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Ich bin fellinesk Gespräche mit Costanzo Costantini von Fellini, Federico (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.11.2019
  • Verlag: Kampa Verlag
eBook (ePUB)
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Ich bin fellinesk

Erzählen, sagt Federico Fellini, sei für ihn das einzige Spiel, das sich zu spielen lohne. Und so 'erzählt' Fellini, der geborene raconteur, in diesen Gesprächen sein Leben - leidenschaftlich, tiefgründig, amüsant, filmreif, eben 'fellinesk': von seiner Kindheit in Rimini, von den Inspirationen zu seinen Filmen, von seiner Zusammenarbeit mit Filmgrößen wie Anita Ekberg, Marcello Mastroianni oder Pier Paolo Pasolini bis zu seiner Dankesrede für den Ehrenoscar, als er seine Frau Giulietta Masina bat, mit dem Weinen aufzuhören, obwohl er ihre Tränen von der Bühne aus nicht sehen konnte. Fellini spricht über Neorealismus und Katholizismus, Psychoanalyse und Fieber am Set - und über Filmangebote aus dem arabischen Raum: 'Vielleicht wollten die, dass ich einen Film mache über die religiösen und mystischen Gefühle, die Erdöl hervorruft.' Dass der Journalist Costanzo Costantini, der Fellini über dreißig Jahre immer wieder interviewt hat, längst ein Freund geworden war, merkt man dem entspannten Charakter der Gespräche an, die das intime Porträt eines der großen Filmemacher des 20. Jahrhunderts zeichnen. FEDERICO FELLINI geboren 1920 in Rimini, arbeitete erfolgreich als Journalist und Karikaturist, bevor er mit dem Drehbuchschreiben und später der Regiearbeit begann. Er gilt als Maestro des italienischen Nachkriegskinos und als einer der wichtigsten Autorenfilmer des 20. Jahrhunderts. Für seine Filme wie La strada, La dolce vita, 8 1/2 und Amarcord erhielt er unzählige internationale Preise, zwölf Mal war er für den Oscar nominiert. Fellini starb 1993 in Rom, nur wenige Monate, nachdem er mit dem Ehrenoscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden war. COSTANZO COSTANTINI (1924-2014) war ein italienischer Schriftsteller, Literaturkritiker und Journalist. Er publizierte zahlreiche Interviews und Biographien und war über dreißig Jahre ein Wegbegleiter und Freund Fellinis.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 04.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783311701071
    Verlag: Kampa Verlag
    Originaltitel: Fellini. Raccontando di me
    Größe: 614 kBytes
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Ich bin fellinesk

Vorwort

Federico Fellini begegnete ich zum ersten Mal in den Fünfzigerjahren. Ich interviewte ihn für die römische Tageszeitung Il Messaggero , deren Redaktion in der Via di Tritone lag. Ihr damaliger Chefredakteur war Vincenzo Spasiano, ein Neapolitaner, der als Magier des Journalismus galt. Er harrte bis in die frühen Morgenstunden im Büro aus und ging nur ab und zu auf einen Kaffee in die Nachtbar Settebello am Largo Tritone. In diesem Lokal, wo die Nacht alle möglichen Gestalten anspülte, lernte er den Regisseur aus Rimini kennen, und die beiden waren einander sofort sympathisch. Als ehemaliger Reporter mochte Fellini Zeitungen sehr und begleitete Spasiano deshalb gern in die Redaktion, wo er sich am liebsten in der Setzerei oder in den unterirdischen Räumen mit den Druckmaschinen aufhielt. So kannte man ihn bei der Zeitung, und auch wir beide verstanden uns von unserer ersten Begegnung an gut.

Ab Mitte der Fünfzigerjahre interviewte ich Federico jährlich zweimal oder öfter, meist wenn er einen Film anfing sowie nach Abschluss der Dreharbeiten. Wir trafen uns mal hier, mal dort: am Set in der Cinecittà, in seinen Büros in der Via della Croce, der Via Sistina und am Corso d'Italia; in Restaurants, in seinen Häusern in Rom oder seiner Villa in Fregene, dem nahe Rom gelegenen Badeort, wo er 1951 seinen ersten Film Lo sceicco bianco (dt. Die bittere Liebe oder Der weiße Scheich ) gedreht hatte. Wir trafen uns aber auch sonst, unabhängig von der Arbeit.

Im April 1975 , gleich nachdem bekannt geworden war, dass er den Oscar für Amarcord (dt. Amarcord , 1973 ) erhalten hatte, rief ich ihn an und bat ihn um ein Interview.

"Was soll ich dir schon sagen können? Ich habe nichts zu sagen, ich weiß nicht, was sagen, das musst du mir glauben, ehrlich."

"Ich bitte dich, Federico."

"Das ist der vierte Oscar, den ich unverdienterweise bekommen habe, ich kann doch nicht immer das Gleiche wiederholen."

"Mir reichen zehn Minuten, auch fünf."

"Dann komm halt morgen früh um neun in die Via Sistina. Aber ich sage dir noch einmal: Ich habe nichts zu sagen."

Kurz vor neun war ich in seinem Büro.

"Tut mir leid, dass du umsonst gekommen bist", sagte er, drückte meine Hand und umarmte mich.

Nach kurzem Schweigen fügte er hinzu:

"Ich weiß wirklich nicht, was ich dir sagen soll."

Nach einem weiteren kurzen Schweigen fläzte er sich auf das Sofa und wies auf einen daneben stehenden Stuhl.

Dann redete er ohne Punkt und Komma bis um 13 : 30 Uhr.

Plötzlich fiel ihm ein, dass er zum Essen verabredet und bereits verspätet war. Er stand auf und sagte: "Entschuldige, aber ich muss weg. Es tut mir leid, dass ich jetzt gehen muss. Mit dir fühle ich mich so wohl. Du gehörst zu den wenigen Menschen, mit denen man ein echtes Gespräch haben, Ideen austauschen, kommunizieren kann."

Ich hatte während der ganzen Zeit nur sechs Wörter gesagt: "Entschuldige, aber ich muss mal kurz." Ohne sich vom Fleck zu rühren, hatte er auf den gewünschten Ort gezeigt, und nach meiner Rückkehr redete er weiter.

Es war faszinierend, ihm zuzuhören: Außer ihm konnte vielleicht nur Jorge Luis Borges beim Reden so ungewohnte, leuchtende und verführerische Horizonte eröffnen. Auch Roberto Rossellini, der einzige Cineast, dem Fellini den Titel "Maestro" zugestand, konnte außerordentlich gut reden. Aber der Schöpfer von Roma, città aperta (dt. Rom, offene Stadt , 1945 ) und von Paisà ( 1946 ), Filmen, an denen Fellini als Co-Drehbuchautor und Regieassistent mitgewirkt hatte, sprach außer über seine Abenteuer und Missgeschicke auch über andere Menschen, wohingegen sein Schüler nur von sich redete, von seinem Innenleben und von dem berückenden imaginären Kosmos, dessen absolut

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