text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Dieses Verlangen nach Schönheit Gespräche über Musik von Pressler, Menahem (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.05.2016
  • Verlag: edition Körber-Stiftung
eBook (PDF)
13,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Dieses Verlangen nach Schönheit

Lange war Menahem Pressler vor allem als Pianist des Beaux Arts Trios bekannt - 53 Jahre hatte das Ensemble Bestand. Nach der Auflösung des weltberühmten Trios schloss Pressler eine faszinierende Karriere als Solist an: mit Konzerten und Aufnahmen, die Lektionen in Schönheit sind. Im Gespräch mit dem Musikjournalisten Holger Noltze entwickelt sich das Porträt des leidenschaftlichen Künstlers Menahem Pressler, für den Musik buchstäblich überlebenswichtig war und ist. Sie denken über die Vitalität und Bedeutung klassischer Musik ebenso nach wie über die großen Fragen des Lebens (und der Kunst): Wahrheit, Liebe, Schönheit, Hingabe, Sinn. Dies ist das erste Werk über und mit Menahem Pressler in deutscher Sprache: eine kluge und beherzte Annäherung an die Frage, warum wir auf Musik in unserem Leben nicht verzichten dürfen. Mit 15 s/w-Fotos und einem Personenregister. Menahem Pressler, 1923 in Magdeburg geboren, floh 1939 mit seiner Familie nach Palästina. In den 1950er Jahren zog er in die USA; nach wie vor lehrt er als Professor an der Indiana University Bloomington. Kaum ein Pianist kann auf eine so lange und erfolgreiche Konzertkarriere, als Solist und im Ensemble, verweisen wie Menahem Pressler. Zu seinen zahllosen Ehrungen und Auszeichnungen gehören u.a. das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, die Ernennung zum Commandeur dans l'Ordre des Arts et Lettres und der Echo-Klassik-Preis für sein Lebenswerk. Holger Noltze ist Musikjournalist und Professor für Musik und Medien an der TU Dortmund. Er ist mit Features und Beiträgen im Rundfunk zu hören und schreibt für die Tages- und Fachpresse. Seit 2013 ist er zudem Sprecher des "Rats für Kulturelle Bildung". Er veröffentlichte zahlreiche Bücher, zuletzt über Wagner und Verdi (2013). In der edition Körber-Stiftung erschien 2010 "Die Leichtigkeitslüge. Über Musik, Medien und Komplexität".

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 09.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783896845092
    Verlag: edition Körber-Stiftung
    Größe: 3332 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Dieses Verlangen nach Schönheit

2. Tag:
"Was ist so schön an der Musik, wenn nicht die Wahrheit?"
Musik machen

HOLGER NOLTZE: Heute möchte ich mit Ihnen über Kammermusik sprechen, vor allem über das Spielen im Trio ...

MENAHEM PRESSLER: ... in dem man ja ungefähr wie in einem Streichquartett spielen muss. Man muss schauen, wie das Thema geht, wo das erste ist und wo das zweite. Und wie geht es weiter - wer trägt die Melodie, wen muss man unterstützen, was ist der Part der zweiten Geige, oder was ist der Part des Cellos oder des Klaviers? In einem Trio ist der Pianist natürlich Primus inter Pares. Er muss gleich hoch geschätzt werden, er muss genauso geschätzt sein wie der Cellist und der Geiger. Aber wenn man sich die Trio-Literatur anguckt, ist das Klavier meist der Primus. Es nimmt dann Verantwortung und Aufsicht auf sich, die sonst nicht so einfach zuzuweisen sind. Die erste Frage ist: Wie spielst du das Thema? Du musst es doch so spielen, dass die anderen es auch spielen können. Das bedingt zuerst, dass der Anschlag nicht auf die Weise piano ist, wie meist üblich. Das heißt, die Taste runterdrücken, und der Klang kommt sofort. Die Geige und das Cello, wenn die anlegen und spielen, kommt der Ton nicht sofort, darf er ja auch nicht. Sie versuchen den Bogen so zu führen, dass er nicht anfängt mit so einem Kratzen, krcht , im Ansatz. Das mit dem Klavier zu erreichen ist furchtbar schwer. Aber es ist mir immer gelungen - also schon von Anfang an, ich weiß nicht, warum, es war da. Auf diese Dinge zu hören ist das Allerwesentlichste. Überhaupt, natürlich: Zuhören.

HOLGER NOLTZE: Sie gucken aber auch viel.

MENAHEM PRESSLER: Ja, ich hab enorm auf die anderen geschaut. Enorm. Vielleicht zu viel, ich weiß nicht. Greenhouse saß immer mit dem Rücken zu mir, aber er konnte den Kopf so leicht wenden, dass ich seine Augen sehen konnte und er meine. Sodass ich sehen konnte, was er tut. Und er saß doch an der Ecke, wo das Klavier am lautesten ist. Das Klavier dann so zu behandeln, dass er von der Lautstärke des Klaviers nicht überrollt wurde, das ist mir gelungen.

Als ich das erste Trio hatte, in Israel, mit dem Sohn von Golda Meir, da habe ich darauf noch überhaupt nicht geachtet, das spielte gar keine Rolle.

HOLGER NOLTZE: Also, dass das Wichtige bei der Kammermusik und natürlich beim Klaviertrio die Kommunikation ist, leuchtet sofort ein, aber vielleicht können Sie uns noch ein bisschen darüber verraten, wie Sie das gemacht haben? Gucken ist ja das eine, aber es gibt ja unendlich viel mehr zwischen den Akteuren, als wir im Publikum sehen können.

MENAHEM PRESSLER: Was wichtig ist: Wenn der Cellist oder der Geiger in ihrer Interpretation die Zeit verlängern, einfach länger oder kürzer werden, weil sie das Thema kreieren, und das mit ihrem Instrument gut geht, dass ich dann verstehen musste, dass der Ton von ihnen anders kommt, als wenn du mit dem Finger die Taste drückst. Das hab ich verstanden, und dann habe ich diese Zeit eben flexibel behandelt.

HOLGER NOLTZE: Sie reagieren da auf die anderen, Primus hin oder her?

MENAHEM PRESSLER: Immer!

HOLGER NOLTZE: Müssen die anderen auch auf Sie reagieren, weil etwa Sie schneller werden?

MENAHEM PRESSLER: Immer. Immer! Manchmal war ich ja auch langsamer. Es gibt diese berühmte Geschichte mit dem Klaviertrio von Ravel. Wir lernten es, und Guilet kam ja vom Calvet-Quartett, die hatten es mit Ravel selbst gespielt, sind mit ihm gereist, waren auf Tournee. Ravel hatte das Metronom angegeben, aber es war mir zu schnell. Ich konnte es so nicht spielen ... Das Tempo hat mir das Stück weggenommen. Als ich das sagte, meinten die beiden: "Bist du wahnsinnig geworden? Wir haben Ravels Metronom, und du willst uns sagen, du nimmst dein anderes Tempo

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen