren Ich glaube 1941 sagen die Eltern Deine Musik tut mir weh

Als ich dich in Zürich traf Und Bergson so schweigsam war Und Pfitzner höhnisch wie ein Pfau Das Törtchen Madeleine als Dessert aß Ging Lenin vorbei und grüßte dich

Deine Musik tut mir weh
Gleicher Raum den gleiche Zeit betritt
Die doppelte Identität
Die mich schizophren macht

Wenn der Gruß aufrichtig wird
Die Keuschheit scharf
Und Sympathie kein Schimpfwort mehr
Dann spielt Chaplin mit dir
Vierhändig das humane Klavier

Meine Treffen mit Verdi

1974 inszenierte ich in Nürnber

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