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Am Anfang war das Feuer Die Rammstein-Story von Lüdeke, Ulf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.11.2015
  • Verlag: riva
eBook (ePUB)
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Am Anfang war das Feuer

Vor mehr als 20 Jahren wurde der Grundstein für eine unglaubliche Erfolgsgeschichte gelegt. 1994 wurde Rammstein gegründet und entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einer der erfolgreichsten Bands Deutschlands, die zusätzlich auch in den USA riesige Erfolge feiert. Spektakuläre Pyrotechnik, Texte, die tabuisierte Themen aufnehmen, und natürlich der charismatische Till Lindemann und sein 'teutonenhafter' Gesang und Habitus sind die Eckpfeiler der Erfolgsgeschichte von mittlerweile fast 20 Millionen verkauften Tonträgern, einer Vielzahl von Musikpreisen und ausverkauften Konzerten. Ulf Lüdeke hat sich auf Spurensuche begeben: Wie wurde Rammstein zu solch einem Riesen-Act? Woher kamen die Ideen und wer hat die entscheidenden Weichen gestellt? Wie wichtig ist Till Lindemann für den Erfolg der Band? Was sind die Pläne, wie geht es weiter? Dieses Buch ist ein Stück geschriebener deutscher Musikgeschichte. Ulf Lüdeke arbeitet als Journalist, Buchautor und Fotograf in Deutschland und Italien für Medien wie Deutschlandradio Kultur, Playboy, P.M. und Merian. Im Frühjahr 1990 ging der Autor, 1965 in Wolfsburg geboren, für elf Jahre als Redakteur nach Ostdeutschland, wo er für verschiedene Tageszeitungen schrieb. Dorthin zurück führte ihn auch die Spurensuche nach Till Lindemann und Rammstein. Seine letzte Biografie über Terence Hill verkaufte sich über 10.000 Mal.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 09.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783864138423
    Verlag: riva
    Größe: 2356 kBytes
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Am Anfang war das Feuer

OHNE DIE DDR HÄTTE ES RAMMSTEIN NIE GEGEBEN

Im Osten geht der Punk ab

Wer heute durch die prächtigen Straßen im Berliner Prenzlauer Berg schlendert und das Viertel noch aus der Zeit kennt, bevor westdeutsche Immobilienspekulanten es in eines der begehrtesten Szene-Wohnquartiere der alten, neuen Hauptstadt verwandelten, würde es vermutlich nicht wiedererkennen. Auch 1994 sah der Prenzlauer Berg noch ganz anders aus als jetzt. Das Jahr, als dort sechs Punkmusiker aus dem Osten beschlossen, etwas völlig Neues zu machen, eine Band gründeten und ihr den Namen Rammstein gaben.

Eine magische, ganz eigene Atmosphäre prägte schon während der Weimarer Republik die von Altbauten gesäumten breiten Straßen dieses klassischen Arbeiterquartiers, das seit jeher Künstler, Intellektuelle und Andersdenkende angezogen hatte. Der Niedergang des Prenzlauer Bergs begann jedoch erst unter der versagenden Planwirtschaft der DDR. Chronischer Mangel an Baumaterialien und eine dadurch extrem schwierige Instandhaltung hatten wie überall im real existierenden Sozialismus dafür gesorgt, dass hier Ende der 80er-Jahre zahlreiche einst wunderschöne Gründerzeithäuser komplett leer standen und langsam verfielen.

Heute ist dieser Stadtteil ein elegantes, mit Mansardenwohnungen und Lofts gekröntes buntes Wohnviertel, in dem nicht mehr wie früher Arbeiter und Kleinkünstler leben - fast alle wurden sie vertrieben durch hohe Immobilienpreise und ersetzt durch junge, gut verdienende Akademiker. Ein Quartier mit der augenscheinlich bundesweit höchsten VIP- und Bioladen-Dichte. Und wie dem Prenzlauer Berg merkt man auch Rammstein ihre Vergangenheit nicht an.

In den zehn Jahren vor der Wende wurde der Prenzlauer Berg zum größten Schmelztiegel der Ost-Punkszene, die sich Anfang der 80er-Jahre mit anderen Gruppen wie den Anarchos, der Friedensbewegung und der Ökoszene in leer stehenden Gebäuden einnistete. Damals wehte hier ein ganz anderer Wind durch verlassene, farblose Straßenzüge, die eher Grundlage der düsteren Kulissen hätten sein können, in die John Carpenter in seinem Cyberpunk-Film Die Klapperschlange von 1981 das Manhattan der Zukunft projizierte. Ein verlassener Ort, wo sich der Rest Leben im Untergrund abspielte, in von Rohren durchzogenen Bunkern, klammen Kammern, kahlen Hinterhöfen. Drei der Rammstein-Musiker - "Flake" Christian Lorenz (Jahrgang 1966), Paul Landers (Jahrgang 1964) und Christoph Schneider (Jahrgang 1966) lebten mitten in dieser Szene. Kurz vor der Wende zog auch Richard Kruspe (Jahrgang 1967) aus Schwerin in den Prenzlauer Berg, Till Lindemann (Jahrgang 1963) und Oliver Riedel (Jahrgang 1971) kommen ebenfalls aus Schwerin, siedelten aber erst nach der Wende nach Berlin.

Als "Rock 'n' Roll ohne Bullshit" bezeichnete der Amerikaner Tommy Ramone einmal die Punkmusik unter Rückbesinnung auf seine Wurzeln, den Rock. Diese Richtung, die er als Gründer der Ramones - eine der legendärsten Punkbands der ersten Stunde - in den 70er-Jahren regelrecht lebte, fand sofort überall begeisterte Anhänger und wurde von diesen interpretiert. Wie im Westen Deutschlands löste der Punk auch im Osten eine musikalische Revolution aus. Plötzlich war Rock wieder roh, laut, aggressiv, eine schnörkellose Wiedergeburt, eingängig, nicht selten auf drei Akkorde reduziert. Sex Pistols, Patti Smith, die kurzlebige Generation X von Billy Idol oder The Clash wurden auch in der DDR zu neuen Idolen.

Der Hunger nach dem Ursprünglichen war groß: Schnell mutierte diese minimalistische, gewollt dilettantische Rock-Variante zum Gegenpol eines satten und selbstgenügsamen Mainstream-Rocks und zu einem völlig neuen Lebensstil. Eine neue Musikrichtung, die noch heute gegen Konformismus, traditionelle Werte und Gesellschaftsordnungen stänkert, Wut auf die Politik und Haltungen in Noten und sarkastischen Texten ausdrückt, und zwar nicht durchgängig, aber immer wieder heftig mit nihilistischen Denkwe

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