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Born to Run Die Autobiografie von Springsteen, Bruce (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.09.2016
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Born to Run

Selten zuvor hat ein Bühnenkünstler seine eigene Geschichte mit solch einer Kraft und solch einem lodernden Feuer niedergeschrieben. Wie viele seiner Songs ('Thunder Road', 'Badlands', 'Darkness on the Edge of Town', 'The River', 'Born in the U.S.A.', 'The Rising' oder 'The Ghost of Tom Joad', um ein paar wenige zu erwähnen) ist Bruce Springsteens Autobiografie geprägt von der Lyrik eines einzigartigen Songwriters und der Weisheit eines Mannes, der ausgiebig über sein Leben nachgedacht hat. Bruce Springsteen, geboren 1949, wurde in die Rock and Roll Hall of Fame, die Songwriters Hall of Fame und die New Jersey Hall of Fame aufgenommen. Er wurde u.a. mit 20 Grammy Awards, dem Academy Award und den Kennedy Center Honors ausgezeichnet. Springsteen lebt mit seiner Familie in New Jersey.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 672
    Erscheinungsdatum: 27.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641201692
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Born to Run
    Größe: 11620 kBytes
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Born to Run

KAPITEL 2

MEIN HAUS

Donnerstagabend, Sperrmüllabend. Wir sind gerüstet und bereit zuzuschlagen. Wir sitzen im 1940er Sedan meines Großvaters und warten auf den Einsatzbefehl, all den Sperrmüll zu durchwühlen, der sich entlang der Bordsteine unserer Stadt aufhäuft. Zuerst machen wir uns auf den Weg zur Brinckerhoff Avenue, wo das Geld zu Hause und der Müll vom Feinsten ist. Wir sind gekommen, eure Radios zu holen, sämtliche Radios, egal in welchem Zustand. Wir werden wie die Geier über euren Müll herfallen, werden unsere Beute in den Kofferraum werfen und sie in den "Schuppen" schaffen, die vier Quadratmeter große ungeheizte Holzzelle in einem Eckchen unseres Hauses. Hier geschehen winters wie sommers wahre Wunder. Hier, in einem "Raum" voller Elektrokabel und Radioröhren, sitze ich nimmermüde neben ihm. Er verdrahtet, lötet und tauscht kaputte Röhren gegen heile aus, und wir warten beide gleichermaßen auf den einen Moment, auf den Augenblick, wenn das Atemwispern, das wunderbar leise statische Brummen und das warme Sonnenuntergangsglühen der Elektrizität den Radiogerippen, die wir vor der Zerstörung bewahrt haben, neues Leben einhauchen.

Hier an der Werkbank meines Großvaters wird die Wiederauferstehung greifbar. Die tonlose Leere wird gefüllt von den fernen Knisterstimmen der Sonntagsprediger, vom Geschwätz der Werbesprecher, von Big-Band-Sounds, frühen Rock'n'Roll-Songs und Hörspielserien. Es sind die Klänge der Welt dort draußen, die uns erreichen will, die in unsere kleine Stadt ruft und noch viel tiefer herein: in unser hermetisch verschlossenes Universum hier in der 87 Randolph Street. Sobald die Radios wieder leben, wird eins ums andere zum Preis von fünf Dollar in den Camps der Wanderarbeiter verkauft, die jeden Sommer die Felder am Rand unseres Landkreises säumen. Der "Radiomann" kommt. Unter diesem Namen ist mein Großvater bei den vorwiegend schwarzen Wanderarbeitern aus den Südstaaten bekannt, die immer zur Erntezeit in Bussen in das damals noch ländliche Monmouth County anreisen. Auf unbefestigten Wegen kutschiert meine Mutter meinen nach dem Schlaganfall verwirrten Großvater bis zu den hintersten Bretterbuden, wo noch Bedingungen herrschen wie in den Dust Bowls der Dirty Thirties. Dort macht er seine Geschäfte mit "den Schwarzen" in ihren "Micky-Maus-Zeltlagern". Ich fuhr ein einziges Mal mit und wurde fast verrückt vor Angst, als ich mich in der Dämmerung von verwitterten schwarzen Gesichtern umringt sah. Das Verhältnis zwischen den Bevölkerungsgruppen, das in Freehold nie besonders gut gewesen war, sollte zehn Jahre später in Krawalle und Schießereien münden, aber noch herrscht gespannte Ruhe. Ich bin hier lediglich der junge Schützling und Enkel des "Radiomanns" inmitten einer Kundschaft, die meine Familie braucht, um über die Runden zu kommen.

Besonders weit davon entfernt, bettelarm zu sein, waren wir nicht, aber darüber habe ich nie nachgedacht. Wir hatten Klamotten am Leib, Essen auf dem Tisch und ein Dach über dem Kopf. Ich hatte sowohl weiße als auch schwarze Freunde, die deutlich schlechter dran waren. Meine Eltern standen in Lohn und Brot, meine Mutter als Sekretärin eines Rechtsanwalts, mein Vater bei Ford. Unser Haus war alt und seine Baufälligkeit kaum mehr zu übersehen. Ein Petroleumofen im Wohnzimmer war die einzige Wärmequelle. Oben, wo die Familie schlief, gefror einem morgens beim Aufwachen der Atem. In einer meiner frühesten Kindheitserinnerungen rieche ich das Petroleum und sehe meinen Großvater, der es an der Rückseite des Ofens nachfüllt. Gekocht wurde auf einem Kohleherd in der Küche. Als Junge beschoss ich die aufgeheizte Eisenplatte mit der Wasserpistole und sah zu, wie der Dampf aufstieg. Die Asche trugen wir zur Hintertür hinaus auf den "Aschehaufen". Tagaus, tagein kam ich staubgrau ins Haus zurück, weil ich in der Asche gespielt hatte. Wir besaßen eine kleine Gefriertruhe und eins der ersten Fernsehgeräte in der S

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