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Leonard Bernstein Der Charismatiker von Müller, Sven Oliver (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.03.2018
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
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Leonard Bernstein

Leonard Bernstein war einer der ersten internationalen Medienstars der klassischen Musik. Mit seinem Können und mit seinem Charisma erreichte er ein Millionenpublikum. Der den USA geborene Sohn jüdischer Einwanderer machte sich einen Namen als Dirigent, Komponist, Autor, Lehrer, Manager, Musikvermittler. Seine 'West Side Story' ist eines der populärsten Musicals des amerikanischen Musiktheaters, als Dirigent hat er nahezu alle bedeutenden Werke des klassisch-romantischen Orchesterrepertoires eingespielt, seine Mahler-Interpretationen sind legendär, sein Berliner Dirigat von Beethovens 9. Sinfonie im Dezember 1989 bleibt unvergessen. Stets positionierte er sich auch zu aktuellen politischen Fragen. Er betrieb Wahlkampf für John F. Kennedy, setzte sich für Bürgerrechte ein und polemisierte gegen den Vietnamkrieg. Eine tiefe persönliche Freundschaft verband ihn unter anderem mit Loki und Helmut Schmidt. In seiner aktuellen Biographie beschreibt Sven Oliver Müller das in jeder Hinsicht überreiche Leben einer Ausnahmepersönlichkeit, wobei er die schwierigen Aspekte nicht verschweigt: Eitelkeit, Arroganz, erotische Exzesse, den Hang zu Zigaretten und Alkohol, die innere Vereinsamung der späten Jahre. Sven Oliver Müller, geb. 1968, Historiker an der Universität Tübingen, forschte u.a. über die Geschichte der Musikrezeption in Europa und den USA, verfasste eine Studie über die politische Bewertung Richard Wagners im 20. Jahrhundert sowie verschiedene Beiträge zur Bedeutung, Rezeption und Wandel der Oper.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 16.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159613154
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 8171 kBytes
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Leonard Bernstein

2 Die (Her-)Ausbildung

Zwar scheint es konventionell, doch liegt es auf der Hand, Biographien mit dem Namen und dem Geburtstag der beschriebenen Person zu beginnen. Hier verhält es sich anders. Schon die Wahl seines Vornamens und die damit verbundene Geschichte verweist auf die Vielschichtigkeit von Leonard Bernsteins Leben und dessen ungewöhnlichem Verlauf. Am 25 . August 1918 wurde das Kind in Lawrence, Massachusetts , einem kleinen Ort nördlich von Boston geboren. Wie aber sollte der Sohn der Familie heißen? Der Eintrag in das Geburtenregister lautete Louis Eliezer Bernstein. Bereits der früh verstorbene Bruder und der Großvater der Mutter hießen Louis, und seine Eltern wünschten sich diesen Namen. Das Ehepaar Jennie und Samuel ("Sam") Bernstein nannte seinen Sohn aber in dessen ersten fünf Lebensjahren nicht Louis, sondern Leonard. Und um die Verwirrung noch zu steigern, riefen sie den Kleinen nicht nur Leonard, sondern auch Len oder Lenny.

Leonard spielte schon früh mit dem Gedanken einer Namensänderung. Freunde erinnerten sich, dass er viele Namen durchprobierte, die mit "B" begannen. Als er im Alter von 16 Jahren seinen Führerschein machte, bekam er die Möglichkeit, seinen Namen offiziell in Leonard zu ändern. Sein Vorbild, der Dirigent Serge Koussevitzky , wies ihn später darauf hin, dass "Leonard Bernstein" seiner Karriere schaden könne. Der Name wirke nicht nur jüdisch, sondern sei auch gewöhnlich. Deshalb plädierte er für einen Künstlernamen: Leonard S. Burns. Sein Schüler verbrachte eine schlaflose Nacht, dann ließ er seinen sonst in jeder Hinsicht tonangebenden Lehrer selbstbewusst wissen, dass er nur unter seinem eigenen Namen Erfolg haben könne. Allerdings veröffentlichte der junge Künstler Leonard Bernstein oft eigene Klaviertranskriptionen von Unterhaltungsstücken unter dem Pseudonym "Lenny Amber". Später nutzte er seinen Nachnamen ausdrücklich und nannte seine eigene Firma "Amberson Enterprises " .

Aufschlussreich ist auch der Blick auf die Aussprache seines Nachnamens in den USA . Zu Beginn seiner Karriere wandten beispielsweise Journalisten die geltenden Regeln der US-amerikanischen Aussprache an und nannten ihn "Mr. Bernstien". An dieser Stelle unterbrach er sofort und bat darum, seinen Namen deutsch zu betonen: "Mr. Bernstein". Der heranwachsende Dirigent achtete wohl auch in dieser Hinsicht auf seine europäische Herkunft. Im Namen des Schmucksteins Bernstein liegt ein deutscher Ursprung. Zudem gilt dieses gelbliche Harzfossil als Symbol für Schönheit und Natürlichkeit. Der berühmte Stardirigent wurde später in Österreich Ehrenbürger des kleinen, südlich von Wien gelegenen Ortes Bernstein.

Bereits die Namensfindung zeigt daher, dass große Talente nicht geboren werden, sondern sich entwickeln. Davon handelt dieses Kapitel, es umreißt sozusagen den Bauplan von Bernsteins Biographie. Beleuchtet werden sein Heranwachsen, seine Ausbildung bis in die frühen 1950er Jahre. Wichtig sind die Rolle seiner Eltern und Freunde, die schulische Ausbildung und seine Zeit in Harvard ; ebenso der Einfluss von Dirigenten und seine Vernetzung auf dem musikalischen Markt. Skizziert werden auch seine ersten Kompositionen sowie die Suche nach einer festen Anstellung. Nicht zu unterschätzen ist dabei die Liebe zu seiner Ehefrau Felicia .

Blicken wir zunächst auf Leonard Bernsteins Eltern Samuel und Jennie . Beide stammten aus der Ukraine, die zum russichen Zarenreich gehörte . Zwischen 1881 (der Ermordung des Zaren Alexander II.) und dem Ausbruch des Zweite

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