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Im Sog der Klänge Gespräche mit dem Komponisten Jörg Widmann von Fein, Markus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.03.2015
  • Verlag: Schott Music
eBook (ePUB)
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Im Sog der Klänge

Diese Publikation entwirft in Form von Gesprächen das Porträt eines Komponisten und Interpreten, auf den die Fachwelt bereits seit längerem blickt: Jörg Widmann. Widmann zählt zu den Grenzgängern unter den zeitgenössischen Komponisten. Er bewegt sich in seinen Werken in Randbezirken und versucht dabei oftmals den dialektischen Brückenschlag zwischen den Extremen. Von entscheidender Bedeutung sind deshalb die 'Bruchlinien', entlang derer seine kompositorische Suche stattfindet. Die hier dokumentierten Gespräche mit Jörg Widmann fanden innerhalb eines sechsmonatigen Zeitraums statt. Widmann setzt sich darin als Komponist bewusst den Risiken der Selbstentäußerung aus - und ist dadurch als intensiver und authentischer Gesprächspartner zu erleben .

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 142
    Erscheinungsdatum: 02.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783795786373
    Verlag: Schott Music
    Größe: 10101 kBytes
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Im Sog der Klänge

Das Ich im Spiegel der anderen

Zunächst die Frage nach dem Beginn: Erinnern Sie sich, wann und weshalb Sie zu komponieren begannen?

Das Komponieren entstand bei mir aus dem Improvisieren auf der Klarinette. Ich habe mit sieben Jahren mit der Klarinette angefangen, vier Jahre später kam dann das Komponieren hinzu, denn irgendwann spürte ich das Bedürfnis, das Improvisierte zu fixieren. Ich war beim Blockflöten-, später beim Klarinettenspiel von einzelnen Stellen fasziniert und habe aus diesen Stellen heraus beim Improvisieren Dinge weiterentwickelt. Mit diesen improvisierenden Erfindungen fing das Komponieren bei mir an. Das erste Stück, an das ich mich bewusst erinnern kann, ist ein Walzer in F-Dur für Klavier. Vor allem an den Anfangsgestus aus diesem Stück kann ich mich gut erinnern.

Entstand dieser Wunsch nach dem Spielen und Komponieren von Musik aus Ihnen selbst heraus?

Alles wäre ohne meine Eltern nicht möglich gewesen. Meine Eltern sind zwar beide keine Berufsmusiker, aber sie hatten ein Hobbystreichquartett. Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich als kleines Kind unter dem Klavier gelegen bin und zuhören durfte, wenn sie im Quartett musizierten, etwa das "Lerchenquartett" von Haydn - ziemlich hoch für die erste Geige und auch schwierig ... Ich durfte noch ein bisschen zuhören, ehe ich ins Bett gehen musste. Diese sehr frühe Erfahrung eines Streicherklangs hat mich fasziniert und sie wurde noch durch meine Schwester Carolin verstärkt, die Geigerin ist und die ich meine ganze Jugend hindurch befragen durfte.

Sie sagen, vieles ist in diesen ersten Jahren aus dem Fixieren von Improvisation entstanden. Da ist das Komponieren sehr nah dran am physisch erlebten Klang. Wann hat sich bei Ihnen eine eher abstrakte kompositorische Klangvorstellung herausgebildet?

Ich würde sagen, dass ich oft durch äußere Anlässe ins kalte Wasser geworfen wurde. Das war eine ganz wichtige Erfahrung. Als der Walzer in F-Dur passé war, gab es eine Anfrage von den Münchner Philharmonikern, die Kinderkonzerte veranstalteten und die damals in einer kleinen Besetzung und mit einigen Kindern als Solisten mit einem Mozartprogramm auf eine Japan-Tournee gehen wollten. Die haben sich zu diesem reinen Mozartprogramm ein Stück von mir, Variationen über Mozart , gewünscht. Das war das erste Mal, dass ich eine größere Dramaturgie bauen musste und ich mich nicht mehr auf das verlassen konnte, was ich über das eigene Instrument wusste. Plötzlich durfte ich für ein Horn schreiben! Dieses Stück hat sich noch in Dur-Moll abgespielt, aber schon das nächste hat die Tonalität verlassen, war ein Stück in Bitonalität und mit übermäßigen Akkorden. Dieses zweite Stück - ich war damals vielleicht elf, zwölf Jahre alt - war eine Art Theatermusik zu Geraldine und die Mauseflöte von Leo Lionni, eine Kindergeschichte, in der es um das Wesen der Musik geht. Zum ersten Mal musste ich mich gegenüber einer Textvorlage verhalten.

Wer war Ihr erster Lehrer, der Sie in Komposition unterrichtet hat?

Das war Kay Westermann, den mir Siglind Bruhn, die Leiterin der Musikschule, an der ich Klarinettenunterricht bekam, vermittelte. Ich war damals elf Jahre alt. An die Stücke, die wir uns gemeinsam im Unterricht angehört haben, kann ich mich noch gut erinnern: das war das Klarinettenquintett von Brahms - das hatte ich mir gewünscht - und Strawinskys Sacre du printemps - und zwar ohne Partitur. Kay Westermann fragte mich: "Was sind das für Instrumente?" Im Sacre gibt es so viele Dämpfertechniken und Mixturklänge, dass es nicht einfach war, die einzelnen Instrumentenstimmen herauszuhören. Das war eine faszinierende Welt für mich; aber ich habe sie nicht wirklich verstanden. Ich wusste bloß: Ich möchte mehr darüber wissen.

Wie sah der Unterricht bei Westermann aus? Haben Sie sich in dieser Zeit das klassische Rüstzeug angeeignet: Formenlehre,

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