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Mein Weg zu Mozart von Bjørnstad, Ketil (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.09.2016
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Mein Weg zu Mozart

In einem kleinen Hotel in Fredrikstad bereitet sich der Musiker Ketil Bjørnstad auf seinen Auftritt beim ersten Mozartfestival Norwegens vor. Was soll er spielen? Vielleicht die A-Dur-Sonate nehmen? Oder doch ein anderes Stück? In Gedanken kehrt er zu seiner ersten Begegnung mit der Musik Mozarts zurück: Er ist sechs Jahre alt, im Radio läuft Eine kleine Nachtmusik ... Lebendig und anschaulich erzählt Ketil Bjørnstad von dieser Begegnung, die seinem Werden als Musiker so entscheidende Impulse gab. Erzählt aber auch von Unlust und mangelnder Disziplin, von der Konkurrenz mit dem Bruder und immer wieder von der leidenschaftlichen Liebe zur Musik, die seine Kindheit prägte. Mozart wird dabei mehr und mehr zum Dreh- und Angelpunkt seiner musikalischen Entwicklung. Geschickt verknüpft Bjørnstad persönliche Erinnerungen und Erlebnisse mit Stationen aus dem Leben des weltberühmten Komponisten zu einem mitreißenden musikalischen Panorama. "Mein Weg zu Mozart" ist ein Memoir des Musikers und Autors Ketil Bjørnstad und zugleich eine Hommage an den großen Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart.

Ketil Bjørnstad, geboren 1952, studierte in Oslo, London und Paris klassisches Klavier. Sein musikalisches Debüt gab er im Alter von 16 Jahren mit dem Philharmonischen Orchester Oslo, wandte sich dann aber der Jazzmusik und dem Schreiben zu. Sein erster Gedichtband erschien 1972. Heute lebt Bjørnstad als Schriftsteller und Musiker mit seiner Familie in Oslo. Zu seinen erfolgreichsten Büchern zählen Villa Europa und Oda sowie die Trilogie um den jungen Pianisten Aksel Vinding: Vindings Spiel , Der Fluß und Die Frau im Tal .

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 445
    Erscheinungsdatum: 11.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458749097
    Verlag: Insel Verlag
    Originaltitel: Veien til Mozart
    Größe: 4833kBytes
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Mein Weg zu Mozart

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Das Wunderkind

D ie Straßen damals, von Salzburg nach München und weiter nach Augsburg. Oder in die andere Richtung, nach Wien und Prag, Dresden, Leipzig, Berlin. Die Straßen nach Paris, von dort weiter nach London. Die Wagen ohne Stoßdämpfer, das Holpern und Rütteln, wie man es erlebt, wenn man über zweihundert Jahre später durch Wien fährt, wo das Kopfsteinpflaster erstklassig ist. Für Mozart war das nicht eine einstündige Sightseeingtour über den inneren Ring. Die Reisen dauerten oft fünfzehn, sechzehn Stunden, bis man bei strömendem Regen ein Wirtshaus fand, wo man bewußtlos vor Müdigkeit einschlief, um am nächsten Tag weiterzufahren. Die besondere Anspannung, wenn der Regen prasselte und ständig die Gefahr von Erdrutschen bestand. Das Gefühl, wenn der Wagen zu kippen drohte, wenn die Fahrspur vor den Augen des Kutschers zerrann. Wenn jemand schrie.

Die wenigen Male, wenn der ganze Wagen umstürzte, wenn das Pferd mit verdrehten Augen verzweifelt Halt suchte, wenn man nicht weiterkam, wenn man umkehren mußte. All diese Mißlichkeiten gehörten dazu. Ein wesentlicher Teil von Mozarts Erfahrungen. Auf die Toilette müssen. Die körperlichen Befindlichkeiten, die Mozart immer wieder faszinierten, die spitze Nase, die besondere Muschelform der Ohren, Mutters Ungeniertheit, was die Verdauung angeht. In einem Brief an ihren Mann schrieb sie: "Leb gesund, reck den Arsch zum Mund, ich wünsch eine gute Nacht, scheiß ins Bett, daß kracht."

Auf dem Papier mag das 18. Jahrhundert weit weg erscheinen, aber es war gestern. Ein Fingerschnippen und man ist im schrulligen Österreich. In Salzburg. Der katholischen Stadt, wo der Erzbischof auch weltlicher Fürst ist. Eine strenge und gnadenlose Hierarchie. Die Winterstadt mit den Schneestürmen. Die Sommerstadt mit Wein und Blumen. Die Musik, die aus allen Fenstern dringt. Die Liturgie in den Kapellen und Kirchen. Die Stadt von Georg Trakl. Die Stadt von Thomas Bernhard. Die Berge und der Föhn, der den Menschen den Kopf verwirrt. Der Klassenhaß in beide Richtungen. Mozart. Feuerrot im Gesicht, als er später in Wien vom Hofmarschall des Erzbischofs buchstäblich die Treppe hinuntergestoßen wird. Alle die demütigenden Absagen auf seine Gesuche um eine feste Stelle. Der Traum von stabilen finanziellen Verhältnissen, die er nie gehabt hat, nach all diesen Jahren des Reisens und eines Lebens von der Hand in den Mund. Die unrealistischen Phantasien, gut bezahlte Aufträge zu bekommen, Opern am laufenden Band und eine gesicherte Zukunft. Aber hier bin ich bereits tief eingedrungen in sein Leben. Es ging so schnell mit Mozart. Und wir hecheln hinterher, über zweihundert Jahre danach, suchen nach Haltepunkten.

Die Geburt war dramatisch. Anna Maria, geborene Pertl, hatte bereits drei Kinder verloren. Nur Nannerl überlebte. Und dann war Johannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus an der Reihe.

Ein Albtraum von einer Geburt. Im Haus des Kaufmanns Hagenauer. Getreidegasse 5, dritter Stock. Leopold Mozart wagt sich nicht ins Entbindungszimmer, wo der Hausarzt sich bemüht, die Schmerzen der sechsunddreißig Jahre alten Frau zu lindern. Notwendigkeit, die Nachgeburt zu entfernen. Große Gefahr für Blutungen. Kaiserschnitt empfohlen, aber nicht durchgeführt. Leopold Mozart gehörte zu denen, die meinten, Kinder müsse man mit Wasser ernähren. Ihm ging es darum, alles richtig zu machen, die beste Diät aus Gerstenwasser und Haferschleim, alles tun, um Infektionen, die das Stillen oft mit sich brachte, zu vermeiden. Aber nach flehentlichem Bitten der Schwiegermutter und seiner Frau hatte er sich gefügt. Und Nannerl lebte trotzdem. Wenn er nun wählen mußte zwischen der Frau und dem Kind? Die Wahl blieb ihm erspart. Als er schließlich ins Entbindungszimmer geht, ist seine Frau vom Blutverlust bewußtlos, lebt aber. Er sieht den neugeborenen Jun

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