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Rock'n'Roll 4evermore Irre Trips zu alten Helden von Daniel, Mark (eBook)

  • Verlag: Eulenspiegel Verlag
eBook (ePUB)
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Rock'n'Roll 4evermore

Die großen Helden des Rock'n'Roll sind alt geworden. Oder sie sterben. Lemmy Kilmister, David Bowie, Prince sind tot, und Deep Purple verkünden ihren Abschied. Die wegweisenden Beschaller des Jugendzimmers, die Lieferanten gitarresker Hymnen zu Liebe, Frust, Klassenfahrt und Widerstand hören freiwillig auf oder aus biologischen Gründen. Okay. Jedenfalls ist keine Zeit zu verlieren, will man die aussterbenden Dinosaurier des Rock-Business noch einmal auf der Bühne sehen. Journalist Mark Daniel und sein Kumpel 'Hümmi', zwei Rockfans, geprägt von den 'harten Saiten' des Musiklebens, reisen zu den Abschiedskonzerten der alten Recken ... Und es ist keine sentimentale Reise, um sich an 'alte Zeiten' zu erinnern. Es geht um den Spirit dieser Musik und die Behauptung eines Lebensgefühls: Rock'n'Roll forevermore. Mark Daniel, geboren 1967 in Witten (Ruhrgebiet), studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft in Bochum. Arbeitet seit 1994 bei der Leipziger Volkszeitung als Kulturredakteur; Hörspielautor und Mitautor des Buches 'Schnauze Ossi' (Gütersloher Verlagshaus, 2015).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783359500766
    Verlag: Eulenspiegel Verlag
    Größe: 5856 kBytes
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Rock'n'Roll 4evermore

Rainbow an der Loreley

Grand Schlamm oder : Der Fotograf tanzt

Um sich den Sensat io nsgrad dieser Nachricht für Rockfans vor Augen zu führen, nehme man als Vergleich die Abschaffung der Mehrwertsteuer, Markus Söders Parteiwechsel zur Linken und das Austrocknen sämtlicher Steueroasen. Und zwar alles zusammen. Das läge dann etwa auf einer Stufe mit der Neuigkeit, dass sich Gitarrenlegende Ritchie Blackmore nach zwanzig Jahren stinklangweiliger Folkklampferei endlich wieder die elektrisch Verstärkte umschnallt und die Kracher seiner Bands Deep Purple und Rainbow spielt. Die Nachricht von Blackmores Open-Air-Show beim "Monsters of Rock" auf der Loreley rockt sich per Mail vom Veranstalter in mein Redakt io nspostfach hinein. Ein Knüller!

"Hömma, da müssen wir hin", sag ich zu Hümmi. - "Hömma, und wie wir das müssen!", sagt Hümmi zu mir. Mein Kumpel Hümmi gehört wie ich zu den wenigen, die eine labyrinthische Geschmacksverirrung in die Ecke des Hardrock trieb. In der man sich gefälligst zu schämen hat, zumindest nach Meinung der Geschmackspolizisten, die einem in den Achtzigern sofort Handschellen anlegten, wenn man keine Platte von Depeche Mode, The Cure oder Midnight Oil im Schrank hatte. Hatten wir nicht, sondern Deep Purple, Rainbow, AC / DC , Whitesnake, Ur ia h Heep, Van Halen und viele andere ganz gruselige Vertreter der rustikalen Betäubung.

Als Journalist finde ich: Dass sich nun einer der besten Saitenschrammler dieses Planeten auf das besinnt, was er auch in den letzten zwanzig Jahren hätte tun sollen, gehört dringend med ia l gestreut. Ein Konzertbericht für die Zeitung muss her - unverzichtbarer Außentermin! Als Fotoreporter wird Hümmi neben mir als Schreiber beim Veranstalter angemeldet, obwohl er nicht mal einen Fotoapparat hat.

"Ich besorg mir einen", gelobt der Kumpan. "Alter, da saufen wir uns die Hucke voll!" Ein Satz, der mich zusammenzucken lässt. Wie ich schon andeutete: Im Gegensatz zu mir verfügt Hümmi über eine beneidenswerte Trinkfestigkeit und bessere Voraussetzungen, Promille über seinen Körper zu verteilen. Wenn Hümmi ganz leicht einen sitzen hat, bin ich kurz vor der Grenzüberschreitung zum Filmriss.

Ich verdränge die Befürchtung bis zu dem Tag, an dem der Freund mit seinem T 3 , Baujahr 1987 , vor die Wohnungstür rollt - also einem übernachtungstauglichen Gefährt, das mit seiner Retro-Atmo und dieser Verheißung von Freiheit auf vier Rädern zwei alternde Männer in die Stimmung von Pubertierenden zurückvehikelt. Aus dem Fahrerfenster ragt Hümmis Linke, deren Finger die Pommesgabel formen. Also das Teufelshorn, Erkennungszeichen für die Anhängerschaft d ia bolisch-rauer Musik.

Im T 3 -Kühlschrank tanzt klimpernd das Bier unter den Bässen der auf volles Rohr gedrehten Lautsprecher, und nachdem ich meinen Schlafsack ins Heck gepfeffert habe, werden die ausgedruckten DIN -A 3 -Poster von Ritchie Blackmore's Rainbow an die Seitenscheiben geklebt. Die Faust vom Cover der Platte "Rising" kommt da ausgesprochen gut.

Die psychoanalytische Theorie spricht in diesem Fall von einer regressiven Phase. Laut Lexikon erfolgt "ein zeitweiliger Rückzug auf eine frühere Stufe der Persönlichkeitsentwicklung mit einfacheren, primitiveren Reakt io nen". Hümmi dazu: "Ich hatte nie eine andere Stufe!"

Nach drei Stunden Fahrt und dem Einwurf eines Snacks wechseln wir die Plätze. Während ich mich nun an der wackligen Schaltung des T 3 abmühe, plöppt sich der Freund das erste Bier auf und installiert eine Fluppe im Mundwinkel. Es ist fünfzehn Uhr und die Straße frei. Die alte Möhre tuckert die Autobahn entlang, ab und zu wedeln uns Gleichgesinnte aus ihren überholenden Autos ihre "Monsters-of-Rock"-Eintrittskarten entgegen oder recken anerkennend den Daumen. Nur einer deutet beim Vorbe

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