text.skipToContent text.skipToNavigation

Wie viel Musik braucht der Mensch? Über Oper und Komponisten von Neuenfels, Hans (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.12.2009
  • Verlag: Edition Elke Heidenreich
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Wie viel Musik braucht der Mensch?

"?Komm in's Offene, Freund!?, rief der schwärmerische Hölderlin. Hans Neuenfels geht mit seinen ergreifenden Texten zur Musik ganz tief ins Innere." Elke Heidenreich
Hans Neuenfels ist nicht nur das 'enfant terrible' der deutschen Opernregie, dessen Inszenierungen regelmäßig heftige Kontroversen hervorrufen, er war auch immer schriftstellerisch tätig. So entstanden Gedichte, Libretti, Erzählungen und ein Roman. In den vorliegenden Texten setzt er sich mit Komponisten und Opern auf eine ganz persönliche und unverwechselbare Weise auseinander. Er nähert sich ihnen an, umkreist sie und träumt sich etwa in Giuseppe Verdi, Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Wagner, Bernd Alois Zimmermann oder Johann Simon Mayr hinein. Dabei sind literarische Miniaturen und Fantasien von enormer sprachlicher Wucht entstanden. Sie sind durchtränkt von der Leidenschaft des großen Theater- und Opernmannes, bieten neue, ungewöhnliche Sichtweisen auf die Komponisten und ihre Werke und tragen zu einem tieferen Verständnis von Neuenfels' Denk- und Arbeitsweise bei.
Einer der bedeutendsten und provokantesten Opernregisseure unserer Zeit, mehrfach ausgezeichnet.

Hans Neuenfels, geboren 1941 in Krefeld, inszenierte u.a. am Schauspiel Frankfurt, das er unter der Leitung von Peter Palitzsch mitprägte. Von 1986 bis 1990 war er Intendant der Freien Volksbühne Berlin. Seit 1974 inszenierte er über 30 Opern, 2010 inszenierte Neuenfels Richard Wagners Lohengrin bei den Bayreuther Festspielen. 2005 und 2008 wurde er zum Opernregisseur des Jahres gewählt. Neuenfels drehte Filme über Kleist, Musil, Genet und Strindberg und schrieb Libretti, Dramen und Romane. 1994 erhielt er die Kainz-Medaille der Stadt Wien. Er ist mit der Schauspielerin Elisabeth Trissenaar verheiratet. Der gemeinsame Sohn ist der Kameramann Benedict Neuenfels.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 03.12.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641037161
    Verlag: Edition Elke Heidenreich
    Größe: 977kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Wie viel Musik braucht der Mensch?

Eine Art Vorwort

In 35 Jahren - von 1974 bis 2009 - habe ich 30 Opern inszeniert. Die erste war Giuseppe Verdis Der Troubadour, die vorläufig letzte Verdis La Traviata nach Macbeth, Aida, Die Macht des Schicksals, Rigoletto, nochmals Der Troubadour und Nabucco. Spät erst, als 57-Jähriger, die Begegnung mit Mozart auf der Bühne: Die Entführung aus dem Serail, Così fan tutte, Don Giovanni, Idomeneo und Die Zauberflöte. Zuvor ein einmaliges Erlebnis mit Richard Wagner Die Meistersinger von Nürnberg, das nach langer Unterbrechung mit Tannhäuser fortgesetzt wurde. Dazwischen große Gegensätze, die Musikwelten von Franz Schreker, Bernd Alois Zimmermann, Ferruccio Busoni, Alexander Zemlinsky, Giacomo Meyerbeer, Johann Strauß, Leos Janäcek, Ludwig van Beethoven, Dimitri Schostakowitsch, Othmar Schoeck. Und vier glückliche Abenteuer mit drei zeitgenössischen Komponisten: mit York Höller Der Meister und Margarita nach Michail Bulgakow - parallel dazu entstand ein Musikfilm Das blinde Ohr der Oper, den ich mit meinem Sohn Benedict, der Kameramann ist, drehte -, mit Adriana Hölszky, deren Oper Die Wände nach Jean Genet ich uraufführte und für die ich ein Libretto nach meinem Text Giuseppe e Sylvia schrieb, sowie mit dem Komponisten Moritz Eggert. Seinem Sing- und Tanzspiel Die Schnecke liegt mein Libretto zugrunde. Schließlich, fast zu nah, Schumann, Schubert und der Schnee, eine Oper aus Liedern der zwei Komponisten, zu deren Librettisten ich mich ebenfalls - verwegenerweise - machte.

Die folgenden Texte entstanden im Vorfeld oder im Umkreis der Inszenierungen, sind eher Beschwörungen, Ablagerungen freigelegter Empfindungsschichten, Auffangbecken der überwältigenden Gefühle. Ich musste etwas tun, um nicht von der Gewalt der Kompositionen fortgeschwemmt zu werden. Ich wollte mitgerissen werden - o ja! -, nur nicht dumpf, bewusstlos, passiv. Ich wollte vor allem die Genüsse aus Irrtümern und Erkenntnissen wiederholen können, um sie neu zu überprüfen und die Musik bis zum Letzten auszukosten. Jedes Libretto hat mich hauptsächlich informativ interessiert. Die Hauptsache ist, sagte ich mir, dass es den Komponisten zur Musik verführt hat. Was liegt hinter den Noten, fragte ich mich, wie ich mich ebenso fragte, was liegt hinter meinem täglichen oder geplanten Tun. Ich suchte ununterbrochen nach möglicher Identifikation, nach unmittelbaren oder verborgenen Verknüpfungen zu den Komponisten und ihrer Musik. Deswegen berücksichtigen die Texte auch nicht die wichtigsten Realisatoren, die Sänger und Dirigenten, nicht die Bühnen- und Kostümbildner und Dramaturgen. Es ist noch nicht soweit. Die Texte umkreisen noch, spüren auf, wärmen sich an, umwerben, hoffen auf Freundschaft, auf Einlass, auf Zusammenarbeit.

HANS NEUENFELS
Berlin, März 2009

Ferruccio Busoni - imago mio

Deine Musik tut mir weh
Sie ist bald Morgen
Gegen den schmalen Rand Utopie
Muss ich blinzeln bis ich denke

Wenn du eine rosa Hyazinthe Auf einen alten Tisch stellst Vor ein Fenster das groß ist Und draußen liegt Schnee Habe ich fast deinen Klang

Deine Musik tut mir weh
Ist kurz vor dem Moment
Bevor der Samen austritt
Aber das Gefühl noch länger danach

Als ich dich in Zürich traf 1917 oder 1919 im Mai oder Europa Und wann wurde ich geboren Ich glaube 1941 sagen die Eltern Deine Musik tut mir weh

Als ich dich in Zürich traf Und Bergson so schweigsam war Und Pfitzner höhnisch wie ein Pfau Das Törtchen Madeleine als Dessert aß Ging Lenin vorbei und grüßte dich

Deine Musik tut mir weh
Gleicher Raum den gleiche Zeit betritt
Die doppelte Identität
Die mich schizophren macht

Wenn der Gruß aufrichtig wird
Die Keuschheit scharf
Und Sympathie kein Schimpfwort mehr
Dann spielt Chaplin mit dir
Vierhändig das humane Klavier

Meine Treffen mit Verdi

1974 inszenierte ich in Nürnber

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    ALDI life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier finden Sie alle Ihre eBooks und viele praktische Lesefunktionen.