text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Jules Massenet Sein Leben, sein Werk, seine Zeit von Schmidl, Stefan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2014
  • Verlag: Schott Music
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Jules Massenet

Seine 'Méditation' ist beinahe ein "Schlager" geworden, seine Opern 'Manon' und 'Werther' finden sich auf den Spielplänen aller großen Opernhäuser, und doch blieb der Komponist Jules Massenet (1842-1912) bislang eher unbekannt. Das ändert sich nun: Zu seinem 100. Todestag legt Stefan Schmidl erstmals eine deutschsprachige Biografie dieses Grandseigneurs der französischen Oper vor. Er zeigt, dass Massenets Kompositionen vielschichtiger sind, als 'Manon' und 'Werther' es vermuten lassen - und eröffnet einen neuen Blick auf die Musikgeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Stefan Schmidl ist Mitarbeiter der Kommission für Musikforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Neben Lehr- und Vortragstätigkeit publizierte er zu musik-, kultur- und medienwissenschaftlichen Themen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 01.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783795786137
    Verlag: Schott Music
    Größe: 1586 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Jules Massenet

Aufstieg zwischen Können und Kalkül (1873 - 1882)

Erotische Heilige: Marie-Magdeleine (1873)

Von den Katastrophen des Deutsch-Französischen Krieges und der versuchten kommunistischen Machtübernahme in Paris war die französische Gesellschaft zutiefst erschüttert worden. Es hatten sich gefährliche Kräfte von "außen" und "innen" gezeigt, mit denen auch nach ihrer unmittelbaren Abwendung zu rechnen war. Als Reaktion auf diese Bedrohungen waren die Jahre nach 1871 geprägt von einem neuen französischen Nationalbewusstsein, einer Emphase auf alles vermeintlich "Französische". Auch im Musikleben gewann das Element des Nationalen an Bedeutung. Die im Februar 1871 von Camille Saint-Saëns und Romain Bussine begründete Société Nationale de Musique nahm hierbei eine Vorreiterrolle ein. Ihr Ziel war es, vornehmlich Werke französischer Provenienz aufzuführen. Die Tätigkeit der Société Nationale zog eine gesteigerte Zahl an Neukompositionen nach sich.

Keine musikalische Gattung erfuhr dabei eine solche Konjunktur wie die des Oratoriums. Obwohl selbst nicht explizit national, 70 konnte hier anschaulich das "alte", katholische Frankreich zelebriert werden. Wie populär die Gattung war, zeigt sich schon allein daran, dass sich die Zahl der komponierten Werke gegenüber dem Zweiten Kaiserreich verdoppelte. 71 Für diesen sprunghaften Anstieg war nicht zuletzt der Durchbruchserfolg Jules Massenets, selbst Mitbegründer der Société Nationale, verantwortlich: Marie-Magdeleine spekulierte gewinnbringend mit den neuen Erwartungshaltungen und inspirierte Kollegen wie Georges Bizet zur Nachahmung. 72

Der Text zu Massenets "Drame sacré" stammte von Louis Gallet (1835 - 1898), dem renommierten Direktor des Pariser Krankenhauses Beaujon 73 und nebenberuflich nicht weniger erfolgreichen Librettisten, 74 der 1872 mit den Opernlibretti zu Bizets Djamileh und Saint-Saëns' La Princesse jaune hervorgetreten war. 75 Das auf Hartmanns Vorschlag hin entstandene Textbuch zu Marie-Magdeleine vertonte Massenet zwischen Herbst 1871 und Januar 1872. 76 Da sich der ursprünglich anvisierte Termin der Uraufführung im Rahmen der Concerts populaires nicht verwirklichen ließ, versuchten sich Massenet und Gallet währenddessen noch an einer Operette. L'Adorable Bel'-Boul wurde jedoch nur im privaten Cercle de l'Union artistique inszeniert und nicht veröffentlicht. 77

Louis Gallet, 1892

Doch Hartmann ließ nicht locker und rief unter großen Kosten 78 eine eigene Konzertreihe im Pariser Théâtre de l'Odéon, das Concert National, 79 ins Leben. Als Teil dieser Reihe wurde am Karfreitag des Jahres 1873 Marie-Magdeleine aufgeführt. Die berühmte Diva Pauline Viardot übernahm dabei die Titelpartie der Maria Magdalena (im Werk Méryem benannt) - ein Besetzungscoup, der die Premiere zu einem gesellschaftlichen Ereignis werden ließ und den Erfolg des Werkes besiegelte. Das Feuilleton lobte Massenets Originalität und stellte ihn in eine Reihe mit Berlioz und Gounod. 80 Marie-Magdeleine beeindruckte aber nicht nur Kritik und Publikum, sondern auch Komponisten: In herzlichen Grußadressen gratulierten Thomas und Bizet zum Erfolg. 81 Gleichfalls ergriffen, besonders vom großen Duett Jésus - Méryem, zeigte sich später Peter Tschaikowsky, der sich intensiv mit der Partitur des Oratoriums beschäftigt hat. 82

Der Erfolg von Marie-Magdeleine beruhte auf einer geschickt abgestimmten Mischung aktueller Diskurse: Mit der Geschichte der reuigen Sünderin Maria Magdalena widmete sich Massenets Oratorium nämlich nicht nur einem der volkstümlichsten Charaktere des Neuen Testaments, sondern auch einer besonders in Frankreich verehrten Heiligen, war diese doch nach legendenhafter Überlieferung auf ihrer Flucht aus Judäa im späteren Saintes-Maries-de-la-Mer gelandet und hatte

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    ALDI life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier finden Sie alle Ihre eBooks und viele praktische Lesefunktionen.