text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Bachs Passionen Ein musikalischer Werkführer von Scholz, Gottfried (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.12.2015
  • Verlag: Schott Music
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Bachs Passionen

Johann Sebastian Bachs Matthäus- und Johannespassion zählen bis heute zu den bedeutendsten Werken geistlicher Chormusik. In dem vorliegenden Band werden anschaulich und verständlich die musikalischen und textlichen Entwicklungen der Passionsmusik bis zu diesen Hauptwerken des Barock beschrieben, die Entstehungsgeschichte und die Besonderheiten der beiden Passionen erläutert und ihre Rezeption skizziert.

Gottfried Scholz, ausgewiesen durch zahlreiche Publikationen zur Musik des Barock, lehrte als Professor für musikalische Analyse an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 09.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783795785505
    Verlag: Schott Music
    Größe: 3304 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Bachs Passionen

III. Zum Stil der Bachschen Passionen und zu deren
theologischen Bezügen

Den Passionen Bachs kommt ein stilistischer Eigenwert zu; sie sind mit anderen Werken dieser Gattung kaum vergleichbar. Der Komponist hat es verstanden, verschiedenartige Textquellen sowie unterschiedliche musikalische Techniken, beide aus divergenten historischen Bereichen stammend, zu einem homogenen Kunstwerk zu vereinen.

Die Unantastbarkeit des Bibelworts in Luthers Übersetzung stand für Bach wie für die Leipziger Kirchengemeinde außer Frage. Dieser konservativ-orthodoxe Standpunkt differierte mit jenem anderer protestantischer Zentren. In Hamburg war zum Beispiel die Nachdichtung des Evangelientextes üblich gewesen. In dieser Version hat Barthold Heinrich Brockes seine Libretti geschrieben; sie dienten als textliche Vorlage der Passionskompositionen von Händel und Telemann.

Bachs Passionen stehen in Bezug auf die Vertonung des Bibelworts in der Tradition von Johann Walter und Heinrich Schütz. Doch sind Wortausdeutungen bei Bach viel komplexer konzipiert, da in seinen Werken die Praktiken der musikalischen Rhetorik eine eindrucksvolle Deklamation und oft auch eine sinntragende Wort-Ton-Beziehung (Hypotyposis) ermöglichen. Das gilt nicht nur für die Solopartien, sondern auch für die Chorsätze der Turba-Texte, die den polyphonen, oft imitatorischen Stil motettischer Tradition dramatisch in die Schilderung des Geschehens einbringen.

In letzter Zeit wurde bisweilen die Frage aufgeworfen, ob Bach, vor allem in der Johannes-Passion, antijüdische Akzente gesetzt hat. Dies möchte ich verneinen; unter dem Begriff "die Jüden" ist die anonyme Menschenmenge Jerusalems zu verstehen, deren Haltung zu Jesus zwischen dem "Hosianna" vom Palmsonntag und dem "kreuzige ihn" fünf Tage später schwankte. Martin Luthers Antijudaismus ist bekannt. Als gläubiger Protestant verstand Bach die Bibelworte jedenfalls als absolut gültig, auch in Luthers Übersetzung.

Die Wiederkehr gleichlautender Turba-Chöre belegt zwar die Insistenz der Forderung nach dem Tode Jesu, sie kann aber schwerlich als Symbol für die "Verstocktheit der Juden" (Dagmar Hoffmann-Axthelm 1989, S. 50) verstanden werden. Dieser Ansicht hat Lothar Steiger (1994) entgegengehalten, daß die historische Ursache für den Tod Jesu im Verhalten der Juden wie der Heiden von Jerusalem liegt, daß aber, theologisch gesehen, die Schuld allen Christen der späteren Zeit zukommt. In diesem Sinne beantwortet die Bachsche Matthäus-Passion die Schuldfrage eindeutig mit den Worten "Ich bin's, ich sollte büßen." Dieser Choraltext faßt Bachs eigenen Standpunkt und den der Leipziger Kirche eindrucksvoll zusammen.

Die evangelischen Kirchenlieder stellten in der reformatorischen Gottesdienstordnung, die auf die sogenannte 'Deutsche Messe' (1526) von Martin Luther zurückgeht, eine wesentliche Neuerung dar. In der althergebrachten katholischen Meßfeier war der Gemeinde nur eine geringe aktive Beteiligung möglich gewesen; im Hauptteil der Messe, dem Canon missae, hatten die Gläubigen zu schweigen. Während ein Chor - sofern vorhanden - das Sanctus und das Benedictus sang, waren selbst die bedeutsamen Worte des Zelebranten unhörbar.

Im bewußten Gegensatz dazu bot die deutsche evangelische Kirche wie auch schon vorher die böhmisch-hussitische den gläubigen Laien im Gesang der Hymnen eine aktive Identifikation mit dem liturgischen Geschehen an. Für Martin Luther ist die Musik "eine schöne herrliche Gabe Gottes und nahe der Theologiae" (Vorrede zu den ' Symphonie iucundae' ). Eine Einbindung der bekannten Kirchenlieder in den Verlauf der langen Passionsaufführungen hatte daher zwei geradezu homiletische Wirkungen: Der Bibeltext regte zu persönlichem Bekenntnis an (,Ich'-Lieder), und die Texte der bekannten und oft gesungenen Liedstrophen wurden durch ihre Platzierung in einen direkten Kontext zur jeweiligen Passionsaussage gestellt.

Die in der freien Poetik v

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen