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Die Geschichte des Rock 'n' Roll in zehn Songs von Marcus, Greil (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.02.2016
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
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Die Geschichte des Rock 'n' Roll in zehn Songs

Was haben Songs von Buddy Holly mit dem Tod der Beatles zu tun? Wie schafft es der Etta-James-Klassiker "All I Could Do Was Cry", Leben von Beyoncé als Lüge-für-Geld zu entlarven, nur weil sie den Song grandios umsetzt? Und warum ist die von Amy Winehouse gesungene Version von "To Know Him Is To Love Him" originaler als das Original? Wie wird "Transmission" in einem Graham-Greene-Remake von 2010 nachträglich vorweggenommen? Greil Marcus begibt sich auf eine archäologische Spurensuche durch die Geschichte des Rock 'n' Roll und stellt verblüffende Zusammenhänge her. Denn für ihn sind Songs nicht einfach nur Werke einzelner Künstler, sondern Kraftzentren, die ein Eigenleben führen. Sie verklingen nicht, werden weitergespielt und erwachen in anderen Zusammenhängen immer wieder zu neuem Leben. Der Band ist die Quintessenz von Marcus' lebenslanger Beschäftigung mit dem Rock 'n' Roll. Seine rückhaltlose Begeisterung für populäre Musik steckt an: Ein faszinierender Spaziergang durch die Popmusik und damit durch die amerikanische Populärkultur. Greil Marcus, geb. 1945, ist der vielleicht einflussreichste lebende amerikanische Kulturkritiker. Er schrieb u.a. Klassiker wie "Mystery train. Der Traum von Amerika in Liedern der Rockmusik", "Dead Elvis. Meister, Mythos, Monster", "Lipstick traces: von Dada bis Punk - kulturelle Avantgarden und ihre Wege aus dem 20. Jahrhundert" sowie "Bob Dylans Like a Rolling Stone. Die Biographie eines Songs." Für "Die Geschichte des Rock 'n' Roll in zehn Songs" hat Greil Marcus den renommierten Virgil Thomson Award für Musikkritik erhalten. Fritz Schneider, geb. 1953, lebt in Berlin und übersetzte bislang u.a. Peter Biskind, John Boyne, Michael Streissguth und Nick Tosches. Er hat fast alle Bücher von Greil Marcus ins Deutsche gebracht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 292
    Erscheinungsdatum: 03.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159608761
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 1006 kBytes
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Die Geschichte des Rock 'n' Roll in zehn Songs

D ie einzige Sache, die der Rock 'n' Roll von Country und Blues nicht übernahm, war der Gedanke an die Konsequenzen", sagte der Autor Bill Flanagan 1986 zu Neil Young. "Ließ man im Country und im Blues am Samstagabend so richtig die Sau raus, dann hatte man am Sonntagmorgen ein schlechtes Gewissen, wenn man sich in die Kirche schleppte. Oder wenn man sich nicht in die Kirche schleppte." "Genau", sagte Neil Young. "Rock 'n' Roll ist ungebremste Leidenschaft. Rock 'n' Roll ist die Ursache von Country und Blues. Country und Blues waren natürlich zuerst da, aber irgendwie hat der Rock 'n' Roll in der Abfolge der Ereignisse keinen bestimmten Platz" - was für eine erstaunliche Feststellung! Zehn Jahre nach Neil Youngs Äußerung sang Brett Sparks von der Handsome Family in dem Song "Winnebago Skeletons", langsam und von einem schweren Verzerrer-Gerumpel begleitet: "There's a fish in my stomach a thousand years old" - was vermutlich nicht als ein Bild für den Rock 'n' Roll als eine Kraft, als eine Geisteshaltung, als ein Scherz gedacht war, als etwas, was es schon seit Urzeiten gegeben hatte, so wie jenen Fisch, der darauf wartete, endlich entkommen zu können, doch es spricht die Sprache, die ich meine.

Man kann auf tausend Platten hören, wie Youngs Epistemologie zum Leben erwacht, von Fats Dominos 1950 erschienenem "The Fat Man" über Youngs eigenes "Surfer Joe and Moe the Sleaze" bis hin zu irgendeiner noch namenlosen Gruppe, die den richtigen, vorherbestimmten, unbekannten Weg entlangstolpert, um mit ihrer Version von "Smells Like Teen Spirit" zurandezukommen, das, wie Kurt Cobain einmal unumwunden zugab, Nirvanas Version von "Louie Louie" war, dem größten Garagenband-Hit aller Zeiten - ein Song, den sein Komponist Richard Berry 1956 in dem unerbittlichen, zwischen den kleinen Rock-'n'-Roll-Labels von Los Angeles tobenden Konkurrenzkampf verlor und der, auf immer und für alle Zeiten, gefunden wurde, als Rockin' Robin Roberts ihn 1958 in Tacoma aus einem Abfalleimer fischte. 1961 nahm er seine eigene Version auf. Und zwei Jahre später mussten er und Richard Berry zusehen, wie die Kingsmen und Paul Revere and the Raiders, die ihre Versionen mit nur einem Tag Abstand im selben Studio in Portland, Oregon, aufgenommen hatten, "Louie Louie" nicht nur zum beliebtesten, sondern, das war irgendwie klar, auch zum archetypischsten Song des Landes machten, zu etwas, das es schon immer gegeben zu haben schien - die Raiders eroberten damit die Pazifikküste, die Kingsmen den Rest der Nation. Neil Youngs Worte sind für mich indes nie eindringlicher, nie unbeschwerter zum Ausdruck gekommen als in "Shake Some Action" von den Flamin' Groovies. "Jedes Mal, wenn ich auf die Bühne trete, versuche ich tatsächlich etwas zu machen, was mich an den Rand meiner Fähigkeiten bringt, an einen Punkt, wo ich mir vielleicht zu viel vornehme", sagte Young eines Tages im Oktober 1993 auf dem Skyline Boulevard, knapp fünfzig Kilometer südlich von San Francisco. "Wo die Sache möglicherweise nicht funktioniert. Wo der Song vielleicht noch zu neu oder nicht der richtige ist - doch wenn ich den Song richtig hinbekomme, und wenn ich ganz und gar in ihm aufgehe, dann wird er die Leute vergessen lassen, wer ich bin." Man kann das überall in Youngs Karriere hören, von Anfang an, in den immer vertrackter werdenden Gitarrenpassagen von "Cowgirl in the Sand", in "Over and Over", in der Musik, die er für Jim Jarmuschs Film Dead Man improvisierte, und man kann es auch in "Shake Some Action" hören - jedoch mit dem untrüglichen, überall in dem Song spürbaren Gefühl, dass die Musik die Musiker im Griff hat und nicht umgekehrt.

Die Flamin' Groovies - ein Name, der so beknackt ist, dass einem die Ironie daran entgehen kann, so beknackt, dass es einem peinlich ist, ihn in den Mund zu nehmen ("Was machst du heute abend?" "Ich will mir die, die,

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