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Das Gedächtnis der Struktur Der Komponist Pierre Boulez

  • Erscheinungsdatum: 02.03.2015
  • Verlag: Schott Music
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Das Gedächtnis der Struktur

Der Band versammelt die Beiträge des Symposiums für und mit Pierre Boulez "Das Gedächtnis der Struktur" unter der Leitung von Hans-Klaus Jungheinrich im Rahmen von "Auftakt 2009" der Alten Oper Frankfurt/Main. Es ging bei dem Symposion ausdrücklich um den Komponisten Boulez, doch ließ sich dieser nicht völlig vom Dirigenten und Musikpolitiker trennen. Die entscheidenden "Setzungen" des Boulez'schen Komponierens fanden wohl allesamt in einer frühen Phase statt. Doch ist die Produktivität von Boulez niemals völlig versiegt, sondern verlegte sich überwiegend auf Annexe, Metamorphosen oder Transformationen früherer Stücke.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 02.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783795786380
    Verlag: Schott Music
    Größe: 3486 kBytes
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Das Gedächtnis der Struktur

Pierre Boulez' Begegnung mit der Zweiten Wiener Schule

Susanne Gärtner

"It is not devilry, but only the most ordinary common sense which makes me say that, since the discoveries made by the Viennese, all composition other than twelve-tone is useless. (This does not, of course, imply that the works of every twelve-tone composer are valuable.)"

Keine Schrift von Pierre Boulez hat so für Furore gesorgt und ist so im Gedächtnis geblieben wie sein Aufsatz "Schönberg is Dead". Nachdem im Juli 1951 das Interesse für die Zwölftontechnik und die Werke der Zweiten Wiener Schule bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt einen Höhepunkt erreicht hatte, erklärte Boulez in der Schönberg gewidmeten Sondernummer von The Score den soeben Verstorbenen auch für musikhistorisch tot. Schönberg habe zwar eine der größten Revolutionen der Musikgeschichte herbeigeführt, sein Werk sei jedoch ge-kennzeichnet von grundsätzlichen Unvereinbarkeiten. Indem Schönberg Zwölftonreihe und Thema einander gleichsetze, gelange er zu einer Ultra-Thematisierung und verkenne das Reihenphänomen als solches. Sein Festhalten an klassischen, der Tonalität verpflichteten Formen führe zu einer unüberbrückbaren Kluft, was schon die seltsame Fügung zeige, dass Schönberg die Zwölftontechnik in seinen Fünf Klavierstücken op. 23 anhand eines Walzers vorgestellt habe. Schönberg bediene sich überlebter Konzepte und Stilmittel, wie etwa dem Modell von Melodie und Begleitung, und seine Rhythmik sei armselig und langweilig. 1

Bereits in "Moment de Jean-Sébastian Bach" hatte Boulez Anton Webern zum Referenzpunkt bestimmt. Nicht Schönberg, sondern Webern nehme eine Bach vergleichbare historische Rolle ein. Wie Webern müsse man Strukturen anstreben, die vom Material der Reihe ausgingen. 2 Konkrete Anweisungen zu zeitgemäßem Komponieren folgten 1952 in "Éventuellement ...". Jeder Musiker, der die Notwendigkeit der zwölftönigen Sprache nicht erkannt habe, sei unnütz, doch gehe es nun darum, die Reihentechnik innovativ auszubauen, den Rhythmus mit der Reihenstruktur in Übereinstimmung zu bringen und auch Spielart, Lautstärke, Klangfarbe und Tempo seriell zu organisieren. 3

Auch als Komponist trat Pierre Boulez zu Beginn der 1950er-Jahre an die Öffentlichkeit. Innerhalb kürzester Zeit etablierte er sich als einer der führenden Köpfe der jungen Komponistengeneration, bereits 1958 widmete Antoine Goléa dem gerade 33-Jährigen eine erste Monografie und reihte ihn zu den großen Komponisten abendländischer Musikgeschichte. 4 Diastematisch und rhythmisch komplex stellte Boulez' uvre eine Herausforderung dar. Dementsprechend stand 1963 ein erster Überblick zu seinen Werken unter dem Titel "In Search of Boulez" und thematisierte die Schwierigkeit eines dodekafonen Zugangs anhand der Sonatine für Flöte und Klavier . 5 Analytische Beiträge, wie sie ab den 1970er-Jahren erschienen, wurden in Wissenschaftskreisen wie kleine Sensationen gehandelt. 6 Seit die Paul Sacher Stiftung in Basel 1985 die Manuskripte von Boulez erworben hat, eröffnen Skizzen sowie unpublizierte Werke neue Wege des Zugangs. Dies rückte vermehrt auch das frühe Schaffen ins Interesse der Forschung, Boulez' Aneignung der Zwölftontechnik und seine Begegnung mit der Zweiten Wiener Schule. 7 Pierre Boulez versteht sich als eigenständig Suchender, als "autodidacte par volonté". In einer Art "dissociation chimique" habe er zielstrebig nur das übernommen, was ihn interessierte, und den Rest fallen gelassen. 8 Seine Lehrzeit war von staunenswerter Kürze, die Begegnung mit der Zweiten Wiener Schule dauerte nur etwa ein Jahr. Da aber geschieht Entscheidendes: Innerhalb weniger Monate entstehen mit den Douze Notations , der Sonatine sowie der Première Sonate die ersten später veröffentlichten Werke. Seine unmittelbare kompositorische Reaktion bildet die Ausgangsbasis für die

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