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Klassik drastisch Lippenbekenntnisse zweier Musik-Nerds von Striesow, Devid (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.06.2020
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Klassik drastisch

Die Welt der Klassischen Musik ist eine Schatzkammer des Glücks. Und zwar für alle. Axel Ranisch und Devid Striesow sind Klassik-Nerds. Und Freunde - Musikfreunde. Ihre Leben sind mit Klassischer Musik verwoben. Sie lieben die Geschichten hinter den Werken, die Eigenarten der Komponisten, ihre spleenigen Abenteuer in historischen Gewändern. Sie lieben die Kraft des Orchesters, die Emotionen, die Kontraste, den Größenwahn, die Klangfarben: Gustav Mahler macht sie fertig, und bei Bach fühlen selbst die zwei atheistischen Ossis ein übersinnliches Leuchten in sich. Axel und Devid erzählen von ihren Lieblingsstücken, machen aus den abstrakten Namen ihrer Komponisten Helden mit Ecken und Kanten und beweisen: Für Klassische Musik bedarf es keiner Vorkenntnis. Devid Striesow, bekannt von "Tatort" und "Bella Block" bis "Fraktus" und "Yella", einer der meistbeschäftigsten TV- und Filmschauspieler des Landes und überzeugter Klassik-Fan.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 15.06.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843721776
    Verlag: Ullstein
    Größe: 2502 kBytes
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Klassik drastisch

Kind der Klassik

Ich bekenne: Ich bin ein Klassik-Nerd. Ich habe nicht ein Konzert-Abo, sondern zwei. Ich besitze nicht 100, sondern 1472 CDs (und noch mal 1148 Schallplatten). Ich gehe lieber in die Oper als ins Kino, und das, obwohl ich Filmregisseur bin. Mein Bücherregal besteht aus musikalischer Fachliteratur. Als Teenie las ich nichts anderes als Komponistenbiografien. Jedem, der mich kannte, bin ich mit meinem Wissen auf die Nerven gegangen. Beethoven, Rachmaninow, Schostakowitsch und Mahler hießen meine Freunde. Alle waren lange tot.

Doch wie konnte es dazu kommen? Familiär bin ich von Sportlern umzingelt. Meine Mutter war Leichtathletin, mein Vater war Trainer für Kunst- und Turmspringen und meine älteste Schwester eine seiner besten Sportlerinnen. Meine Neffen spielen Fußball, Handball und Volleyball. Auch mein Opa war Leichtathlet und die Oma beim Ballett.

Als in Dresden während der 20er-Jahre der Ausdruckstanz das Ballett revolutionierte, lernte meine Oma tanzen. In Limbach bei Chemnitz. Fern der sächsischen Metropole und doch nah genug, um den Wind der weiten Tanzwelt zu schnuppern, der über Dresden aus Japan, Amerika und Russland ins Erzgebirge wehte. Famose Schwarz-Weiß-Fotografien meiner Großmutter in orientalischen Gewändern regen seit jüngster Kindheit meine Fantasie an. Was gäbe ich darum, dabei gewesen zu sein!

Mit der Machtergreifung der Nazis, spätestens mit dem Beginn des 2. Weltkriegs war für Oma Schluss mit Ballett. Der Tanz aber ist ihr bis heute geblieben. Wenn der richtige Rhythmus erklingt, zuckt es der 98-jährigen Lady noch heute in den Beinen. Dann kann sie nicht anders, dann muss sie tanzen.

Zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen gehören die tanzenden Großeltern. Manchmal, an einem Dienstag oder Donnerstag, wenn ich von der Schule kam, um den Nachmittag bei Oma und Opa zu verbringen, waren Sessel und Tisch zur Seite geschoben. Dann warf ich mich mit einer Handvoll Schoko-Minz-Dragees in die Sessel und sah den Alten beim Walzertanzen zu.

Mein Opa liebte die Chemie, die Literatur, schöne Frauen (schließlich war er mit meiner Oma verheiratet) und die Musik. Er liebte Beethovens Fünfte, Tschaikowskys Sechste, Bruckners Siebte, Schuberts Achte und Dvoráks Neunte. Wenn ich zu Besuch war, durfte ich aus 250Kassetten die passende Musik auswählen. Einen großartigen Austausch darüber brauchten wir nicht. Ich mochte, dass Opa mochte, dass ich seine Musik mochte. Ansonsten spielten wir Skat.

Auch meine Mama hat einen Sinn für Musik. Sie reagiert ungeheuer emotional auf russische Stücke in Moll. Als Kind hat sie zu Beethoven, Tschaikowsky und Gershwin ihre Hausaufgaben gemacht. Wem sie dadurch weniger gerecht wurde, bleibt offen: den Komponisten oder den Hausaufgaben? Andererseits ist meine Mutter imstande, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Zuhören und reden zum Beispiel. Oder Filme schauen und lesen. Wenn ich sie früher aufgeregt in mein Zimmer bat, um ihr eine neue musikalische Entdeckung zu präsentieren, kam sie gern mit einer Zeitung oder einem Buch. Das ärgerte mich. Irgendwann lernte ich aber, dass es ihrer Konzentration zuträglich ist, mehrere Sachen gleichzeitig zu tun, sonst schläft sie ein. Das hat sie übrigens von ihrem Vater. Auch Opa saß am Wochenende auf seinem Sofa und sah Tennis, während aus dem Radio neben ihm die Fußball-Konferenzschaltung lärmte und Oma mit dem Staubsauger durch die Wohnung schoss. Dabei reinigte er leise vor sich hin pfeifend seinen Rasierapparat und mischte sich aus Birkenhaarwasser, PrimaSprit und ausgewählten Düften sein eigenes Rasierwasser.

Aufgrund der emotionalen Sensibilität meiner Mama gab es zu Hause eigentlich nie Musik. Bei uns lief immer der Fernseher. Dokus über Dokus, Tiere, Vulkane, offene Wunden, alte Knochen und Blumen. Der Fernsehapparat hat mir schon in jungen Jahren ein breites Allgemeinwissen beschert. Musik lief nur, wenn wir Auto fuhren. Mit dem Trabbi in den Urlaub zur

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