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Insight - Martin Gore und Depeche Mode von Boße, André (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.12.2010
  • Verlag: Hannibal Verlag Edition Koch
eBook (ePUB)
9,99 €
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Insight - Martin Gore und Depeche Mode

Mehr als 100 Millionen verkaufte Tonträger weltweit belegen eine atemberaubende Erfolgsgeschichte, die eng mit Deutschland verknüpft ist: Von 1985 bis 1987 lebte Gore mit seiner damaligen deutschen Freundin Christina Friedrich in Berlin. Er trug Röcke und schwarzen Nagellack, was damals für großes Aufsehen sorgte. Nun kamen Erfolge mit Depeche Mode, aber auch Solo-Projekte, dann 1994 die Heirat mit der Modedesignerin Suzanne Boisvert, drei Kinder und eine traumatische Scheidung im Jahr 2008, die Martin Gore in einigen Songs verarbeitete. Dennis Plauk traf Martin Gore und Depeche Mode mehrfach, erlebte ihn gedankenversunken am Klavier in seiner Hotel-Suite und erfuhr einiges aus seinem Privatleben. In Zusammenarbeit mit André Boße ist eine spannende Biografie über eine der ungewöhnlichsten Persönlichkeiten der Popgeschichte gelungen: Hautnah, mit viel Liebe für Details und spannend geschrieben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 20.12.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783854453413
    Verlag: Hannibal Verlag Edition Koch
    Größe: 980 kBytes
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Insight - Martin Gore und Depeche Mode

Erste Begegnung, 7. September 2005. Der Weg zu Martin Gore führt durch die sonnengefluteten Straßen von Berlin, vorbei an Strömen vom Schweiß gezeichneter Menschen, die den unerhört heißen Spätsommer mindestens innerlich verfluchen, quer über den Potsdamer Platz, hinein in das fahl ausgeleuchtete Foyer eines sehr teuren, sehr diskreten Hotels. Kühler Marmor, schwere Kronleuchter, schwer beschäftigte Geschäftsmänner, versunken in Sesseln, versunken in Zeitungen: Endspurt im Bundestagswahlkampf, Merkel gegen Schröder. In New Orleans kämpft man derweil ums Überleben, mehr als eine Woche nach Hurrikan Katrina herrscht in der Stadt noch immer der Ausnahmezustand. Und hier in Berlin schimpfen sie auf das Wetter. Irgendwas ist immer. Der Empfangsmann lotst uns zum Pagen, der Page lotst uns zum Fahrstuhl, und der spuckt uns einige Stockwerke höher auf einen langen Flur aus. Am Ende des Flurs wartet die Dame von der Plattenfirma. "Augenblick noch", sagt sie, "Martin ist gleich fertig."

Fünf Minuten später öffnet sie die Tür zu seiner Suite und schickt uns hinein. Mitten im Raum sitzt Martin Gore an einem Flügel und improvisiert, den Kopf von uns weggewandt, hin zur breiten Fensterfront, durch die das weiße Licht der Mittagssonne eindringt. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als genieße er die Aussicht auf das Hochhaus-Ensemble am Potsdamer Platz. Doch Gore hat die Augen geschlossen, während er spielt. Vielleicht denkt er in diesem Moment daran zurück, wie dieser Ort auf ihn wirkte, als er ihn kennenlernte, vor mehr als 20 Jahren: noch keine Spielwiese für Architekten, sondern ein Niemandsland im Schatten der Mauer. Unvollendet wie die bildhübsche, bittersüße Melodie, die ihm gerade aus den Fingern fließt. Andernorts in Berlin, in den Musikerkneipen von Kreuzberg oder der Wohnung seiner damaligen deutschen Freundin, kam er der besonderen Stimmung zwischen Ausbruch und Dekadenz in der geteilten Stadt näher. Das Berlin der Achtzigerjahre war das Berlin Martin Gores. Heute ist er nur noch als Tourist hier, ein Superstar auf der Durchreise.

Damals fand Gore in Berlin das Kontrastprogramm zu seiner Heimatstadt Basildon im Osten Englands, die ihm eng und enger wurde, je mehr er mit Depeche Mode von der Welt sah. Bald tauschte er die Prüderie seiner britischen Jugendliebe ein gegen die Körperlichkeit einer deutschen Nachtschwärmerin; die lähmende Klaustrophobie Basildons gegen das belebende Chaos Berlins. Dieser Ort und diese Zeit haben seine extravagante Erscheinung geprägt, die scheinbar im Widerspruch steht zu seinem introvertierten Wesen, für manch einen sogar im Widerspruch zu seiner sexuellen Orientierung. Und als wolle Gore, dreifacher Vater, den Geist jener Tage ein letztes Mal heraufbeschwören, hat er seinen untersetzten Oberkörper heute Morgen in ein enges, halbdurchsichtiges T-Shirt gezwängt und sich die Fingernägel schwarz lackiert. Minutenlang gleiten seine Hände nun über die Klaviatur, immer auf der Suche nach dem nächsten melancholischen Griff in die Tasten. Denn im schweren Moll, sagt er, schreibt es sich für ihn leichter als in Dur. Lebensnäher. Leidenschaftlicher. Dann öffnet er die Augen, schaut unter den langen blonden Locken auf und lässt die Töne verhallen. "Ich habe euch gar nicht bemerkt", sagt er, und vielleicht ist das nicht mal gelogen.

Gore bittet zum Interview an einen Tisch im Nebenraum. Beklagt sich über den Kater, den er sich letzte Nacht bei einer ausgiebigen Weinverkostung zu italienischem Essen zugezogen habe, und bestellt trotzdem das dritte Weißbier des Tages. "My favourite beer in the world is Hefeweizen", schw&a

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